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Deutschland ohne Quote

Kurze Zeit schien es so, als würde die CDU langsam ihrem Weg in Richtung Fortschritt finden. Ursula von der Leyen (CDU), Bundesministerin für Arbeit und Soziales, forderte eine verpflichtenden Frauenquote in Unternehmensführungen.
Erst sah es auch danach aus, dass ihre Nachfolgerin als Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen & Jugend, Kristina Schröder, das jüngste Mitglied der Regierung Merkel 2 und gläubige Christin, den Vorstoß unterstützen würde. Sie stellte sich jedoch, mehr oder weniger, gegen Parteikollegin von der Leyen, die eine staatlich festgelegte Quote (von lächerlichen 30%) vorschlug und bereits in Artikeln und Interviews als neues Ziel vermarktete.

Das war zu viel für die ohnehin relative lahme liberal-konservative Regierung Deutschlands – Angela Merkel ging dazwischen und erklärte eine Quote zur schlechten Idee. Kein Wunder: in Baden-Württemberg und 6 anderen Bundesländern stehen Wahlen an und die Koalitionspartnerin FDP hängt am seidenen Faden zur Nicht-Existenz (in Umfragen letztens um die 3% stark).

Und doch scheint es, als hätte es die FDP geschafft, sich  gegen die ungleich stärkere CDU durchzusetzen: Merkel erteilte der Quote angeblich vor allem deshalb eine Absage, weil es mit der FDP nicht möglich wäre. Merkels Pressesprecher stellte klar, dass eine verpflichtende Frauenquote in Führunggremien gegenüber der Wirtschaft nicht durchsetzbar sei. Es sei an der Zeit, der Wirtschaft eine zweite Chance zu geben und in Sachen Frauenförderung nochmals auf Freiwilligkeit zu setzen.
Das klingt absolut logisch, denn dieses Konzept funktioniert seit 10 Jahren nicht.

Wenn wir nun aber trotzdem davon ausgehen, dass es wirklich an der FDP scheiterte und nicht daran, dass die CDU selbst erzreaktionär und von Konzernen gesteuert ist, ist das ein immenses Armutszeugnis für Kanzlerin Merkel.
Gehen wir von Zweiterem aus, haben wir eines der größten Probleme der westlichen demokratischen Systeme vor uns: Lobbyismus.

Die Absage gegenüber einer verpflichtenden Frauenquote zeigt perfekt auf, wie ganze Parteien vor ihren Unterstützern in der Wirtschaft niederknien, um weiterhin vor allem bei ihnen hoch im Kurs zu stehen. Denn mit Geld lassen sich auch leicht Meinungen kontrollieren.

Foto: Claaser

Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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