Neonliberal.at

Neonliberal.at

Die verkaufte Universität?

Österreichische Universitäten und Finanzierungsprobleme werden oft in einem Atemzug genannt. Könnte Geld von Seiten der Privatwirtschaft die Lösung sein?

Die (Unter-)Finanzierung der österreichischen Universitäten ist seit Jahren ein Thema. Da von politischer Seite praktisch Stillstand herrscht und bis jetzt keine der möglichen Lösungen (wie drastische Zugangsbeschränkungen oder eine enorme Erhöhung des Budgets der Universitäten) zur Realisierung gebracht wurde, will der WU-Rektor Christoph Badelt nun sogar klagen.

Eine Möglichkeit, um Geld in die leeren Kassen der Universitäten zu bringen, ist die Anwerbung von Drittmitteln. Private Mäzene, wie AbsolventInnen oder Unternehmen, sind in Österreich im Gegensatz zu den angelsächsischen Ländern eine Seltenheit. Als eines der bekanntesten Beispiele für privates Sponsoring universitärer Einrichtungen gilt das
Frank-Stronach-Institute der TU Graz.

Die Drittmittelfinanzierung durch die Privatwirtschaft kann sicherlich eine spannende Möglichkeit sein, um die Leistungen in der Öffentlichkeit zu präsentieren und vielleicht sogar neue Problemstellungen und Forschungsfelder zu erschließen. Aber es bleibt die Gefahr, dass Universitäten mit Geldnot wissenschaftliche Grundsätze über Bord werfen und Unternehmen zu große Zugeständnisse machen, die sogar die wissenschaftliche Integrität gefährden, wie ein Fall aus Deutschland zeigt:

Die Technische Universität Berlin ließ sich ein Institut von der Deutschen Bank bezahlen. Im Gegenzug bekam die Bank sehr große Einflussmöglichkeiten eingeräumt: Sie saß in der Berufungskommission für die ProfessorInnen, konnte Publikationen verhindern, wurde von der Universität beim Rekrutieren geeigneter AbsolventInnen unterstützt und durfte laut Vereinbarung Artikel in den Uni-Medien gestalten.

Universitäten brauchen Geld. Sie brauchen Geld von öffentlicher Hand, um Grundlagenforschung zu finanzieren und um eine gute Lehre zu gewährleisten. Um überhaupt attraktiv für die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft zu sein, brauchen die Hochschulen genug Geld für eine gute Infrastruktur, für ausgezeichnetes Personal, das nicht nur mit überfüllten Hörsälen und veralteten Arbeitsmaterial zu kämpfen hat. Universitäten brauchen Geld, um den Interessen privater Sponsoren nicht ausgeliefert zu sein, um Nein sagen zu können, wenn die Freiheit der Wissenschaft in Gefahr ist.

Wenn diese Grundfinanzierung gewährleistet ist, dann sollen private Förderer willkommen geheißen werden. Denn Universitäten können auch Unterstützung aus privater Hand nur zu gut gebrauchen.

Foto: Public Domain Photos

No comments yet.

Add a comment

Finde uns auf Facebook