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Der Rücktritt des Josef Pröll

Aus dem erhofften Neustart der Volkspartei unter Josef Pröll nach Ostern wurde doch nichts. Finanzminister Pröll, angetreten als Modernisierer der verstaubten ÖVP (siehe „Perspektivengruppe“), legte eine gute Performance während der Finanzkrise mit hohen Persönlichkeiteswerten hin.

Die ÖVP-Nachwuchshoffnung ist Geschichte.

Viele sahen ihn schon als nächsten Bundeskanzler. Doch seit geraumer Zeit läuft gar nichts rund. Bandion-Ortner, Ernst Strasser und Co haben dem Image der ÖVP sehr geschadet. Josef Pröll vermochte es nicht als Parteiobmann und Vizekanzler dagegen zu halten. Er schien trotz, mächtiger Verwandter, nicht die Macht innerhalb der Volkspartei zu haben die er bräuchte um den Bündehaufen zusammen zu halten. Und gegen Ende hatte er auch nicht mehr die Kraft, aus gesundheitlichen Gründen.

Mitte März wurde Josef Pröll wegen einer Lungenembolie ins Krankenhaus eingeliefert. Dann vergingen knapp vier Wochen ohne einen öffentlichen Auftritt des Bundesparteiobmanns der ÖVP. Und das zu einem Zeitpunkt als die ÖVP ihn dringend gebraucht hätte.

Heute um 11.00 Uhr war es soweit: Josef Pröll trat vor die Presse um den Rücktritt von all seinen Ämtern und politischen Funktionen bekannt zu geben. Die große ehemalige Zukunftshoffnung der ÖVP ließ es sich nicht nehmen, einen Abriss über die derzeitige Lage der Politik zu hinterlassen. Er erteilte der Korruption innerhalb der ÖVP eine klare Absage und sprach aber auch vom „Stilstand der Politik in wichtigen Zukunftsfragen“. Offensichtlich in Richtung der eigenen Reihen. Vielleicht auch zu seinem Onkel, Erwin Pröll, der intern mit Kritik an seinem Neffen nicht gespart hatte. So warf der niederösterreichische Landeshauptmann dem Vizekanzler vor zu eng mit Werner Faymann zusammen zu arbeiten, zu weich zu sein und zu viele Kompromisse mit der SPÖ einzugehen.

Josef Pröll bemühte sich positive Bilanz über seine acht Jahre in der österreichischen Bundesregierung zu ziehen: Die große Agrarreform im Jahr 2003, die er als Landwirtschaftsminister initiierte, die Steuerreform 2009 als Finanzminister und nicht zu letzt die „Bewältigung der Finanzkrise“. Josef Pröll wollte noch nicht gehen und hatte noch viel vor, dass konnte man ihm anmerken. Seine Krankheit und die Krise der ÖVP fielen unglücklich zusammen und die potentiellen Nachfolger_innen scharen schon in den Startlöchern.

Die Hardlinerin Maria Fekter findet schon seit längerem gefallen an dem Posten der Vizekanzlerin und Reinhold Mitterlehner lässt seit Monaten keinen Medientermin aus. Michael Spindelegger ist als ÖAAB-Chef ebenfalls ein Anwärter auf die Spitzenjobs der ÖVP. Josef Pröll ist mit seinem Modernisierungsvorhaben für die ÖVP gscheitert und seine Nachfolger_innen werden sicherlich einen anderen Weg einschlagen. Ob das der ÖVP gut tun wird ist eine andere Frage. Der Richtungsstreit und ein Mächtespiel der Bünde ist vorprogrammiert. Auch im Umgang mit dem Koaltionspartner SPÖ und dem Bundeskanzler Werner Faymann wird sich einiges ändern.

Foto: ÖVP Online

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Comments (2)

  1. Christopher13. April 2011 Antworten
    Spannend find ich auch die Spekulationen um einen neuen Job von Josef Pröll im Raiffeisenkonzern….
  2. Christopher13. April 2011 Antworten
    ORF-Journalist Hans Bürger sagt, dass Gerüchten zu Folge Michael Spindelegger und Reinhold Mitterlehner in der engeren Auswahl als Nachfolger im Gespräch sind. Mitterlehner könnte Finanzminister werden und Spindelegger den ÖVP-Obmann und den Vizekanzler übernehmen. Morgen Vormittag gibts wohl Klarheit, denn dann findet der Bundesparteivorstand der ÖVP statt.

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