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Der Terror ist tot

US-Militärs haben das geschafft, wonach seit einem guten Jahrzehnt ganz Amerika dürstete: Osama bin Laden ist tot. Für Obama ein Sprungbrett in die Herzen der Amerikaner_innen – und ein Scheideweg sondergleichen.

Immer mehr Berichte sprechen davon, dass Osama bin Laden unbewaffnet von den Militärs in seinem Versteck in Pakistan getötet wurde. Anwesend war keine Hundertschaft von Bodyguards, sondern seine Frau. Immer wieder wird nun die Frage laut: kann es gerecht sein, das unbewaffnete Oberhaupt einer Terrororganisation zu erschießen, anstatt es festzunehmen und vor Gericht zu bringen?

Eine Antwort auf diese Frage kann ich nicht liefern. Es war, das wird immer offensichtlicher, professioneller Mord. Die Frage ist allerdings: was wäre passiert, hätten die Soldaten ihn nicht erschossen, sondern wäre er vor ein (amerikanisches) Gericht gekommen? Es wäre vermutlich nicht viel anders gekommen, wir erinnern uns an den Prozess gegen Sadam Hussein. Jedes andere Urteil als die Todesstrafe wäre für Barack Obama auch der sichere, politische Tod gewesen. Bin Laden hat sterben müssen.

Jetzt kommen auf Obama wieder Umfragehochs zu. Wechselwähler_innen sehen in ihm den Bezwinger des Terrors, den Demokraten, der das schaffte, wovon der glühende Republikaner George W. Bush nur träumen konnte.
Lange wird dieser Zustand der Euphorie aber nicht anhalten. Während sich die Linke immer mehr von Obama abwendet, wird er die gemäßigt Konservativen nicht lange halten können. Die Debatte in Amerika wird sich bald wieder um das hohe Defizit, eine weitere Erblast aus den Jahren Bush, drehen.

Bis den Terrorist_innen Vergeltung gelingt. Der Tod Osama bin Ladens war nicht das Ende des islamstischen Terrorismus, wie auch die Al-Qaida in ihren letzten Drohungen gegen die USA und ihre Bündnis-Partner_innen verstärkt klar machte. Eine verstreute Organisation wie die Al-Qaida, deren Mitglieder zu großen Teilen autonom agieren, ist nicht „besiegbar“, wenn man ihr den Kopf nimmt. Es werden andere kommen. Der Tod bin Ladens hat Öl ins Feuer gegossen.
Nicht, dass davor nicht schon andere Anschläge in Planung gewesen wären.

Jetzt heißt es warten und hoffen, dass es nicht zu schlimm wird. Wie auch schon zuvor.

Foto: Pixel Form

Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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Comments (3)

  1. Jasmin10. Mai 2011 Antworten
    Hat Gestern jemand die Doku von Osama Bin Laden gesehen? Interessant wie der Mensch gelebt hat und was durch ihn alles passiert ist.
    • Klemens11. Mai 2011 Antworten
      Leider nein. Hast du einen Link zu einer Beschreibung, Zusammenfassung o.ä.?
  2. Lukas12. Mai 2011 Antworten
    Wäre sehr interessant zu wissen, was passiert wäre, wenn bin Laden vors Kriegsgericht in Den Haag gestellt worden wäre. Hätten Unmengen Islamisten die ganze Stadt in die Luft gesprengt, um Osama frei zu pressen? Hätte man hochrangige Politiker oder Prominente US-Amis entführt, um ihn auszutauschen? Oder wäre gar nichts passiert, außer der Entzauberung Osama bin Ladens? Man wird es nie wissen, und trotzdem sollte man sich diese Fragen stellen, anstatt wie so manche selbsternannte Kritiker lediglich Kritik zu äußern. Sehr guter Artikel, gefällt mir!

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