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Digitalism – I Love You, Dude

 

Digitalism "'i love you, dude" cover art

„I Love You, Dude“ heißt es, das lang erwartete zweite Album der Elektro-Helden Digitalism aus Hamburg. Der Titel spricht von Liebe, die Ohren singen danach aber ein anderes Lied.

Ohne eine gewisse Nähe zu Daft Punk kommt in dem Genre wohl niemand aus: auch Digitalism klingen auf ihrer zweiten LP I Love You, Dude ähnlich, gehen sie doch weg von lauten Dance-Experimenten noch weiter in Richtung Popsong. Per se ist das nichts Schlechtes, schon am Vorgänger Idealism haben sie ihre Kunstfertigkeit in der Verschmelzung von Techno, Pop und Rock bewiesen. Spannender wird’s trotzdem nicht.

Wer I Love You, Dude startet, denkt gleich an Daft Punk. Der Opener „Stratosphere“ ist keine Hommage an alte Elektro-Krauts wie Tangerine Dream, sondern könnte so 1:1 auch auf einem Daft-Punk-Album erscheinen. Erst straighte Melodie, dann Breaks, dann tanzen sie alle. Und dann kommt auch schon der wirkliche Bruch: die Single „2 Hearts“ ist schon fast ein Wombats-Hit. Gitarren geben den Ton an, bis der Technobeat sich in unser Gehör sägt und ein Synthesizer eine repetitive, eingängige Melodie dahinklimpert. 3:55 min geht das so dahin, und ich frage mich bei dem kitschigen Text über zwei Herzen, die es wohl (nicht?) zusammen schaffen werden, wo ich hier gelandet bin. Bis zum Fadeout.

Das sind sie, so klingen Digitalism 2011. Pop und leichte Indie-Gitarren überall, versetzt mit eingängigen Melodien und Dancebeats, die immer wieder, einmal mehr („Blitz“) einmal weniger („Reeperbahn“) an die Pioniere Daft Punk erinnern. Da hilft auch der Gesang Julian Casablancas (The Strokes), auf dem Titel „Forrest Gump“ nichts.
Am meisten überzeugt mich da noch „Just Gazin‚“, ein Zugeständnis an Dreampop und Experimente. Der flüssige Übergang von Akustikgitarre zu Synthesizer, der verträumte Gesang, das alles erinnert etwas an Air. Die darauf folgenden Stücke „Miami Showdown“ und „Encore“ sind wieder laut, doch während ersteres für die Disco zu düster sein wird, mausert sich das letzte Stück zum Tanzflächenfeger Marke „Pogo“, das mit kreativen Breaks, Chorälen und Abwechslung überzeugt.

Digitalism schreiben also auch 2011 noch Hits, die auf Partys und in Discos gespielt werden sollten. Das hohe Niveau von Idealism finden wir auf I Love You, Dude aber nicht. Dafür ist sie zu sehr Platte für die Kategorie „Alles so schon mal gehört“ und mischt zu viele Elektro-Erfolgsrezepte. Da wollte wohl jemand auf Nummer sicher gehen – und hat damit eher Einheitsbrei als ein besonders gutes Album geliefert.

 

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Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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