Neonliberal.at

Neonliberal.at

Grails – Deep Politics

Ist das jetzt noch Postrock?
Oder der Instrumentalsoundtrack für Cowboys, die Ausziehen um im Morgenland ihr Glück zu versuchen? Dramatische Fahrstuhlutermalung oder epische Lagerfeuerambientmusik?

Ja, Deep Politics ist all das. Und noch soviel mehr!

Fest steht, dass Grails immer schon ein bisschen weiter draußen am Genrehorizont geritten sind, als andere Bands. Die Musik der schon lange zum Quartett geschrumpften Gruppe aus Portland hatte von Anfang an kaum etwas mit klassischem Postrock zu tun, auch wenn man sie gerne mal in diese Schublade steckt. Grails spielen, man möchte es instrumentalen Western Prog nennen, der viel näher mit Bands wie Crippled Black Phoenix oder Komponisten wie Angelo Badalamenti verwand ist als mit Mono, Explosions in the Sky und ähnlichen Genregrößen.
Alex John Hall, William Zakary Riles, Wiliam Slater und Emil Amos´ Songs klangen schon immer wie das instrumentalisierte Äquivalent zu menschenleeren Prärien, staubigen Geisterstädten und verlassenen Goldmienen. Grails verweigern sich dabei simpler Laut-Leise-Dynamiken, lassen ihre Songs lieber in verschiedene Richtungen wachsen, wildern gleichermaßen beim Psychedelic Rock wie im Jazz oder orientalischen Gefilden. Die seit 2003 im Akkord veröffentlichten Werke dieser Band kennen keine Grenzen und Limitierungen.

Für ihr erstes richtiges Album (neben den zahlreichen, in der Zwischenzeit erschienenen Ep´s natürlich) seit dem 2008er Werk Doomsdayers Holiday haben sich die umtriebigen Musiker Zeit gelassen.
Für Deep Politics haben sich Grails nun wieder einmal neuen Wegen zugewandt, produzieren erstmals mit Cut and Paste Computerhilfe und geben als Inspiration “’70s Italian film scores and obscure occult/fringe library music“ an.
Dazu half Timb Harris bei den Streicherarrangements aus, kein unbekannter für Fans von Mr. Bungle, Sunn O))) oder Master Musicians of Bukkake.
Unter diesen Einflüssen schufen Grails ihr bis dato abwechslungsreichstes Werk.

All Colors of the Dark etwa kämpft sich seinen Weg vom klaustrophobischen Mienendilemma zum blendenden Sonnenaufgangscinemascopemoment vor und feuert sich selbst mittels massiver Chorunterstutzung und jaulender E-Gitarren an, während Corridors of Power schon so etwas wie fernöstlicher Proto-Dubstep sein muss, der sich zum waschechten Hit in jeder Opiumhöhle mausern könnte.
Der Titelsong Deep Politics mutiert von der wunderschönen Klavierballade zu sehnsüchtigem Streicherpomp, nur um sich doch noch als reinrassiger Rocker erkennen zu geben.
Wenn Grails gegen Ende der Platte wieder näher an in ihrem ureigenen Stil aufspielen, die verwegene Lap Steel gallopieren und Akkustikgitarren zu ihren verwegenen Outlawstücken tanzen lassen, kann ihnen mittlerweile kaum jemand mehr das Wasser reichen und sie reiten Richtung musikalischem Epos.

Deep Politics führt Grails noch weiter raus, als jemals zuvor.
Der pure Wahnsinn, wie viele Hacken diese Band dabei schlägt. Deep Politics könnte genauso gut ein Weltmusikmixtape sein, ist aber ein unwerfend kompaktes, schlüssiges Wunderwerk der Komplexität und Ideenvielfalt geworden, die Wollmilchsau instrumentaler Rockmusik.

[amazon_link id=“B004I3U7S0″ target=“_blank“ ]Deep Politics auf Amazon[/amazon_link]

No comments yet.

Add a comment

Finde uns auf Facebook