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Eddie Vedder – Ukulele Songs

Von seinem Ausflug in die Soundtrackwildniss hat sich die Pearl Jam Kehle die Ukulele behalten. Mehr braucht es für sein zweites Soloalbum dann eigentlich auch nicht, um abermals abseits der Seattle Institution zu glänzen.

Nach dem letztjährigen Amanda Palmer Tribut an Radiohead etabliert sich die kleine Klampfe t immer mehr vom netten Gimmick zum Albumtragenden Saiteninstrument und stemmt das zweite Soloalbum des Vedder nach Into The Wild quasi im Alleingang auf instrumentaler Seite. Die behutsamen Streichertupfer in der Vorabsingle Longing to Belong erweisen sich im Nachhinein als die einzigen Ausreißer auf einem sparsam instrumentierten Album, das seinem Namen jede Ehre macht.
Derart schlicht das Klangbild mit der Reduktion auf das hawaiianische Traditionsinstrument auch sein mag: Eddie Vedder könnte wohl auch ohne Instrument das Telefonbuch zu einem formidablen Album transferieren, immerhin ist der Mann nicht nur mit einer der prägnantesten und besten Stimmen der Welt ausgestattet, sondern stellt seit über zwanzig Jahren sein Talent als Songwriter unter Beweis.

So auch auf Ukulele Songs, das vor makellosen Songmaterial förmlich zu bersten droht und dabei über 15 Songs in 35 Minuten doch ohne Umwege zum Ziel kommt. Dabei begegnet man jedoch nicht nur neuem Material. Eingerahmt wird der zurückhaltende Songreigen von einem geheimen Pearl Jam Klassiker und einem Evergreen. Während am Beginn „Can´t Keep“, der grandiose Riot Act Epitaph, die Stimmung vorgibt und sich dabei im bekannten Banyroya Hall Gewandt (nur noch eiliger) präsentiert, verabschiedet Ukulele Songs mit Dream „A Little Dream„. Tausendmal gehört – von Doris Day über Bing Crosby bis hin zu Max Raabe hat den Song im Repertoire, wer was auf sich hält – ringt Vedder dem Stück doch neue Facetten ab, steckt in die melancholische Grundstimmung, die Ukulele Songs durchzieht.
Diese Stimmung wurzelte bereits im – ebenfalls vertretenen – „Goodbye“, einem potentiellen Vedder Meisterwerk, das bisher sein Dasein auf einem Jack Johnson Surfmovie Soundtrack von 2004  verhältnissmäßig unbeachtet fristen musste und nun noch einmal zur Brust genommen wird. Zeigte sich (spätestens) schon damals, wie gut der Mann mit der großen Stimme auf das kleine Instrument reduziert funktioniert, tritt Ukulele Songs auf Albumdauer den definitiven Nachweis an.

Denn das vorgegebene Niveau hält Vedder spielend. 15 großartige Songs mit kleiner Geste schießt der Amerikaner locker aus der Hüfte, denen dabei immer einem Schwermut anlastet, der nicht ohne Zuversicht auskommt. Vedder bringt die gesamte Palette seines gesanglichen Könnens ins Spiel, singt dabei herzzerreißend schön vom Leben im Allgemeinen und von der Liebe im Speziellen. Gefühlvoll,  eindringlich und wärmend wie ein Leuchtfeuer in der kalten Welt. Alleine ist er dabei nicht immer, Glen Hansard (The Frames, The Swell Season) unterstützt in „Sleepless Nights“ während Cat Power und Vedder im Duett „Tonight You Belong to Me“ Ukulelen-Romantik ohne Schmalz neu definieren.
Dabei ist Vedder´s Zweitwerk schlußendlich  nicht derart ausformuliert wie Into the Wild, bleibt stellenweise Skizzenhaft ohne unfertig zu wirken und wirkt nicht selten wie die musikalische Untermalung zu den Teilen von Sean Penn´s Film, dienicht von Kameras festgehalten wurde – Wenn alleine zu sein nicht bedeuten muss, sich einsam zu fühlen.
Aber um Längen oder Eintönigkeit aufkommen zu lassen, ist Ukulele Songs schlußendlich ohnedies einfach zu knackig auf den Punkt gespielt und weiß mit zu grandiosen Songs zu begeistern. Songs, die in ihrer schlichten Unscheinbarkeit wahre Schönheit transportieren. Womit Eddie Vedder auf seinem zweiten Soloausflug mehr Konsistenz beweist, als seine Hauptband in jüngster Zeit.

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