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Epic #WIN der Woche: Rücktrittskultur

Ein leerer Sessel

Nicht an jedem Stuhl klebt ein_e Politiker_in

Ein Politiker macht einen Fehler. Einen schweren Fehler. Die öffentliche Aufregung ist enorm. Zuerst versucht er die Sache herunterzuspielen. Doch es kommen immer mehr Details ans Licht. Dann entschuldigt er sich, will aber nicht zurücktreten. Doch die Empörung wird mehr, nicht weniger. In Österreich würde die Geschichte hier enden. Irgendwann würde die Empörung schon abklingen. Außerdem hat er es ja doch geschickt gemacht uns alle zu belügen. Und wer hält sich schon immer an die Regeln?

 

Wenn man sich in eine entwickelte Demokratie mit moralischen Grundnormen und einem gewissen Restanstand träumt, wie z.B. die Bundesrepublik Deutschland eine ist, müsste das nicht so sein. In Deutschland ist soeben der beliebteste Politiker des Landes zurückgetreten, weil seine Dissertation ein Plagiat ist. Nicht nur das – die Vorwürfe wurden sofort sehr genau untersucht.

In Österreich dagegen ist bis heute nicht klar, was an der Dissertation von „Gio“ Hahn eine wissenschaftliche Arbeit, und was abgeschrieben ist. Aber immerhin hat es seiner Karriere nicht geschadet. Manchmal hat man den Eindruck, Politiker_innen wie Karl Heinz Grasser könnten vor laufender Kamera jemand erschießen, es hätte keine Konsequenzen. Dass in Österreich Politiker_innen trotz Verfehlungen, egal wie schwer diese sind, einfach weitermachen, und es keine kritischen Medien gibt, die solche Fälle weiterfolgen würden, ist frustrierend. Und deshalb ist die vorhandene Rücktrittskultur in der deutschen Politik unser Win der Woche.

PS: Alles was es zu Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg zu sagen gibt (via @kellerabteil):

Foto: WayTru

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Comments (3)

  1. tobi2. März 2011 Antworten
    „eine entwickelte Demokratie mit moralischen Grundnormen und einem gewissen Restanstand träumt, wie z.B. die Bundesrepublik Deutschland eine ist,“
    Muss ich mir merken. Ernsthaft.
  2. flieda2. März 2011 Antworten
    Vielleicht sollte wer auch ein wiki zur Hahn-Dissertationmachen 🙂
  3. Lukas3. März 2011 Antworten
    Österreich ist zu klein für ernsthaft kritische Medien, die mehr Leute erreichen als die Familien der Verfasser! Mehr darf ich dazu in der Öffentlichkeit nicht sagen, aber in Österreich darf man sich als Medienmacher nichts trauen, sonst ist man schneller weg, als man schauen kann.

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