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Epic Fail #23: Schließung von kino.to

Der österreichische Verein für Antipiraterie hat eine einstweilige Verfügung gegen den Internetbieter UPC erwirkt. Ziel war es UPC zu zwingen die Seite kino.to für seine Kund_innen zu sperren. kino.to, eine „illegale“ Videoplattform, ist mittlerweile vom Netz genommen.

kino.to – Videoplattform einer kriminellen Vereinigung?

Über 4 Millionen User_innen pro Tag nahmen das Streamingangebot an aktuellen Serien und Filmen in Anspruch, und beweisen damit den Bedarf einer Seite wie kino.to. Die User_innen konnten so langwierige Rechtstreits und späte Veröffentlichungen von aktuellen Serien und Filmen umgehen. Die Betreiber_innen machten sich das zu nutze und entwickelten ein Modell mit dem kostenlosen Streamen Geld zu verdienen. Ein Modell, das die Filmindustrie schon längt hätte entwickeln müssen. Der Filmindustrie droht ein ähnliches Desaster wie der Musikindustrie. Lange verfolge die Musikindustrie illegale Kopien und Downloads, verklagte User_innen und Tauschbörsen wie Napster. Das Ergebnis der gnadenlosen Jagd auf Raubkopierer_innen ist ein Imageschaden, der noch lange nicht gut zu machen ist.

Die Musikindustrie hat die Downloads verteufelt und nichts getan. Erst als Apple und Amazon Musikdownloads gegen Bezahlung anboten und so einfach zugänglich machten, konnte man endlich mit dem Prinzip der Downloads Geld verdienen und das, obwohl es noch immer die Möglichkeit gibt Musik kostenlos (und illegal) im Internet zu laden. Die User_innen sind also bereit für ein entsprechendes Angebot zu bezahlen. Doch die Filmindustrie hat noch immer nichts dergleichen getan. Der Computer hat das Kino und das Fernsehgerät zu vielen Teilen bereits abgelöst. Streaming und Downloads sind der einfachste Weg, Filme und Serien auf dem eigenen Computer anzusehen. Und so lange es kein vernünftiges Bezahlangebot gibt, werden die User_innen zu illegalen Downloads greifen oder eben Streamingangebot von kino.to-Alternativen nutzen. Menschen, die englischsprachige Serien legal erwerben möchten, müssen entweder in Amerika wohnen oder monatelang warten bis die Serien in ihrem Land erhältlich sind. Erste Bezahlmodelle gibt es in Amerika bereits (netflix, hulu), die sind allerdings auch nur für Amerikaner_innen über das Internet zugänglich.

Die Filmindustrie muss sich endlich um das wirre Rechtsgeflecht kümmern, dass Veröffentlichungen und Vertriebe in verschiedenen Ländern ermöglicht und lange Rechtsstreitigkeiten unterbindet. Wäre sie schlau gewesen, hätten sie die Betreiber_innen von kino.to nicht verfolgt sondern engagiert, um sie mit der Entwicklung eines internationalen Streamingportals zu beauftragen. Damit wäre das Problem der illegalen Raubkopien nicht gelöst, aber besser für beide Seiten (Filmindustrie und User_innen) wäre es allemal geworden. Für die sinnlose Schließung von kino.to (wie lange wird es dauern bis sie wieder online ist? bzw. wieviele alternative Videoplattformen gibt es?) gibt es den Epic Fail der Woche.

 

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