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dEUS – Keep You Close

‚Keep You Close‘ zeigt dEUS nahezu formvollendet als die Band, die Tom Barman schon lange in seinem Flagschiff sehen dürfte. Kurzweilig, geradlinig und geradezu unspektakulär wächst die sechste dEUS Platte unbemerkt zu ihrem besten Album seit beinahe zwölf Jahren. Auch wenn die Belgier mittlerweile „nur noch“ eine sehr gute Rockband sind.

Wenn man es genau nimmt: Das sechste dEUS Album ist eigentlich erst das dritte dieser Band. Nach dem sechsjährigen Hiatus um die Jahrtausendwende kamen die Belgier jedenfalls nicht als die Band zurück, als die sie gegangen waren. Mag ‚The Ideal Crash‚ auch bereits die Annäherung an Popmusik und konventionellere Strukturen gewesen sein, die tatsächliche Abkehr von vielen Trademarks der frühen dEUS gingen erst mit dem Comeback Album ‚Pocket Revolution‚ tatsächlich über Bord. Vorbei war es mit all dem musikalischen Wahnsinn, der expliziten Kauzigkeit, dem wüst in diversen Genres brandschatzenden Songwriting, den permanenten Besetzungswechseln: dEUS erschienen 2006 als gefestigtere Band zurück, gelassener und gefasster, melodieseliger und als primäre Ausdrucksform für den nunmehrigen Alleinherrscher Tom Barman. Der hatte zwar immer schon das Zepter geschwungen, verzichtete für die Wiederbelebung seiner Band jedoch trotz schillernder Charaktere auf jedwede Reibungspunkte und schmiedete von nun an quasi im Alleingang all diese noch eingängigeren Songs, denen man nun auch anhören konnte, dass sie ohne Krawall untereinander entstanden waren. ‚Keep You Close‘ folgt diesem eingeschlagenen Weg nun bedingungslos und stellt ein für allemal klar: Die „alten“ dEUS sind Geschichte, der ehemals typische Wahnsinn der Band ist ein für allemal Geschichte oder muß zumindest mit der Lupe gesucht werden. ‚Keep You Close‚ ist das bisher unaufdringlichste, entspannteste dEUS Album bisher und wohl auch jenes, das Tom Barmans Idealvorstellung dieser Band am nächsten kommt. Und dabei paradoxerweise den Faden zum Abgesang der frühen Tage zurückspinnt, den Schulterschluss mit ‚The Ideal Crash‚ vorzeigt.

Was auch daran liegen mag, dass auf die dezenten elektronischen Spielereien von ‚Vintage Point‚ vollständig verzichtet- kein beatorientierter Dancer wie ‚The Architect‚ schleift diesmal auf die Tanzfläche – und der zerfahrene Ansatz von ‚Pocket Revolution‚ ignoriert wird. Überhaupt: Geschlossener klang seit Jahren keine dEUS Platte, besseres Songmaterial fand man zuletzt eben auf ‚The Ideal Crash‚. ‚Keep You Close‚ verzichtet jedoch auf astreine Hits ebenso wie auf merklich herausstechende Einzelstücke und präsentiert sich stattdessen als kompakte Songsammlung ohne Füllmaterial. Gerade einmal neun Stück  lang spielt die Band ihren mittlerweile unverkennbaren Rock mit dEUS-Charme, nur eben sachter und ruhiger als bisher. Die Verstärker aufdrehen, das können sie natürlich schon noch: ‚Dark Sets In‚ streunt verrucht durch dunkle Straßen, gibt den Draufgänger und macht seine Bekanntschaft mit dem verhüllten Noir-Kopfnicker ‚Twice‚. In eine ähnliche Kerbe schlagen auch das abwartende ‚Constant Now‚ und die einzige fließende Hookline ‚Second Nature‚. Nur so richtig zur Sache geht keiner dieser Songs mehr, viel eher ist das Rock im Schongang mit der Sucht nach Harmonie und Wohlklang, der Zufriedenheit im konventionellen Sound findet.
Aber ohnedies sind es die ruhigen Songs, die den größten Eindruck hinterlassen: Etwa der ausladend orchestrierte Opener und Titelsong, der einen mit dramatischer Melodieführung sofort willkommen heißt. Das jazzige ‚The Final Blast‚, welches allerlei Instrumente um sein stures Rhytmusgerüst kreisen lässt und auch des Frontmanns akkustischen Soloausflügen gut gestanden hätte. Wunderbar reduziert schmiegen sich Gitarren und Piano an Barmans samtene Stime zu ‚The End of Romance‚. ‚Ghosts‚ macht flott den kleinen  ‚Little Arithmetics‚-Bruder mit karibischer  Steel Pan Drum Unterstützung und grinsenden Killerrefrain – näher an die Bar unter dem Meer werden die Antwerpener in diesem Leben wohl nicht mehr kommen, obwohl da nur ein Bein im Wasser steht. Daran ändert auch der ausufernde Schlußpunkt ‚Easy‚ nichts, der sich kontinuierlich aus seinem organischen Industrial-Kokon schält um sich in eine Kakophonie des Schönklangs zu steigert.

Keep You Close‚ entpuppt sich als größtes Täuschungsmanöver der Band seit Jahren. Das die 45 versammelten Minuten toll sind, merkt man sofort. Dass da keine schlechte Nummer dabei ist, erst, wenn die Platte auf Heavy Rotation läuft. Was folgt, ist zwangsläufig die Erkenntnis, dass das sechste dEUS Album die beste Platte der Band seit über einem Jahrzehnt ist. Ein Crower, der sich unscheinbar und unspektakulär in den Gehörgängen festsetzt. Tom Barman singt in der astreinen Produktion, über ein unerschöpfliches Füllhorn an Instrumenten – Gitarren, Streicher, Bläser und weiß der Teufel was noch alles – hinweg nach wie vor wie ein betörender Gott. Dass ‚Keep You Close‚ tatsächlich nahezu vollends auf Widerhaken und harte Kanten verzichtet, verzeiht man dem konstanten Sympathiewerk auch wenn man diese doch vermisst. dEUS erreichen mit ‚Keep You Close‚ endlich wieder annähernd ihre alte Klasse, auch wenn das inzwischen nur noch wenig mit der Band von vor 2000 zu tun hat. Einen besseren Gesamteindruck haben dEUS jedenfalls seit ihrer Wiederbelebung nicht hinterlassen. Hiermit ist wohl endgültig der Punkt erreicht, die Band nicht mehr mit ihrer ersten Inkarnation vergleichen zu müssen. dEUS sind eben nicht mehr die dEUS von „damals“ und damit vielleicht subjektiv nicht mehr dementsprechend außergewöhnlich oder grandios. Aber im Heute objektiv zumindest immer noch ein unbestreitbarer Garant für wunderbare Rockmusik.

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