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Death Cab for Cutie – Codes and Keys

Nach dem geradezu progressiven, mit Krautrock flirtenden Hitmanifest  Narrow Stairs sucht die Band aus Washington wieder neue Ansätze. Auf Codes and Keys  klammert Elektronik deswegen die Gitarren  weitestgehend aus. Und plötzlich ist The Postal Service nicht mehr fern.

Aber mehr als das ist der Nachfolger zu Narrow Stairs natürlich unverkennbar ein Death Cab for Cutie Album geworden. Denn was man an dieser Band lieben gelernt hat, findet sich trotz Standortneubestimmung auch hier in rauen Mengen. Dazu verleiht Studiomagier Chris Walla der Platte einen dichten aber frei atmenden Sound, der doch zu jeder Sekunde aufzeigt, das man es hier mit einer Bandplatte zu tun hat. Da mag Ben Gibbard noch so sehr mit seiner engelsgleichen Stimme, die kein Grauen kennt, thronen. Zärtlich,intensiv und federleicht wie eh und je seine kitschig-weisen Tagebuch Texte vortragen, die sich auf den Handrücken schreiben kann,  wer doch schon zu abgebrüht für die eigene Jugend ist.

Die am wenigsten an Gitarren orientierte Platte der Bandgeschichte solle Codes and Keys werden, ließ die Band im Vorfeld ausrichten. Gemessen am Vorabsong „You Are a Tourist„, der sich nicht nur die Gitarre aus “Your New Twin Sized Bed“ hinüber rettet, schwer zu glauben. Album Nummer macht nun aber Nägel mit Köpfen. Weniger Gitarren heißen eben nicht gar keine, wer auf Codes and Keys welche finden möchte, bringt aber doch besser gleich die Lupe mit. Denn tatsächlich regieren hier warme Synthesizer und Sequenzerflächen. Keine 80er Tanzeskapaden, doch dreht Walla lieber an Knöpfchen, denn Gitarrenakkorde zu schrubben, und untertupft die Songs wenn schon mit subtilen Geplänkel. Im Pianolastigen Soundmeer „Unobstructed Views“ gelingt das am konsequentesten, „Stay Young, Go Dancing“ wäre hingegen auf kaum einer Death Cab Platte unangenehm aufgefallen. Keys and Codes fällt damit weitaus weniger entrückt aus der Discographie, als man meinen möchte.

Im Titelsong pressen sich launige Streicher über einen flott-fröhlichen Beat und wachsen zur kleinen Hymne heran, der auch “Fire-higher“ Reime nichts anhaben können. “Some Boys“ joggt hechelnd zum Shuffle Beat und über überlässt den sturen Drive schließlich vollends der Joy Division Verneigung „Doors Unlocked and Open„. Da muss man natürlich außer Acht lassen, dass die Engländer auf solch harmoniesüchtige Refrains weitestgehend verzichtet hätten und auch niemals einen derart warmen Sound hatten. „Portable Television“ entpuppt sich als vielleicht größter Ohrwurmschmeichler auf einer auf Hits nicht verzichtenden Platte, die sich aber noch besser als homogenes und gefälliges Gesamtwerk zwischen den Bandinternen Definitionen von Melancholie und Euphorie gefällt und zu ihrem wahrscheinlich optimistischsten Werk bisher gerät. Mehr Upbeat gab´s zudem noch auf keiner Death Cab for Cutie Platte, weniger Tränen auch nicht.
Womit Codes and Keys Gibbard, Walla und Co. neue Facetten abgewinnt, ohne Grundmauern einreißen zu müssen. Was ja auch insofern beklagenswert wäre, als das Death Cab for Cutie Platten bisher immer schon die Tendenz hatten, schnell zu gefallen aber langsam und stetig erst wirklich ans Herz zu wachsen.
Zumindest in dieser Hinsicht gibt sich Codes and Keys äußerst Traditionsbewust.

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