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Esoteric – Paragon of Dissonance

Damit sind sie mitunter die besten: Esoteric zelebrieren zähflüssigen Funeral Doom, der direkt aus dem Erdmittelpunkt zu fließen scheint. Dennoch gehen die Engländer auf ‚Paragon of Dissonance‘ im Ansatz abwechslungsreicher und melodiöser zu Werke, als auf den vorangegangenen Genremeisterwerken.

In den Grundzügen bleibt jedoch auch auf dem sechsten Album in 19 Jahren alles beim bewährten bei der englischen Institution Esoteric: tonnenschwerer Doom ist das, soundtechnisch dem tiefsten und dunkelsten Meer entsprechend, zähflüssig wie Lava aus den Boxen fließend. In seiner Dichte beinahe erdrückend, allein in seiner Länge kräftezehrend und unheimlich fordernd -wie mittlwerweile bei Esoteric üblich ist ‚Paragon of Dissonance‚ ein alles erschlagender, 90 minütiger Monolith auf zwei CD’s geworden. Das Schlagzeug walzt bedächtig dahin, die Riffs türmen sich hinter der ausladenden Leadgitarre und über Sänger Greg Chandler majestätisch auf. Dieser brüllt sich zwischen markerschütternden  Growls und manischem Gechrei die Seele aus dem Leib – das ist wieder typisch jene Band, die einen seit Jahren mit jedem neuen Realease Ehrfurcht abringt. Allein mit dem punktgenauen Bedienen etablierter Stärken unterstreichen Esoteric ihre Vormachtstellung im Doom eindrucksvoll, die Engländer spielen in ihrer ganz eigenen Liga.

Es hat auf ‚Paragon of Dissonance‚ keine grundsätzliche Veränderung gebraucht, um sich nicht zu wiederholen. Das hat weniger mit dem geradezu lospreschenden Start von ‚Abandonment‚ zu tun, denn auch wenn das Gaspedal doch hin und wieder bedient wird, bremsen sich Esoteric natürlich schnell wieder auf ihr eigenes Tempo herrab. 2011 aber lichten die Engländer soundtechnisch ihre ewige Dunkelheit dezent, lassen ‚Paragon of Dissonance‚ wie den hinterrücks terrorisierenden Unheilstifter im direkten Vergleich zum wütenden ‚The Maniacal Vale‚ wirken – Begriffe wie „hoffnungsfroh“ sind in diesem Kontext natürlich deplatziert wie nur was. Aber die atmosphärischen Ambientpassagen werden nach dem Ausstieg von Keyboarder Olivier Goyet prominenter denn je hoffiert, ‚Paragon of Dissonance‘ ist durchsetzt von geradezu wohlklingende Passagen. Was auch daran liegen mag, dass Esoteric den Melodien mehr Raum zum Entfalten bieten, diese subtil ausarbeiten und hinter dichter Finsternis verstecken. Seinen Beitrag dazu liefert „Neugitarrist“ Mark Nolan, der die Platte mit seinem markanten Spiel unheimlich verfeinert und bereichert.

Dazu passend wurde die Produktion weitaus sauberer gestaltet, als bisher für Esoteric üblich. Augeräumt und klar strukturiert fressen sich die im Schnitt viertelstündigen Songs in die tiefsten Regionen der Seele vor. Womit Esoteric zu hören auch wieder einem kleinen Kraftakt gleichkommt. Diese Band biedert sich nicht an, sondern fordert Zeit und Aufmerksamkeit. Esoteric fesseln abermals mit modernem Doom, facettenreich, zwingender und atmosphärisch dichter aufbereitet als es das Gros ihrer Kollegen tun. Das einzige Manko von ‚Paragon of Dissonance‚ findet sich so auch nicht in der Musik selber: Massige Alben wie dieses verlangen förmlich nach Vinyl, in dieser Hinsicht besteht also Nachholbedarf. Insofern kann man Aesthetic Death gar nicht genug danken, dass sie sich dieses Problems angenommen haben und sich von vorne durch den Esoteric Katalog kämpfen. Der durch ‚Paragon of Dissonance‚ einen imposanten Neuankömmling erhält, durch und durch makellos bleibt. Eine Band, wie eine Naturgewalt.

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