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Der neonliberal-Serientipp: Treme

Was ist das?
‚Treme‘ ist eine vom amerikanischen Bezahlsender HBO ausgestrahlte Drama Serie, erdacht von David Simon und Eric Overmyer.
2008 gab HBO eine Pilotfolge der Serie in Auftrag; nachdem diese 2009 fertig gestellt war, bestellte der TV-Sender eine zehn folgen umfassende Staffel, wobei die erste wie auch letzte Folge dieser Season mit 80 Minuten Laufzeit Überlänge zugesprochen bekamen. Die restlichen Folgen pendeln sich hingegen bei 60 Minuten Spielzeit ein. Als ‚Treme‘ am 11.April 2010 seine Premiere erlebte, verlängerte HBO den Vertrag aufgrund der Einschaltquoten und geringen Produktionskosten um eine weitere Staffel, welche knapp ein Jahr später startete und auf elf Folgen ausgedehnt angelegt wurde. Daher sich das Zuseherinteresse abermals  mit den Vorstellungen des Senders deckten, wurde bereits nach drei Folgen der zweiten Season eine dritte Staffel in Auftrag gegeben.

Worum geht es?
Treme ist ein Stadtteil in New Orleans, auf dem auch der Fokus der Handlung liegt. Diese schildert die Auswirkungen des Hurrikans Katrina auf die Stadt an sich und einzelne Personen im speziellen.
Drei Monate, nachdem der Hurrikan im August 2005 eine der verheerendsten Naturkatastrophen der USA darstellte, sind deren Nachwirkungen in ‚Treme‚ allgegenwärtig. Die Stadt ist verwüstet, Menschen vermisst, die Überlebenden stehen vor den Trümmern ihrer Existenz und versuchen wieder zu ihrem bisherigen Leben zurück zu finden.
Posaunist Antoine Batiste etwa flüchtet vor dem Scherbenhaufen seines Familienlebens von Gig zu Gig. Seine Ex Frau LaDonna Batiste-Williams harrt im Streit mit ihrem in Baton Rouge wohnenden Gatten in Treme aus, bis der Verbleib ihres vermissten Bruders geklärt werden kann. Hilfe findet sie bei der Menschenrechtsaktivisten  Antoinette Bernette, die gemeinsam mit ihrem cholerisch veranlagten Autorengatten Creighton Bernette für die Leute der Stadt kämpft.
Janette Desautel versucht ihr verwüstetes Restaurant am Leben zu erhalten, während ihr Ex-Freund Davis McAlary ohnedies nichts auf die Reihe bekommt, und zwischen seinen DJ Ambitionen und Musikerträumen den Geist New Orleans nachspürt.
Derweil kehrt der Mardi Gras Indian Chief Albert Lambreaux nach seiner Flucht vor dem Hurrikan nach Treme zurück und findet einen bloßen Schatten der Welt wieder, die er verließ. Dennoch versucht er nicht nur seinen Mardi Gras Stamm wieder zusammen zu trommeln, sondern auch seine Familie wieder zusammen zuführen.
Sie sind einige der Hauptcharaktere von ‚Treme‘, die auf weitverzweigten Lebenswegen zusammenkommen, um ihre Existenz in New Orleans trotz aller Schwierigkeiten wieder aufzunehmen. Weswegen in der ersten Staffel die Nachwirkungen des Hurrikans die Handlung bestimmen, in der zweiten der Wiederaufbau der Stadt.

Wer ist da zu sehen?
‚Treme‘ wird hinter der Kamera angeführt von TV Ikone David Simon. Ihm verdankt die Welt nicht nur grandiose Miniserien wie ‚Homicide: Life on the Street‚ oder ‚The Corner‚, die Simon erdachte, schrieb und produzierte. Vor allem hat der Mann mit ‚The Wire‚ Fernsehgeschichte geschrieben, die wohl beste – im weitesten Sinne – Copserie aller Zeiten erschaffen. Ihm zur Seite steht Langzeitkollege und Freund Eric Overmyer, der ebenfalls an den meisten Produktionen von Simon beteiligt war. Ebenso engagierte Simon zahlreiche aus den genannten Serien bekannte Namen als Showrunner, Produzenten, Regisseure oder Autoren.  Alleine diese Tatsache bürgt für Qualität – die agierenden Schauspieler halten diesen Level mühelos:
Hollywoodgröße John Goodman spielt als Creighton Bernette eine der Rollen seines Lebens, Steve Zahn (u.a.: ‚Joyride‘, ‚Der Kindergarten Daddy‘, ‚Sahara‘)  malträtiert die Nerven der Zuseher als Davis McAlary. Trompetenspieler Delmond Lambreaux wird dargestellt von der ehemaligen Nachwuchsdarstellerhoffnung Rob Brown (vor allem bekannt durch seine Debütrolle in ‚Forrester–Gefunden‘). Mit Melissa Leo (u.a.: ‚Frozen River‘, ‚The Fighter‚)  als Antoinette  Bernette begeistert gar eine frisch gebackene Oskarpreisträgerin in dem spektakulären Cast.
Dazu gesellen sich zahlreiche bekannte Gesichter aus anderen TV Serien. Kim Dickens (Janette Desautel) kennt man aus der HBO Serie ‚Deadwood‘. Wendell “The Bunk“ Pierce als Antoine Batiste und Clarke “Lester Freeman“  Peters als Albert Lambreaux wurden direkt aus ‚The Wire‚ übernommen und brillieren abermals geradezu atemberaubend in ihren Rollen.
Komplettiert wird die Schauspielerriege von zahlreichen einheimischen Laiendarstellern bzw. Statisten.

Warum sollte man es gesehen haben?
Simon ist es gelungen, seinem Meisterwerk  ‚The Wire‚ einen absolut würdigen, wenn auch thematisch vollkommen anders gearteten Nachfolger zu bescheren. ‚Treme‘ besticht als eine der intensivst inszenierten und gespielten Drama Serien der letzten Jahre, berührt mit dem Fokus auf den schier frustrierenden Einzelschicksalen der Protagonisten und den Bemühungen, gemeinsam wieder zur Normalität zu finden.
Den kleinsten gemeinsamen Nenner finden die einzelnen Figuren dabei in der Musik. Das Flair des Blues und die Stimmung der Jazzhochburg New Orleans ist stets präsent und wohl besser in Szene gesetzt, als es jemals zuvor auf dem Bildschirm gelang. In der Musik findet New Orleans Hoffnung, permanent streift die Handlung ausgelassene Jamsessions oder wilde Konzertabend, die musikalische Untermalung der Musik besorgt ausschließlich in der Handlung integrierte Töne (wie man es etwa von ‚The Sopranos‚, ‚The Wire‘ und zahlreichen anderen Serien bereits kennt).
Dazu passend gesellen sich zahlreiche Gaststars in sich selbst verkörpernden Cameoauftritten: Kermit Ruffins, Allen Toussaint, Dr. John, Steve Earle oder Elvis Costello: die Liste der auftretenden Musiker in ‚Treme‚ ist lange und niemals gestelzt inszeniert.
Doch nicht nur die erstklassige Schauspielerriege und die sensationellen musikalischen Aspekte der Serie wissen zu begeistern,  ‚Treme‚ wartet zudem mit packenden Drehbüchern und meisterhaften Inszenierungenauf, ist aufwühlend, spannend und vor allem berührend. Eine Tatsache, die sich auch in zahlreichen Ehrungen und Auszeichnungen widerspiegelt.
‚Treme‚ ist die ideale Schnittmenge aus zeitgeschichtlicher Aufarbeitung und Sozialstudie, aus Dokumentation wie packender Zweckdramatik. Und damit ein weiterer exzellenter Beweis für die Vormachtstellung von HBO in der aktuellen Fernsehlandschaft, was exquisite TV-Serien Unterhaltung angeht.

Wo gibt’s das zu sehen?
Momentan ausschließlich auf HBO im amerikanischen Fernsehen, eine Ausstrahlung im deutschsprachigen TV zeichnet sich (noch) nicht ab – wobei einer synchronisierten Fassung im Falle von ‚Treme‘ ohnedies noch zwiespältiger entgegen zu blicken wäre, als dies generell der Fall sein sollte, bezieht die Serie doch einen nicht geringen Teil ihres Charmes durch ihre unmittelbare Nähe zu den Charakteren – Slangausdrücke und Akzente der Stadt inkludiert.
Auch auf Datenträgern wird man deswegen in hiesigen Breitengraden noch warten müssen, Dank England hingegen darf man sich auf Importwegen bereits an der [amazon_link id=“B004KSRPB0″ target=“_blank“ ]DVD[/amazon_link] bzw. der [amazon_link id=“B004KSRPBA“ target=“_blank“ ]Blue-Ray[/amazon_link] Version erfreuen.

Trailer?
httpv://www.youtube.com/watch?v=2jnSzAI3gCQ

Mehr dazu:
Offizielle ‚Treme‘-Page von HBO

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Comments (2)

  1. Lukas10. Juni 2011 Antworten
    Sehr cool, würde ich sofort anschauen! Bloß wirds bei uns nicht kommen, weil zum ORF muss ich eh nichts sagen und dann wollen die meisten Leute viel lieber Sachen wie Greys Anatomy und Rosamunde Pilcher sehen.
  2. Pingback: Dr. John - Locked Down - HeavyPop.atHeavyPop.at 19. April 2012 […] ‘Let Them Talk‘ unter die Arme greifen konnte, mehrmals in der fantastischen Serie Treme sich selbst spielen durfte,und nun eben, mehr als alles andere, auf seinem schätzungsweise […]

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