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Epic Fail #30: Bigmouth strikes again

Dass der ehemalige The Smiths Frontmann Steven Patrick Morrissey in regelmäßigen Abständen für Skandale sorgt, ist mittlerweile nichts außergewöhnliches mehr. Dennoch ging nach dem Konzert in Warschau vergangenen Sonntag ebenso ein Aufschrei durch Medien wie Fankreise. Grund dafür waren auch diesmal Morrissey´s militanten Ansichten als Vegetarier, die nicht selten in unüberlegten Statements die Öffentlichkeit erreichen.

Wir leben in einer mörderischen Welt, wie die Ereignisse in Norwegen mit 97 Toten beweisen„, so Morrissey während besagten  Konzerts. Und weiter: „Aber das ist natürlich nichts verglichen mit den Dingen, die täglich bei McDonald’s und Kentucky Fried Shit passieren„. Daraufhin ließ er den Smiths-Klassiker ‚Meat Is Murder‘ anstimmen.
Was folgte, war Entrüstung in beinahe allen Ecken. Und das, obwohl man pietätlose Äußerungen des Mozzer mittlerweile schon gewöhnt sein müsste: So bezeichnete der Engländer unlängst Chinesen denunzierend als „Sub-Spezies“ und gerät mit Aktionen wie diesem in regelmäßigen Abständen auch in den Verdacht, rassistische Tendenzen zu zeigen. Ein ums andere Mal bedingt durch seine militanten Hardcoreansichten, was das Essen von Fleisch angeht. Da werden Konzerte schon mal abgebrochen, wenn Morrissey einen Hot-Dog Stand sichtet oder der Veranstaltungsort Schlachthaus heißt. Über das Musikbusiness hinaus weiß man mittlerweile Bescheid: Geht es um Tiere, ist der von seiner vegetarisch lebenden Mutter geprägte und seit seinem elften Lebensjahr fleischlos speisende Morrissey nicht zum Spaßen aufgelegt.

Dass Morrissey an den folgenden Tagen via diverser Onlineseiten zu relativieren versuchte, konnte die Wogen kaum glätten. „Hat man Mitgefühl für die Morde in Norwegen, muß man auch Mitgefühl für den Mord an jedem unschuldigen Wesen zeigen. Man kann das Leiden von Tieren nicht ignorieren, nur weil sie „nicht zu uns“ gehören“ wollte der Musiker seine Aussagen ins rechte Licht rücken. Was wiederum zeigt, dass Morrissey nicht verstanden hat, weswegen sein Statement eine derartige Entrüstung hervorgerufen hat. Im Grundansatz mag seine Aussage mit ehrbaren Absichten getätigt worden sein, unsensibler hätte sie jedoch kaum formuliert werden können. Vor allem lässt Morrissey selbst damit – zum wiederholten Male – den geforderten, gegenseitigen Respekt im Verhältnis Mensch- Tier missen.
Womit Morrissey sicherlich Recht hat, ist, dass die Praktiken von Fast Food Ketten angeprangert gehören. Die Art und Weise wie er dies allerdings tut, ist bestenfalls unpassend, weil pietätlos und die Finger mutwillig in noch offene Wunden legend. Ein Thema wie das Massaker von Norwegen darf nicht derart trivial zur Meinungsmache verkommen. Eine Lektion, die auch und vor allem der rechte Rand lernen sollte. Dass Morrisseys diesmaliger Eklat im selben Atemzug mit Entgleisungen von Herrschaften wie Werner Königshofer – wenn auch aus gänzlich unterschiedlichen Ambitionen heraus – geschieht, verleiht der Aktion einen zusätzlich bitteren Beigeschmack.

Dabei stoßen seine Äußerungen natürlich nicht nur auf Unverständnis und Wut bei den direkt von dem Massaker betroffenen Menschen in Norwegen. Diese jedoch machen ihrem Unmut über diverse Onlineportale überdeutlich Luft, wollen Morrissey künftig nicht mehr länger in ihrem Land willkommen heißen. Zudem steigen aber auch Tierschützer selbst auf die Barrikaden. Viele Veganer höhnen Morrisey ohnedies schon lange einen Heuchler und haben auch für seine jüngste Aktion nur Spott über. Vegetarier beklagen, dass durch Aktionen wie diese ehrenwerte Grundsätze in den Dreck gezogen würden. Morrissey selbst fühlt sich wie immer unverstanden, sein Pressesprecher möchte die Aktion nicht weiter kommentieren. Dass der Musiker zudem in seiner Erklärung den schwarzen Peter den Medien weiterreichen wollte, indem er die Art und Weise kritisierte, in der Anders Behring Breivik zu „einem neuen Jack the Ripper“ hochstilisiert werde, während die Namen der Opfer ignoriert würden, wird das angespannte Verhältnis von Morrissey zu eben jenen Medien auch auf lange Sicht nicht entspannen.

Defacto dürfte Morrissey weder Rassist noch Massenmordbeschöniger sein. Den Vorwurf, ein nicht selten unüberlegt handelnder Exzentriker und Narzisst zu sein, muss er sich jedoch gefallen lassen. Zumal ein mit einer solchen Reputation ausgestatteter Musiker wie er als der breiten Öffentlichkeit ausgesetzte Person auch Vorbildwirkung hat. Morrissey ist eine Ikone und Idol der (Musik)kultur – mit Aktionen wie diesen bespuckt er jedoch immer wieder selbst sein eigenes Monument.

Foto: Peta

Der Neongrelle Botenaffe

Der Neongrelle Botenaffe - ein Zeichen für die Freiheit der Kommunikation, ein Kämpfer für die Wahrheit und die Freiheit der Medien. Anonym bringt er alles an sein Ziel, ohne je einen Dank dafür zu verlangen. Denn die, die ihn schon kennen, lassen eine Banane auf ihrer Türschwelle für ihn zurück.

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