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Epic Fail #35: Die Vorerfassung, Flop des Jahres

All jene, die kommendes Wintersemester ein Studium an einer österreichischen Universität (mit Ausnahme der TU Wien, den Kunstuniversitäten und den Medizinischen Universitäten) aufnehmen wollen, mussten sich spätestens bis zum 31. August online „vorerfassen“ lassen. Der erwünschte Effekt, die Ressourcen dadurch besser planen zu können, blieb aber aus, vielmehr stehen die Unis nun vor einem Chaos.

Wissenschaftsminister Töchterle möchte die Vorerfassung überarbeiten

Die von der damaligen Wissenschaftsministerin Beatrix Karl eingeführte Vorerfassung hatte zum Ziel, dass den Universitäten schon vor Semesterbeginn bekannt ist, wie viele Studierende welches Fach studieren werden, um ihnen bessere Planungssicherheit zu geben. Bisher konnten man sich bis zum 30. November, dem Ende der Nachfrist, inskribieren. An der Technischen Universität Wien ist das nach wie vor möglich.

Wer die Voranmeldefrist versäumt hat, muss auf Entgegenkommen der Universität hoffen, die für solche Fälle zuständig ist. Uniko-Chef und Rektor der TU Graz, Hans Sünkel setzt hier bei Einzelfällen auf Kulanz – ob das alle Universitäten so sehen, wird sich zeigen.

Schon während der Voranmeldefrist wurde klar, dass dieses Instrument ein Schuss in den Ofen war: aus logischem Grund meldeten sich viele Studienanfänger_innen für mehrere Studien an, teilweise auch an mehreren Universitäten zugleich, nach dem Motto „besser zu viel als zu wenig“. Logisch ist es deshalb, da man kurz nach Studienbeginn zur Erkenntnis gelangen kann, dass das ausgewählte Fach doch nicht den eigenen Vorstellungen entspricht, ohne Alternativfächer müsste man auf das nächste Semester warten, ein Semester wäre verloren – was in der heutigen Lage der monetären Studienunterstützung fatal sein könnte. Auch hatte man bisher wesentlich mehr Zeit, sich mit dem Studienangebot auseinanderzusetzen, was man studieren möchte ist immerhin eine gewichtige Entscheidung. Und so darf es niemanden wundern, weder die Universitäten noch die Regierung, dass die Inskriptionszahlen enorm in die Höhe geschossen sind. Manche Fächer, etwa Soziologie, Philosophie, Theologie und Physik an der Uni Graz verzeichnen einen Studierendenzuwachs von nahezu hundert Prozent im Vergleich zum Vorjahr, an fast allen Universitäten haben sich Anmeldezahlen verdoppelt. Dies ist ganz klar ein Resultat der Vorerfassung.

Doch anstatt die Vorerfassung ad acta zu legen und zum alten System zurückzukehren, werden weitere Experimente geplant: Sünkel will die Vorerfassung dahingehend verändern, dass es noch schlechtere Auswirkungen für Studienanfänger_innen hat:

„Ich könnte mir vorstellen, dass man man eine Prioritätenreihung durchführt, einerseits in Bezug auf die zu wählenden Studienangebote, als auch in Bezug auf die zu besuchenden Universitäten.“ (diepresse.com)

Den künftigen Studierenden sollen dabei höchstens drei Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Auch Wissenschaftsminister Töchterle möchte an der Regelung festhalten, diese jedoch in Zusammenarbeit mit den Universitäten verbessern.

Die Vizerektor_innen sprachen sich im Rahmen des „Forums Lehre“ hingegen klar gegen die derzeitige Regelung aus, dass der Vorschlag, stattdessen die Zulassungsfrist zwei Wochen vor Semesterbeginn enden zu lassen, die realen Inskriptionszahlen und damit bessere Planbarkeit bringen wird, ist aber zu bezweifeln. Denn nach wie vor würden Studierende vor dem Problem stehen, dass sie nicht wissen würden, ob das gewählte Studium das richtige für sie ist, von Mehrfachinskriptionen ist deshalb weiterhin auszugehen. In jedem Fall möchte man mit der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) zusammenarbeiten. Immerhin hat man anscheinend erkannt, dass solche Änderungen ohne Mitsprache von Seiten der Studierenden sinnlos sind.

Wie es auch weitergeht, wir verleihen dem „Flop des Jahres“, wie es die ÖH ausdrückt, den Epic Fail der Woche.

Foto: SoWiMax

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