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Der neonliberal-Serientipp: Bored to Death

Was ist das?
Tagsüber Autor und Journalist, Nachts Hobbyboxer unter dem Namen „The Herring Wonder„: Der New York Press Kollumnist Jonathan Ames hat diesen Spagat praktiziert. Man kann also erahnen, woher er die Inspiration nahm, als er 2008 umsattelte und für HBO die Serie ‚Bored to Death‚ entwickelte. Als das in Forth Green, Brooklyn gedrehte Format am 20. September 2009 Premiere feierte, waren sich Kritiker nicht einig, was man davon nun halten sollte. Mitschuld daran: ‚Curb Your Enthusiasm‚. So sehr die darstellerische Leistung der Protagonisten lobend hervorgeheben wurde, schien ‚Bored to Death‚ gegen die direkt vorher ausgestrahlte Serie mit Larry David zu verblassen. Dennoch sahen die Pilotfolge in Summe 4,1 Millionen Zuseher, nach der (zuseherstärksten) dritten Folge gab HBO bei den ausführenden Produktionsstudios 3 Arts Entertainment und Dakota Films eine weitere Staffel in Auftrag. An der Verlängerung wiederum beteiligt: ‚Curb Your Enthusiasm‚. Da gab es vor jener dritten ‚Bored to Death‚ Folge just die ‚Seinfeld‚-„Reunion“ Folge zu sehen, viele Zuseher blieben danach einfach dran; nichtsdestotrotz Grund genug die Serie fortzusetzen. Die zweite Season fand schließlich auch mehr Anklang bei den Kritikern, die Quoten stiegen zudem bei der wieder 8 Folgen zu je 26 Minuten umfassenden Staffel. Dieses Jahr startet deswegen Season 3.

Worum geht es da?
Jonathan Ames ist lizenzloser Detektiv, der den Menschen bei größeren und kleineren Schwierigkeiten zur Seite steht. Allerdings keiner, der mit seiner superschnellen Auffassungsgabe schnell zur unverzichtbaren Stütze der Polizei wird. Eigentlich dümpelt er eher unbeholfen durch seine semispannenden „Fälle“, während er Wein säuft und Pot raucht und sich mental instabil auch mal bei verfolgten Personen über seine Probleme ausheult. Aber eigentlich ist Jonathan ja auch gar kein Detektiv, sondern Schriftsteller, der es partout nicht auf die Reihe bekommt, sein zweites Buch zu schreiben. Und daher ihn seine Freundin Suzanne jüngst wegen seiner Suchtprobleme verließ, hatte Jonathan nur einfach nur nichts besseres zu tun, als seine Dienste auf ‚Craigslist‚ feil zu bieten – genug Krimiromane gelesen hat er ja, um zu wissen, wie sich ein Privatdedektiv anzustellen hat. Deswegen stört es den Narzisst auch wenig, dass sein bester Freund Ray Hueston wenig von diesem Unfug hält. Einerseits weil´s natürlich illegal ist. Und andererseits, weil der mäßig erfolgreiche Comiczeichner genug damit zu tun hat, sein Sperma an Lesben zu verschenken und trotzdem die Beziehung zur zweifachen Mutter Leah irgendwie aufrecht zu erhalten. Trotzdem ist Ray Jonathan noch ein besserer Rückhalt als dessen Boss George Christopher. Daher Jonathan an seinem Roman nicht weiterkommt, arbeitet er als Gelegenheitsjournalist für George. Nur dumm, dass der Chef des New Yorker Magazins „Edition„als graumälierter Lebemann und Frauenheld Jonathans Liebe zu gutem Mariahuana und maßenweise Weißwein teilt. So stolpern die drei ebenso durch ihr Leben wie durch kleinere Kriminalfälle.

Warum sollte man das gesehen haben?
Weil ‚Bored to Death‚ auf verschrobene Art und Weise einfach lustig ist. Nicht mit dem Holzhammer, sondern nebenbei, quasi. Hier duelliert man sich selten per ausgefallener Wortwitze, der Humor liegt im Detail und unter der unfassbar neurotischen Schale jedes einzelnen Charakters. Es unterhält famos, den nicht unbedingt sympathischen Jonathan durch seine Pseudofälle wanken zu sehen, gewillt, kein Klischee auszulassen. Wobei ‚Bored to Death‚ nur am Rande eine Krimiserie ist: Vordergründig versucht Jonathan seine Beziehung wieder aufleben zu lassen, ein Buch zu schreiben und dazu mit Ray von einem persönlichen Chaos ins nächste zu stolpern, während George ein Weggefährte durch Suff und Alkoholexzesse im High Life darstellt. Da passt es schon, dass die Serie als „Noir-otic Comedy“ beworden wird. Dennoch – die Hauptattraktion von ‚Bored to Death‚ ist die grandiose Darstellerriege, die sichtlich Spaß daran hat, ihren schrulligen Charakteren mehr oder weniger subtil Leben einzuhauchen, während im Hintergrund erstklassige Indie-Musik düdelt. Und wer Jim Jarmusch schon immer einmal auf einem Fahrrad durch eine Lagerhalle fahren sehen wollte, kommt um ‚Bored to Death‚ ohnedies nicht umher.

Wer ist da zu sehen?
Jason Schwarzmann dürfte mittlerweile den wenigsten als ehemaliger Schlagzeuger von Phantom Planet in Erinnerung sein, der auch seinen Teil zu deren kleinem Popmeisterwerk ‚The Guest‚ beigetragen hat. Dabei hat er die Musik nie ganz aufgeben können, neben von Incubus´Mike Einziger produzierten Alben schrieb Jason auch den Titelsong für ‚Bored to Death‚. Auch, dass Schwarzmann als Sohn von „Adrian“ Thalia Shire der Cousin von Nicolas Cage und damit direkter Verwandter der Coppola-Familie ist, dessen Bruder zudem Sänger der Band Rooney ist, darf seit seiner Fokussierung auf die Schauspielerei ignoriert werden. Der langjährige Freund von Regisseur Wes Anderson hat sich nicht nur als abonnierter Darsteller in dessen Schrullreigen einen Namen gemacht, sondern auch in ‚Scott Pilgrim vs. the World‚, ‚Marie Antoinette‚, ‚I Heart Huckabees‚ oder ‚Spun‚ den Dackelblick im Slackermodus gebracht.
Zach Galifianakis ist passionierter Stand-Up Comedian, bekannt allerdings eher als Alan aus den ‚Hangover‚-Teilen. Dass die Darstellungen des Amerikaners dabei in Filmen wie ‚Stichtag‚ oder ‚Dinner für Spinner‚ leicht unterzugehen scheinen, mag vor allem daran liegen, dass Galifianakis ausnahmslos für die selbe Rolle gebucht wird: als Zach Galifianakis.
Die Rolle des alternden Frauenhelden George Christopher ist Ted Danson förmlich auf den Leib geschrieben worden. Da mag er bald in ‚CSI‚ ermitteln und Macaulay Culkin´s zwielichtigen Vater in ‚Allein mit Dad und Co.‚ gespielt haben: Ted Danson ist und bleibt ‚Cheers‚ Besitzer Sam Malone – und damit lebende, legendäre TV-Geschichte. In ‚Bored to Death‚ eben als gealterte Variation davon. Addiert man dazu noch Bebe Neuwirth (‚Cheers‚), Oliver Platt (‚The West Wing‚), Olivia Thirlby (‚Juno‚) und Patton Oswald (‚King of Queens‚), hat man einen Cast, für den sich kein Hollywoodspektakel schämen müßte.

Wo gibt’s das zu sehen?
Im deutschsprachigen Raum nirgends. Allerdings schaffen Versandhäuser Abhilfe, im englischsprachigen Raum ist die erste Season bereits auf DVD erhältlich. Auch Amazon bietet den [amazon_link id=“B004BLIMUE“ target=“_blank“ ]Import[/amazon_link] an.

Trailer?
httpv://www.youtube.com/watch?v=rnAN5MzENDc

Mehr dazu?
Offizielle ‚Bored to Death‚ – Page von HBO

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