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Eine ÖVP von Gottes Gnaden

Das ÖVP-Schild in der BundesparteiDie Regierungsmitglieder unter Michael Spindelegger sind vor allem eines: von Erwin Prölls Gnaden. Das passt in der ÖVP aber auch nicht mehr allen.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis es wieder so weit sein sollte und man Stimmen aus der ÖVP hören konnte, die laut danach schreien, endlich Schluss zu machen. Schluss mit Erwin Pröll, Kaiser Niederösterreichs, Landeshauptmann Österreichs. Die steirische ÖVP begehrte auf, zeigte sich angfressn – und zog zurück. Im Interview mit der Kleinen Zeitung sprach Schützenhöfer davon, jetzt die Arbeit mit Spindelegger noch intensivieren zu wollen und erteilte den Aufrührer_innen in der StVP eine klare Absage.

Aber wie lange noch wird die ÖVP das aushalten? Es wird gemunkelt, dass die wahre Schuld an Josef Prölls Rücktritt ein Pantscherl mit einer Raiffeisen-Gattin war, es den Lungeninfarkt nie gegeben hat. Jetzt sitzt Josef P. jedoch wieder dick in der Raiffeisen. War es ein Deal mt dem Onkel, um die konservative Parteibasis noch daran glauben zu lassen, dass außerehelicher Verkehr vor allem – oder eher: so gut wie ausschließlich – bei Sozialdemokrat_innen und Grünen vorkommt?
Ob das die wahre Begründung war, wir werden es nie erfahren. Vermutlich. Aber es ist mit ein Grund, warum die ÖVP-Basis langsam genug hat. Sie sieht die großen Funktionär_innen schalten und walten, aber im Endeffekt sind sie es, die verlieren. Denn sie haben auf Regionalebene die Wahlen zu tragen und die Linie der ÖVP zu repräsentieren.

‚Glücklicherweise‘ gibt es nun den Tod Otto Habsburgs zu betrauern, sonst müsste man sich noch Gedanken darüber machen, warum ein Kreuzritter überhaupt Vizekanzler sein sollte. Warum es noch immer kein Positionspapier gibt. Wo sie den bleiben, die Umfragehochs. Wo ist der Wiederaufstieg der Volkspartei?

So schnell wird er vermutlich nicht kommen. Denn jetzt ist es zu spät, noch einvernehmlich auf eine Lösung zu kommen, die wirklich alle zufriedenstellt. Die Grabenkämpfe zwischen ÖAAB und Bauernbund können nicht mehr leicht gelöst werden, dafür sind die Grenzen zu klar gezogen. Es geht, wie so oft, um Macht. Wer das sagen hat – denn die machen dann auch die Politik. Und da stehen sich in der ÖVP ein eher liberaler und ein eher konservativer gegenüber. Wirtschaftsliberale gegen Cartellverband. Vor allem letzter ist nach wie vor ganz dick da. So gut wie alle hochrangigen ÖVPler kommen aus einer Verbindung. So gut wie alle haben es also nicht nur aus Kompetenz nach oben geschafft. So gut wie alle haben jetzt das Problem, die Streitigkeiten der Bünde, Verbindungen und  Landesorganisationen lösen zu müssen, um auch nur irgendwie wieder handlungsfähig zu werden. Und dann ist da noch, über ihnen allen, der ewige Erwin Pröll. Denn nur eine starke ÖVP ist eine ÖVP von Gottes Gnaden.

Foto: sugarmelon.com

Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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