Neonliberal.at

Neonliberal.at

Epic Fail #34: Das Sommerloch und die Hochschuldebatte

Am 23. August präsentierte Wissenschaftsminister Karl-Heinz Töchterle einen sogenannten „Expert_innenbericht“ zum Hochschulwesen in Österreich. Dadurch entstand eine sehr einseitige Diskussion, die das österreichische Hochschulsystem keinen Schritt weiterbringen wird und höchstens dazu dienen kann, dass Sommerloch zu füllen.

Die Studierenden kommen in der Hochschuldebatte zu kurz, trotz #unibrennt.

Die Studierenden kommen in der Hochschuldebatte zu kurz, trotz #unibrennt.

Töchterle sieht in dem Bericht einen weiteren Beweis dafür, dass man in Österreich Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren für die Hochschulen braucht. Der „Konter“ der SPÖ ließ nicht lange auf sich warten. Bildungsministerin Claudia Schmied und SPÖ-Klubchef Josef Cap erteilten Studiengebühren eine klare Absage, könnten sich aber weitere „Zugangsregeln“, wie die im Herbst in Kraft tretende Studieneingangs- und Orientierungsphase (StEOP), vorstellen. Im Klartext bedeutet das, dass zwei Parteien in einer Koalition Studieren mit Zugangsbeschränkungen limitieren wollen und die katastrophale soziale Durchmischung an den Hochschulen weiterhin aufrecht halten bzw. noch verschärfen wollen.

Auch wenn die SPÖ mehr aus Eitelkeit und Angst vor einem Umfaller gegen Studiengebühren sind als aus einer Grundhaltung heraus, bringt das den Studierenden, oder jenen die studieren wollen, wenig. Der „Expert_innenbericht“ zum (noch immer nicht entwickelten) Hochschulplan ignoriert die soziale Lage der Studierenden ebenso wie Bundesregierung. Der Schlagabtausch, den sich SPÖ und ÖVP liefern, ist ein Scheinkampf, in dem es um Gesichtswahrung und Umfragewerte geht und nicht um die Lösung der chronischen Unterfinanzierung der Universitäten und die, von der OECD bestätigte, zu geringe Akademiker_innenquote in Österreich.

Die Probleme sind seit vielen Jahren bekannt, schon lange vor Töchterle und Karl. Seit den 70er Jahren ging es der ÖVP nur darum, Österreichs Universitäten für eine kleine Elite zugänglich zu machen und dem Staat den Einfluss zu entziehen um besser in den internationalen Rankings dazustehen. 2/3 der Studierenden müssen neben dem Studium arbeiten, um sich ihr Leben (nicht nur ihr Studium) überhaupt leisten zu können. 2/3 der Studierenden sind der ÖVP ein Dorn im Auge. Klarerweise wären die Kapazitäten an den heimischen Universitäten nicht ausgereizt, wenn diese 2/3 einen großen Bogen um die Unis machen müssten. Ja und das winzige Budget für die Hochschulen würde dann auch dafür reichen, jedem übriggebliebenen Studierenden ein individuelle Betreuung auf Havard-Niveau zu bieten. Vielleicht hätten wir auch dann wieder ein paar Nobelpreisträger. Die Frage, die aber in der Hochschuldebatte nicht gestellt wird, ist, welches Ziel Hochschulbildung hat und welchen Zweck es erfüllen soll. Wenn diese Frage nicht gestellt wird, dann bleibt auch eine Antwort aus: Hochschulbildung soll allen Menschen offen stehen, unabhängig vom Bildungsniveau und dem Einkommen der Eltern.

Gerade die SPÖ bleibt sich selbst dieses Bekenntnis schuldig und laviert irgendwo zwischen ÖVP und eigenem „sozial gerechten“ Profil herum. Stattdessen gibt die ÖVP in der Debatte den Ton an und darf seit Jahren am Hochschulsystem herumbasteln wie es ihr gefällt. Der SPÖ bleibt nur übrig in Standardfloskeln zu reagieren und hin und wieder die Notbremse zu ziehen. Die katastrophale Situation der Hochschulen in Österreich ist ganz allein das Werk der ÖVP und die SPÖ hat zugeschaut. Die Scheindebatte um die Hochschulen geht inzwischen weiter und Stück für Stück schafft es die ÖVP, Akzente zu setzen und das Hochschulsystem weiterhin nach ihren Vorstellungen zu gestalten. So lange bis keine öffentliche Universität mehr existiert und der Studienplan sich nach der Drittmittelfinanzierung richtet. Töchterle ist nur ein weiterer ÖVP-Wissenschaftsminister, der es nicht schafft, eine echte Debatte in Gang zu setzen, die Lösungen hervorbringen kann.

Mehr zum „Expert_innenbericht“ gibt es von Thomas Knapp auf neuwal.com.

Foto: Christoph Liebentritt

 

No comments yet.

Add a comment

Finde uns auf Facebook