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Der neonliberal-Serientipp: Sherlock

Was ist das?
Man muß kein Meisterdetektiv sein, um es sich aufgrund des Serientitels folgerichtig zusammenreimen zu können: ‚Sherlock‚ ist die x-te Aufarbeitung von Sir Conan Arthur Doyles legendärer Romanfigur Sherlock Holmes. Der Clou an der BBC Serie: Holmes und sein Partner Watson ermitteln im gegenwärtigen London. Die altbekannten Grundzüge der Figuren wurden von den Serienschöpfern Stephen Moffat (vor allem bekannt durch seine Arbeiten für ‚Coupling‚, ‚Dr. Who‚ und ‚Jekyll‚) und Mark Gatiss (hat sich ebenfalls bei ‚Dr. Who‚ einen Namen gemacht bzw. kennt man Gatiss kaum als Schauspieler in zahlreichen Nebenrollen – von ‚Birthday Girl‚ und ‚Matchpoint‚ bis ‚Sherlock‚)  übernommenen, ansonsten erlebt der Detektiv aus der Baker Street eine Radikalkur in Sachen Modernität.
Womit die BBC offenbar genau den Nerv der Zeit traf, sahen als ‚Sherlock‚ am 25. Juli 2010 seinen ersten Fall löste doch an die 9 Millionen Menschen zu. Keine schlechten Quoten, was die Produktion einer zweiten Staffel beinahe zwangsläufig nach sich zog, welche nun 2011 auf die Bildschrime kommen soll. Eine Freude für Fans, zumal die einzelnen Seasons von ‚Sherlock‚ nicht wirklich üppig ausfallen: gerade einmal drei Folgen zu je 90 Minuten dürfen Holmes und Watson pro Staffel ermitteln. Wobei es beinahe nicht einmal dazu gekommen wäre: Bereits 2009 wurde ein 60 minütiger Pilotfilm der Serie fertig gestellt, der sich trotz horrender Kosten als Desaster entpuppte. BBC strahlte diesen niemals aus (wobei sich die Folge allerdings als Bonusmaterial auf der Season One DVD/Blu Ray Box findet) und ordnete stattdessen eine vollkommene Neuerarbeitung des Materials an, welche schlussendlich in der nun bekannten Fassung seine endgültige Form fand.

Worum geht es?
Sherlock‚ folgt im weitesten Sinne der altbekannten Vorlage, allerdings nimmt sich die Serie nicht zuletzt aufgrund seines zeitlichen Neusettings einige Freiheiten.
Sherlock Holmes ist so auch im aktuellen London ein kriminalistisches Genie, der binnen weniger Augenblicke eine Unsumme an logischen Schlussfolgerungen ziehen kann. Allerdings ist er auch ein arroganter Soziopath, der kaum über zwischenmenschliche Kompetenzen verfügt. Zudem zeigt sich, dass Holmes‘ Interesse an der Aufklärung seiner Fälle niemals aufgrund von Mitgefühl mit den Opfern geschieht, sondern aus rein egoistischen Zwecken der Selbstbeweihräucherung und des Nervenkitzels wegen. Frei nach Baudelaire gibt es für Holmes nicht schlimmeres als Langeweile. Kaum verwunderlich, dass der einzige „Consulting Detective“ der Welt seinen Mitmenschen damit vor die Stirn stößt. Allen voran den Polizeibeamten unter Detective Inspector Lestrade, der den kriminalistischen Spürsinn Holmes´ trotz leiser Antipathie zu schätzen weiß.
In dieses Umfeld gerät der gerade aus dem Afghanistan Krieg heimgekehrte Armee Doktor John Watson. Finanziell in Nöten trifft Watson auf der Suche nach einer billigen Bleibe auf Holmes und der weitere Verlauf dürfte im groben bekannt sein: Watson wird Holmes‘ Assistent und Freund, dazu der Gegenpol zur menschenverachtenden Brillanz des Detektivs und Mittler zur Polizei von London. Logisch, dass gegen dieses Duo Verbrecher und Familienangehörige keine Chance haben.
Bis der Name Moriarty auftaucht.

Wer ist da zu sehen?
Während ‚James Bond‚ Komponist David Arnold die musikalische Seite der Serie prägt, tummelt sich hinter den Kameras praktisch das „Who is Who“ der englischen TV-Unterhaltung. Wer direkte Vergleiche zum Stab von Serien wie ‚Dr. Who‚ oder ‚Torchewood‚ anstellt, wird zahlreiche Überschneidungen finden. Zudem wurden zwei der drei Folgen der ersten Staffel von Paul McGuigan inszeniert – welcher Dank ‚The Acid House‚ oder ‚Lucky Number Slevin‚ ein Begriff sein sollte.
Als Hauptdarsteller konnte man dazu ebenfalls zwei Hochkaräter verpflichten:
Sherlock Holmes Darsteller Benedict Cumberbatch ist prädestiniert für schwierige Charaktere, spielte schon William Pitt oder Stephen Hawking und ist auch ein vielgefragter Theaterschauspieler. Sein Partner Watson wird von Martin Freeman verkörpert, der als Arthur Dent bereits ‚Per Anhalter durch die Galaxis‚ reiste, ein Pornolichtdouble in ‚Tatsächlich… Liebe‚ verkörperte und sich in der ‚Stromberg‚ Blaupause ‚The Office‚ tummelte.
Einen zusätzlichen Popularitätsschub dürfte den beiden Schauspielern auch Peter Jackson’s kommende ‚Der kleine Hobbit‚ Verfilmungen versetzen: Cumberbatch wird sein tiefdröhnedes Timbre als Synchronstimme für Smaug den Drachen zur Verfügung stellen, Martin Freeman hat gleich die Hauptrolle als junger Bilbo Beutlin ergattert.
Ergänzt und abgerundet wird der wiederkehrende Cast von zahlreichen TV und Filmerprobten Recken der englischen Schauspielerszene.

Warum sollte man es gesehen haben?
Vordergründig: Weil BBC mit ‚Sherlock‚ eine spannende Krimiserie abgeliefert hat, die sich angenehm unkonventionell gibt. Holmes rasend schnelle Gedankengänge werden für den Zuschauer meist simultan dazu grafisch dargestellt, die permanent von irgendjemandem verschickten SMS Nachrichten ploppen ebenfalls am Bildschirm auf. Das mag ebenso gewöhnungsbedürftig wirken wie die ständigen Überblendungen, unterstreicht aber auf effektive Art und Weise – ohne zur billigen Effekthascherei zu mutieren -, dass die Figur des Holmes in der Gegenwart angekommen ist. Puristen mag die Serie zwar Bauchschmerzen bereiten, alle anderen dürfen sich an einem spannenden und unterhaltsamen Amalgam aus Krimiserie mit leichten Drama- und Actionsprengseln erfreuen – in dem zudem ausnahmsweise keine Forensiker im Rampenlicht stehen.
Und daher ‚Sherlock‚ britisches Fernsehen in Bestform präsentiert, kommt natürlich auch der Humor nicht zu kurz.

Wo gibt’s das zu sehen?
BBC ONE konnte ‚Sherlock‚ in die gesamte Welt verkauften. Spät aber doch kommt nun auch das deutschsprachige Publikum in den Genuss der gelungenen Neuinterpretation. Ab 24. Juli 2011 sendet die ARD wöchentlich je eine Folge der eigenwilligen Krimiserie, pünktlich zum 8.August 2010 erscheint auch in hiesigen Breitengraden die [amazon_link id=“B0052AJ2KM“ target=“_blank“ ]DVD [/amazon_link]bzw. [amazon_link id=“B0052GKCJ6″ target=“_blank“ ]Blu Ray [/amazon_link]Version dazu.
Wer nicht so lange warten will, kann schon jetzt am englischen Markt die entsprechenden [amazon_link id=“B003TO5414″ target=“_blank“ ]DVD [/amazon_link]bzw. [amazon_link id=“B003TO541O“ target=“_blank“ ]Blu Ray[/amazon_link] Versionen günstig erstehen.

Trailer?
httpv://www.youtube.com/watch?v=cSQq_bC5kIw

Mehr dazu?
Offizielle ‚Sherlock‘ -Page von BBC One

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Comments (2)

  1. Gast3. Juli 2011 Antworten
    Den Tipp kann ich nur unterstreichen. 2011 für die zweite Staffel wird leider nichts mehr, Anfang 2012 ist jetzt der aktuelle Stand. http://www.bbc.co.uk/pressoffice/pressreleases/stories/2011/05_may/26/drama.shtml
  2. Enesa3. Juli 2011 Antworten
    Ausgezeichnete Recommendation 🙂 Schade, dass die 2. Staffel erst nächstes Jahr rauskommt. BBC Wartezeiten sind immer so lang…

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