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Der große kleine Gönner Wolfgang Schüssel

Immer mehr Mitglieder seiner ehemaligen Regierung sind Ziel von Ermittlungen. Die Causa Telekom veranlasste ihn zum Rücktritt. Jetzt ist Wolfgang Schüssel der Gönner des Bezirks Murau.

Wolfgang Schüssel als Hampelmann.„Ja, ich kann es bestätigen“, erklärt der Bürgermeister der Gemeinde Schönberg-Lachtal, Johann Schmidhofer, gegenüber der Kleinen Zeitung. „Der frühere Kanzler und seine Tochter haben ein altes, verfallenes Haus gekauft und bauen es gerade um.“

…heißt es im Kleine-Zeitung-Artikel zum Thema mit dem Titel „Schüssel wird Steirer“. Bemerkenswert, wie schnell da sein Rücktritt als Nationalratsabgeordneter vergessen wird. Warum er zurücktrat. Schnell war die Zeit der Mutmaßung darüber, ob Schüssels Rücktritt denn mehr als good will war, ein Schuldeingeständnis, vielleicht. Aber es gilt die Unschuldsvermutung.

Jetzt konzentrieren sich die Medien auf das wirklich wichtige: Schüssels bescheidenen Lebensstil, seine Liebe zur Natur, zu den Bergen und den einfachen Menschen dort draußen. Alles andere scheint egal. Ein wirklich guter Zug Schüssels und der ÖVP-nahen Kleinen, um vom wirklichen Problem abzulenken: was war Schüssels Rolle in den gesamten Korruptionsaffären aus seiner Regierungszeit?

Fassen wir zusammen: Schüssel, mit seiner ÖVP Dritter in der Nationalratswahl 1999, bildete mit der Haider-FPÖ die Schwarz-Blaue Regierung, die bis 2006 regierte. In seinem Kabinett waren illustre Gestalten wie Ernst Strasser, Maria Rauch-Kallat, Hubert Gorbach und Karl-Heinz Grasser. Strasser ist inzwischen als Lobbyist im Kreuzfeuer, Rauch-Kallats Ehemann Alfons Mensdorff-Pouilly lud ihn als Waffenlobbyist zur Jagd ein, gegen Hubert Gorbach wird in der Telekomäffare ermittelt, ‚KHG‘ ist ein Kapitel für sich und lieferte mit Ernst Plech und Walter Meischberger das beste Kabarettprogramm des Jahres 2011. Schüssel sagte bei seinem Rücktritt, er hätte davon nichts gewusst. Einzelpersonen hätten vielleicht sein Vertrauen missbraucht.

War Schüssel also gar nicht der gefinkelte Polit-Taktiker, den alle in ihm gesehen haben? War er der Verantwortung als Bundeskanzler also nicht gewachsen? Oder steckt doch mehr dahinter, werden noch andere Skandale an die Öffentlichkeit kommen? Wir werden es nicht erfahren, wenn wir uns auf Schüssels Zweitwohnsitz im Lachtal in Murau konzentrieren. Also bitte, tun wir es auch nicht.

Foto: Gastev

Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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