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Deftones – Covers

Zum Record Store Day liefern die Deftones eine umfassende Rückschau auf die im Laufe der Jahre zahlreich angehäuften Interpretationen von Fremdkompositionen. Musikalisch so gelungen wie unterm Strich dennoch fragwürdig.

Die Deftones haben nicht nur den Nu-Metal Boom überlebt, sondern gehören  fraglos nach wie vor zur Speerspitze moderner Metalmusik. Darüber hinaus sind sie aber auch eine der besten Coverbands der Welt. Kaum eine Kombo versteht es derartig stilsicher, sich quer durch jedes Genre zu covern und den bearbeiteten Songs dabei  nicht nur Tribut zu zollen, sondern diese  in neuem Licht erscheinen zu lassen und neue Facetten aufzudecken.
Bearbeiten die Kalifornier einen Song, wird daraus eine Deftones Nummer, so die Faustregel.

Dieser Gabe frönt die Band seit jeher demnach auch exzessivst, nach jedem fertig gestellten Album wird nochmal das Studio geentert, um für B-Seiten und sonstige Gelegenheiten (wie etwa für die tolle Erfindung der itunes exklusiven Bonustracks) massenhaft Coversongs in peto zu haben.
Covers vereint nun elf davon, entnommen aus jeder Epoche der Bandgeschichte – in Simple Man gibt’s daher auch den damals erst 17 jährigen Chino Moreno zu hören.
Qualitativ gibt’s da natürlich wenig zu meckern. Egal wie abwegig (No Ordinary Love von Sade – mit Jonah Matranga), einleuchtend (Caress von Drive Like Jehu) oder gar bizarr (Ghosts von Japan) die Auswahl der Songs dabei auch erscheinen mag: Allesamt sind sie überzeugend bis atemberaubend geraten und marschieren nur knapp unter der Messlatte, die die Deftones selbst noch höher legen, wenn sie sich an astreinem Pop versuchen. Drive (The Cars), Please, Please, Please Let Me Get What I Want (The Smiths), If Only Tonight We Could Sleep (The Cure) oder Sleep Walk (Santo & Johnny) sind allesamt Fälle für die Liste der liebsten Deftones Songs ever.

Dennoch hat die  Kompilation einen fetten Hacken: die Tatsache, dass sechs der elf Songs bereits auf der erst 2005 veröffentlichten Raritätensammlung B-Sides & Rarities kompiliert worden waren. Umso ärgerlicher, da stattdessen reihenweise andere tolle Songs aus dem Cover-Oeuvre der Band verfügbar gewesen wären. Vor allem erscheint die Songauswahl insofern fragwürdig, da Covers in erster Linie eine Angelegenheit für Fans der Band sein dürfte, da die ausschließlich auf Vinyl erschienene Angelegenheit auf 5000 Stück limitiert ist. Wer sich die Mühe macht, für eine derartige Veröffentlichung tiefer in die Tasche zu greifen, hat mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit B-Sides & Rarities schon lange zuhause stehen.Trotz der Tatsache, dass einige der vertretenen Songs hier erstmals auf Vinyl erscheinen, also nur ein Fall für absolute Kompletisten.
Dieser Umstand schmälert zwar nicht die durchgängige Brillanz der vertretenen Titel, lässt Covers aber mit fahlem Nachgeschmack zurück.


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