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Eine Frage der Energie

Letzte Woche scheiterte das „Raus aus Euratom“-Volksbegehren an der 100.000-Unterschriften-Grenze und wurde ein Reinfall. Jetzt kommen die Anhänger_innen dieses Volksbegehrens aus ihren Löchern, um uns zu sagen „Schaut nach Japan. Hättet ihr unterschrieben, wäre so etwas bei uns nicht möglich.“. Das ist katastrophal falsch und hilft jetzt niemandem – vor allem nicht in Japan.

Warum ich das Euratom-Volksbegehren ablehnte und nicht unterschrieben habe, hat Elvira Pöschko auf Facebook mit ihren „5 Argumente[n] zur Diskussion um den Euratom-Ausstieg“ gut dargelegt. Wir haben wichtigere Probleme als Euratom – und dürfen zeitgleich auf keinen Fall durch einen Ausstieg unser Mitspracherecht aufgeben. Blockieren können wir nicht, indem wir aussteigen, sondern nur, wenn wir dabei bleiben und Gegenstimmen abgeben. Ein Euratom-Ausstieg würde das verhindern. Außerdem ist die Verbindung des Volksbegehrens zu Menschen aus dem Dunstkreis des ominösen „Weltbund zum Schutze des Lebens“, welcher auf den NSDAPler Günther Schwab zurück geht, der rechtsextremen Szene und der FPÖ, welche 2008 einen Antrag zum Euratom-Ausstieg in den Nationalrat eingebracht hat, überaus wahrscheinlich. Das Volksbegehren, wäre es nicht gescheitert, hätte diesen Menschen nur in die Hand gespielt. Schon allein das reicht mir, um es abzulehnen.

Jetzt daherzukommen und zu sagen „Schaut doch mal nach Japan, das kann jetzt auch bei uns passieren!“ ist pietätlos, verwerflich und dumm. Alles drei Dinge, die auch auf vieles aus der rechten Szene zutreffen. Die Tsunami-Tragödie in Japan zeigt uns, wir müssen uns europa- und weltweit Alternativen zum Atomstrom überlegen. Zwentendorf wurde zwar nie aktiviert, Österreich ist aber umgeben von Atomkraftwerken. Deutschland will die Laufzeit seiner sogar verlängern. Klar, irgendwo muss der Strom ja auch herkommen.

Das ist auch noch so eine Sache, die mich am aktuellen Energie-Diskurs so aufregt – die Scheinheiligkeit der Menschen, die einfach mal dagegen sind. Zum Beispiel gegen die 380kV-Leitung, gegen die nach wie vor massiver Widerstand besteht. Aber wie viele der Gegner_innen der 380kV-Leitung nimmt sich das Thema wirklich so zu Herzen, dass sie aktiv Strom sparen versuchen? Ich traue mich zu behaupten, dass es nur eine kleine Minderheit ist.

Faktisch brauchen wir mehr Strom – immer mehr. Mit neuen technischen Spielereien, immer größeren und leistungsfähigeren High-End-Geräten wächst auch der Bedarf nach Energie, die eben auch von wo her kommen muss. Das alles wäre kein Problem, würden wir nicht aus den falschen Gründen („Produziert keinen Feinstaub“) immer wieder zur Atomkraft schielen. Das Stichwort ist Energieautonomie.
Hier hat vor allem der, inzwischen leider verstorbene, deutsche Sozialdemokrat Hermann Scheer großartige Aufklärungsarbeit geleistet, wie zum Beispiel im Film „The 4th Revolution – Energy Autonomy“ zu sehen ist. Energieautonomie ist möglich und schneller umsetzbar als viele glauben – nur die großen Lobbies (Erdöl, Atomenergie etc.) halten die Politik davon ab.

Wir müssen uns eine Frage stellen: leben wir weiter so rücksichtslos vor uns hin und verschwenden Energie, die wir erst produzieren müssen, um sie verbrauchen zu können, oder steigen wir endlich auf ökologischere Stromproduktion um, ohne über ästhetisch schirche Windräder zu schimpfen? Eine Alternative dazu wird es nicht geben. Wohl aber zum Atomstrom.

Foto: flickr.com/vonmalte

Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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Comments (4)

  1. Fuchsy13. März 2011 Antworten
    danke für den beitrag – in der wieder aufflammenden emotionalen debatte über atomenergie ist es wichtig, die faktenlage nicht ganz außer acht zu lassen. ein paar anmerkungen von mir noch:
    1) österreich ist sehr wohl abhängig von atomstrom – wir lassen uns diesen nur brav von unseren nachbaren liefern: 1/3 der stromimporte sind atomstrom. dies führt zu der schizophrenen situation, dass atomkraftgegner in oberösterreich am tage gegen temelin demonstrieren und am abend beim kochen strom aus jenem kraftwerk beziehen (könnten). 2) energieautonomie: so halbherzig wie hierzulande an das thema herangegangen wird ist es nicht verwunderlich, dass keine investitionen in diese richtung erfolgen: http://www.umweltsystemwissenschaften.at/usw-magazin/usw-cafe/353-zwei-welten.html außerdem: mit vollen hosen ist leicht stinken – länder wie frankreich, die 90% ihres strombedarfs aus atomstrom decken, lassen sich nicht von heute auf morgen umstellen. atomkraftwerke baut auch niemand zum spaß (die hohe anschubfinanzierung stemmen nur wenige), sondern weil eine notwendige nachfrage besteht. würde man die externen kosten internalisieren, wäre auch das märchen vom „billigen“ atomstrom geschichte – jetzt ist es ja noch praktisch: die gewinne behalten die konzerne, die kosten der endlagerung hat aber die allgemeinheit zu tragen. 3) feinstaub: da sind nicht die kraftwerke das problem (selbst kohlekraftwerke lassen sich mit ordentlichen filtern ausstatten), sondern der individualverkehr. das auto, des österreichers liebstes spielzeug, traut sich aber kein politiker angreifen. 4) infrastruktur: es werden noch viel mehr 380kv-leitungen gebaut werden müssen! autonomie mit erneuerbaren energien lässt sich entweder nur sehr lokal (kleine gemeinden am lande, z.b. güssing) oder im großen maßstab (ganz europa + mittelmeerraum) erreichen. strom lässt sich sehr schlecht speichern – gewinnung und der stehts schwankende verbrauch müssen in einklang gebracht werden. viele erneuerbare energien (windkraft, solar) sind starken schwankungen unterworfen – nur durch ein pan-europäisches netz lässt sich stabilität gewährleisten (zb. kombination von windkraft im norden, solar im süden, wasserkraft in den alpen, etc). schon heute müssen windkraftanlagen in deutschland abgeschalten werden, weil sie „zuviel“ strom liefern. 5) effizienz: es ist eine chimäre, dass durch effizienzsteigerungen kraftwerke eingespart werden könnten: http://www.umweltsystemwissenschaften.at/usw-magazin/usw-cafe/337-weniger-ist-mehr.html im übrigen ist durch die kommende elektromobilität davon auszugehen, dass der stromverbrauch noch deutlich steigen wird. exit-szenarien für atomkraft sollten sich übrigends auch langsam befürworter von atomkraftwerken überlegen. berechnungen gehen davon aus, dass uran uns auch nur mehr ~50 jahre zur verfügung stehen wird. und wohin unüberlegte abhängigkeit von einem rohstoff führt, sieht man derzeit ja schön am erdöl.
  2. Georg13. März 2011 Antworten
    Mir ist das ehrlich gsagt Wurst ob der Schwab bei der NSDAP war. Ohne den Nazi Werner von Braun wär die Menschheit nie zum Mond gekommen, Prinz Bernhard von Niederlande der Gründer von WWF war bei der Reiter SS und die Vergangenheit von Siemens, Thyssen und Bayer kritisiert auch keiner…… Versteh die Argumentation nicht ganz.
    Und pietetlos find ich das nicht, ich hoff und bin mir sicher dass wir in Zukunft immer mehr von solchen Katastrophen erleben….vielleicht wird der Mensch dann doch gescheiter und kommt drauf, dass wir in manchen Gebieten dieser Erde nichts verloren haben.
    Meiner Meinung nach sollten wir raus aus EUROATOM. P.S.: Ich bin nicht so ein Mensch der zuhause in seinem erdölwarmen Haus sitzt und die Wärme seiner Standbye Geräte zum Heizen benützt. Ich bzw. meine Eltern leben seit mehr als 20 Jahren in einem Autarken Haus (bis auf den Sprit für die Autos zum Arbeiten fahren…eigener Strom, hauptsächlich Gemüse vom Selbstanbau und eigenes Holz zum Heizen)
  3. Fuchsy13. März 2011 Antworten
    ich hoff […] dass wir in Zukunft immer mehr von solchen Katastrophen erleben wer so argumentiert, hat sowieso einen an der waffel. vielleicht wird der Mensch dann doch gescheiter und kommt drauf, dass wir in manchen Gebieten dieser Erde nichts verloren haben. wo wäre den deiner einschätzung nach ein geeigneter lebensraum für die menschheit? (nur so als anmerkung: japan ist seit ~50.000 jahren besiedelt) mit deiner holzheizung produzierst du übrigends mehr luftverschmutzung wie eine fernwärmekraftwerk mit abgasfiltern.
    • Georg17. März 2011 Antworten
      Ich kann damit leben einen an der Waffel zu haben. Wenn ihr es so wollt und dieses System tagtäglich mithilfe euren hirntoten Politikern unterstützt dann wünsch ich mir noch mehr….Wir habens uns ausgesucht. Wenn wir alle so weitermachen wird bald nichts mehr übrigbleiben für dass es sich zu leben lohnt. Wollt ihr das Totale Wachstum?

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