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Dirty Projectors + Björk – Mount Wittenberg Orca

Mit einem Jahr Verspätung findet die entrückte Kollaboration von Islands wundersamer Elfe und Dave Longstreth synkoptischer Experimentalband ihren Weg auf physische Tonträger. Das klingt natürlich immer noch genauso seltsam, wie es praktisch muß.

Ursprünglich als einmalige Angelegenheit, als Gefallen für Brandon Stosuy von Stereogum.com gedacht, schrieb Dave Longstreth innerhalb von sieben Tagen ein Minialbum, die erste Arbeit nach der fulminaten Großtat ‚Bitte Orca‚ ein Jahr zuvor. Schon hatten die Dirty Projectors als große Fans der kleinen Isländerin auch Björk im Schlepptau und fertig war das lange Zeit nur über die eigens dafür gebastelte Homepage als Download erwerbbare tonale Kunstwerk. Die Einnahmen kamen einem Projekt von  National Geographic zugute – naheliegend, wenn man die Geschichte hinter ‚Mount Wickenberg Orca‚ kennt: Da geht es um eine Walfamilie, die nahe dem Mount Wittenberg an der Nordkalifornischen Küste lebt. So weit, so süß, so schräg. Nun via Domino eben auch in physischer Form.

Querkopf Dave Longstreth hat dabei aus ‚Mount Wittenberg Orca‚ ein auf Instrumente weitreichend verzichtendes Soundexperiment gemacht, dass den Gesang nicht nur in den Fokus rückt, sondern zum alleinig tragenden Element der Platte verarbeitet. Wer will, kann sich das wohl am besten als Mischgung zwischen Björks ‚Medúlla‚ und der vertrackten Rhytmik von ‚Bitte Orca‚ vorstellen. Sehr eigenwillige, nicht selten auch strapazierende Kost also. Hin und wieder bringt Nat Baldwin am Bass einen unterstützenden Beat aus dem Hintergrund, in ‚No Embrace‚ gibts gar Beckenschläge und irgendwo im Mix versteckt auch das restliche Schlagzeug zu hören. Ansonsten umgarnen sich Björk und das stimmstarke Damentrio der Dirty Projectors mit langgezogenen Vokalen und sonstigen tonalen Akrobatakten. Das mag im Opener ‚Ocean‚ noch verstören, sich daraufhin zu einem dichten, äußerst kopflastigen Gesamtkunstwerk zusammenfügen.

Dass das ganze nicht nur zu Kopf steigt, dafür sorgt Dave Longstrets unfehlbares Gespür, große Popmelodien in komplizierten Strukturen verstecken zu können. Das macht ‚When the World Comes to an End‚ zur beeindruckenden Stimmachterbahn (bei der ausnahmsweiße gar Dave Longstret als Sänger den Song schlichtet) samt abschließendem Gitarrensolo (Tatsache!) und ‚Beautiful Mother‘ zum wunderbaren Melodiekleinod, das schonmal an den Nerven zerren kann. Denn die ganzen „Oooohs“ und „Aaaaahs“ können zugegebenermaßen schon Substanz kosten. Aber wer auch nur ein wenig Vorkenntnis über die beteiligten Musiker mitbringt, sollte schon wissen, worauf er sich da einlässt. Zumal Björk hier tatsächlich an der nachvollziehbarsten Gefühlsmusik mitgewirkt hat, die man seit langer Zeit von der Isländerin gehört hat. Bestes Beispiel ist da  die unfassbare Glanzleistung ‚On and Ever Onward‚. Ein Geniestreich von einem Popsong und mehr noch: Wann fand man einen Björk-Song zuletzt so herzig, dass man vor Freude grinsen mußte? Eben! Allein deswegen ist ‚Mount Wittenberg Orca‚ Pflicht für den Plattenschrank.

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