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Der neonliberal-Serientipp: Game of Thrones

Was ist das?
Wohl  nicht nur für Fantasy Fans dürfte ‚Game of Thrones‚ die meist erwartete Fernsehserie 2011 dargestellt haben. Nichtsdestotrotz werden sich in erster Linie wohl Kenner der der Serie zugrunde liegenden  Romanvorlage von George R.R. Martin ob der endgültigen Realisation der Umsetzung mit der Zunge zu schnalzen bemüßigt gefühlt haben. Freilich: Warten mussten sie lange genug:
Bereits 1996 erschien mit ‚A  Game of Thrones‚ der erste Band des bis dato 4 Bände umfassenden Fantasyepos ‚A Song of Fire and Ice‚ des amerikanischen Autors George Raymond Richard Martin. Bis dahin hatte sich Martin weniger durch seine Romane, als durch seine Drehbücher (für ‚Twilight Zone‚ und ‚The Beauty and the Beast‚) hervorgetan, doch hatte er die Lust am Fernsehen zunehmends verloren, da er seine Fantasie nicht aufgrund von Finanzierungsfragen in ein Korsett stecken wollte. Gleich der erste Teil seines auf sieben Bände angelegten Zyklus geriet zum immensen Erfolg, mittlerweile darf sich ‚A Song of Ice and Fire‚ zu den ertragreichsten Fantasy Publikationen aller Zeiten zählen.
11 Jahre und 3 Bücher (namentlich: ‚A Clash of Kings‘, ‚A Storm of Swords‚ und ‚A Feast of Crows‚) später sicherte sich HBO die Rechte an dem Megaseller – selbst aufgrund der Popularität der Romane ein finanzielles Wagnis. Und obgleich man mit David Benioff (u.a. bekannt als Drehbuchautor von ‚25th Hour‚ und ‚X-Men Origins: Wolverine‚) und Dan Weiss zwei erfahrene Männer mit der Umsetzung des Stoffes betraute und diese schon bald darauf mehrere, auf allseitige Gegenliebe stoßende Drehbuchrohfassungen vorlegen konnten, dauerte es bis 2008, ehe HBO tatsächlich eine Pilotfolge in Auftrag gab – der große Autorenstreik machte auch vor dem proklamierten Fantasyereignis keinen Halt.
Im Oktober 2009 starteten die Dreharbeiten in Nordirland und auf Malta, die Pilotfolge allein verschlang zwischen 5 und 10 Millionen US-Dollar, das Gesamtbudget der Serie wird auf 60 Millionen Dollar geschätzt. Dazu unterstützte die nordirische Filmförderung  die Produktion mit Steuererleichterungen von 5,2 Millionen US-Dollar.
Am 17. April 2011 feierte ‚Game of Thrones‚ schlußendlich seine Premiere auf HBO und bereits nach einer ausgestrahlten Episode bestellte der Bezahlsender eine weitere Staffel. Diese wird ebenfalls unter dem Namen ‚Game of Thrones‘ ausgestrahlt werden, obgleich sich jede Staffel jeweils eine der Romanvorlagen vornehmen wird. Behält Martin seine Schreibgeschwindigkeit bei, dürfte theoretisch also mit den filmischen Umsetzungen der geplanten letzten drei Romane (‚A Dance with Dragons‚ [erscheint in Kürze], ‚The Winds of Winter‚ und ‚A Dream of Spring‚) eher zu rechnen sein, als mit ihren Pendants in Buchform.

Worum geht es?
Über viele Handlungsebenen verstrickt, präsentiert sich ‚Game of Thrones‚ als Fantasy Epos, das jedoch klar die Interaktion seiner Protagonisten in der Vordergrund stellt. Etwaige Genretypische Elemente nehmen erst nach und nach Einzug, vor allem zu Beginn der Serie trifft es die viel verwendete Umschreibung „Herr der Ringe im Mittelalter“ nicht so ungenau, man versteht auch, warum der Slogan „Die Sopranos in Mittelerde“ als Insidergag die Runde machte:
Game of Thrones‚ setzt zu einem Zeitpunkt in der fiktiven Welt Westeros ein, in dem sich wechselnde Machtverhältnisse abzuzeichnen beginnen. Nachdem die Adelshäuser Stark, Baratheon, Arryn und Tully gut 17 Jahre davor die Schreckensherrschaft der Targaryen beendet hatten, besucht König Robert Baratheon den Norden und damit die Länder seines Freundes Eddard Stark, um diesen zu seinem neuen engsten Berater, seiner „Hand“, zu machen. Damit übernimmt Eddard den Platz seines väterlichen Freundes Jon Arryn, dessen Ableben unter mysteriösen Umständen zustande gekommen zu sein scheint.
Das ist die Ausgangslage der Geschichte von ‚Game of Thrones‚, in der bald nichts mehr so ist, wie es scheint. Ein simples „Gut“ und „Böse“ existiert hier genauso wenig wie klare Fronten, nichtsdestotrotz entbrennt alsbald ein erbitterter Kampf um die Herrschaftsverhältnisse, in deren Mittelpunkt sich die Familien Stark, Lannister und Baratheon bekriegen. Intrigen, Verrat und Mord stehen an der Tagesordnung. Und jenseits des Meeres planen die letzten Überlebenden der Targaryen ihre Rückkehr nach Westeros . Nicht die einzige Gefahr, welche die zerstrittenen „Sieben Königreiche“ von außerhalb bedrohen: Hinter der großen Mauer im Norden, im ewigen Eis, beginnen Kräfte zu wirken, die nichts menschliches an sich haben.
Womit die komplexe Handlung der Serie bestenfalls ansatzweise umrissen ist, man jedoch zumindest jeglichen Spoilern vorbeugt. Und Platz für diese gäbe es aufgrund des wendigen Handlungsverlaufs mehr als genug.

Wer ist da zu sehen?
Die Inszenierung von ‚Game of Thrones‚ übernehmen zahlreiche altgediente HBO Recken und liest sich wie ein Sammelsurium der Verantwortlichen hinter ‚Rome‚, ‚Deadwood‚ oder ‚The Sopranos‚.
Dem gegenüber steht eine gleichermaßen nahmhafte wie unverbrauchte Schauspielerriege:
Sean Bean lässt für seine Rolle als Eddard Stark den Boromir aus ‚Der Herr der Ringe‚ wieder auferstehen. Cersei Lannister alias Lena Heady war schon Spartanerkönigin (‚300‚) und Rebellenmutter (‚Terminator: The Sarah Conner Cronicles‚). Peter Dinklage (u.a.: ‚The Station Agent‚) brilliert als Tyrion Lannister, Mark Addy (‚The Full Monty‚ oder ‚Robin Hood‚) ist ebenfalls Hollywood erprobt.
Dazu gesellen sich viele junge Darsteller, die man vordergründig aus Kurzauftritten kennen könnte – oder gar nicht.
Jack Gleeson dürfte den wenigsten noch aus ‚The Dark Knight‚ in Erinnerung sein. Jason Momoa wurde schon am Strand von Malibu gesichtet (‚Baywatch‚), wird sich in Zukunft aber wohl eher einen Namen als neuer ‚Conan‚ machen. Und mit Emilia Clark als Daenerys Targaryen übernimmt eine nahezu unbekannte Jungmimin eine der wichtigsten Rollen der Serie.

Warum sollte man es gesehen haben?
Die filmische Umsetzung von ‚Game of Thrones‚ ist nicht perfekt geraten. Benioff und Weiss übernehmen mit ihren Co-Autoren Cogman, Espenson und Martin selbst die wenigen, bereits in der Romanvorlage vorhandenen Plattitüden, was vor allem den Nachwuchs der Starks in der Eingangsphase wie Figuren aus einem kindgerechten Abenteuerschinken wirken lässt. Was auch der Tatsache geschuldet sein konnte, dass die Handlung oftmals zu schnell abgespult wirkt. Zwangsläufig wirken muss, kann es einer Fernsehserie dramaturgisch doch nahezu unmöglich sein, der in den Romanen perfekt gewählten Erzählform nachzueifern, um die zeitlich weitläufigen Handlungen besser einzurahmen. Außerdem dürfen bereits jetzt leise Zweifel daran aufkommen, ob es den Verantwortlichen gelingen wird, die epochalen wie kostenaufwändigen Szenen des weiteren Handlungsverlaufs zu stemmen – Stichwort CGI.
Auch weil diese kleinen Mankos vordergründig – wenn überhaupt – Kennern der Romanvorlagen störend auffallen stellt ‚Game of Thrones‚ dennoch die beste Fantasy Serie seit langer Zeit dar. Die Ausstattung sowie darstellerischen Leistungen bewegen sich allesamt auf dem von HBO gewohnten hohen Niveau und bringen Martins Epos damit in gebührenden Maße auf die Bildschirme. Wer an intelligenter Fantasy und verworrenen Storys samt unerwarteter Wendungen Gefallen finden könnte, kommt an ‚Game of Thrones‚ definitiv nicht vorbei.

Wo gibt’s das zu sehen?
Eine Ausstrahlung im deutschsprachigen TV ist geplant, ‚TNT Serie‘ hat die Rechte an der Serie bereits erworben. Bis es letztendlich tatsächlich soweit ist, wird sich der Interessierte Zuseher jedoch noch in Geduld üben müssen. Aufwändige Synchronisationsarbeiten verzögern eine schnellstmögliche Ausstrahlung in hiesigen Breitengraden, von Zustanden wie in England (Sky Atlantic zeigte ‚Game of Thrones‚ bereits einen Tag, nachdem die jeweilige Folge auf HBO Premiere hatte) lässt sich nur träumen.
Eine DVD bzw. Blue Ray Box der ersten Staffel ist für den amerikanischen wie englischen Markt bisher allerdings ebenso noch nicht erhältlich und bloß angekündigt, genaue Daten wurden noch nicht veröffentlicht.

Trailer?
httpv://www.youtube.com/watch?v=BpJYNVhGf1s

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Comments (1)

  1. sandra23. Juni 2011 Antworten
    Klingt nicht schlecht. Wird sicherlich irgendwann im Winter auf Sky ausgestrahlt.

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