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Glasvegas – Euphoric///Heartbreak\\\

Flood beamt den wuchtigen Shoegazer Pop der Glasgower aus den 50ern in die
1980er. Nur einer der Gründe, warum der überkandidelte Albumtitel gewissermaßen zur Self-Fulfilling-Prophecy wird.

Natürlich wäre es ebenso melodramatisch wie die Musik der Schotten, zu behaupten, Glasvegas Zweite würde Herzen brechen, würde der Band so aber wohl passen.. Tatsächlich aber kann sie die hohen Erwartungen, die man nach dem sensationellen Debütalbum und einer durchaus guten Nachfolge EP an die Band hatte, nicht erfüllen.
Betreibt man Ursachenforschung, stößt man auf zwei entscheidende Gründe dafür.
Zum einen nimmt Flood am Produzentenplatz die Band gänzlich anders wahr, als Rich Costey es tat.
Wer Glasvegas (die Band) vor Glasvegas (dem Album) gehört hat, weiß, dass den Glasgowern der immense Wall of Sound, den sie von Costey verpasst bekamen, zwar unfassbar gut steht, ihre Songs jedoch auch ohne diesen bestehen konten.
Flood skeletiert den Sound der Band dann auch regelrecht, lässt die Saiteninstrumente brav nebeneinander her laufen, anstatt wahre Gitarrenmeer über die vor Weltschmerz nur so triefenden Vokals von James Allan zu gießen. So bleibt mehr als genug Platz für reichlich Keyboardsounds, die im schlimmsten Fall direkt vom Schloß am Wörthersee daherschunkeln.

Auch wenn Flood den schwelgenden Songs der Band so die Breite nimmt, wirkt auf Euphoric///Heratbeak\\\ dennoch vieles unnötig aufgebläht.
Steigerten sich Glasvegas bisher in ihre 50er affinen, zuckersüßen Trauerhymnen bis zum pathetischen Schwermut, suhlen sie sich nun nur noch darin, nehmen sich als die überdimensionale Band war, die die Presse immer wieder gerne in ihnen sieht und blasen bescheidenes Songmaterial zu ihrem Trademarkgebären auf.
Dass mit Jonna Löfgren nun eine Schlagzeugerin an Bord ist, die ihr Instrument im Gegensatz zu Caroline McKay spielen kann, hat indes keinerlei Auswirkungen auf die Schotten.
Die Songs möchten schlicht so pathetisch sein wie ihre Titel es suggerieren (“Whatever Hurts You Through The Night“, “Stronger Than Dirt (Homosexuality, Pt. 2) “, “Euphoria, Take My Hand“, …) , erschöpfen sich jedoch in prätentiösem Schwermut und haben schlicht und einfach nicht die Klasse des Debütalbums.

Wo dieses vor Hits nur so platzen wollte und die Band als heißesten Anwärter für Twin Peaks Abschlussball 1955 etablierte, hetzen Glasvegas den Erwartungshaltungen 2011 atemlos hinterher. Euphoric///Heartbreak\\\ (natürlich sollen das stilisierte Wellen sein!) reduziert großartige Melodien zugunsten fälschlicherweise als atmosphärisch interpretierter Spoken Word Langweiler (“Pain Pain, Never Again“, “Change“) oder halbgarer, Richtung Charts schielender Songbaustellen (“The World Is Yours“).
Bezeichnend, dass Glasvegas im finalen “Lots Sometimes“ alte Stärken durchblicken lassen, bevor ihnen auf der Zielgeraden doch wieder die Puste ausgeht.
Dass Flood die Stärken der Band nicht erkannt hat ist somit sekundär. In erster Linie lässt schlicht und einfach die Qualität der Kompositionen zu wünschen übrig.

Schlechtere Songs plus missglückte Produzentenwahl, so kann das nicht funktionieren.
Mit aller Euphorie, der man dem Zweitwerk entgegenblicken wollte – Euphoric ///Heartbreak\\\ ist zur angestrengten Selbstinterpretation geraten.
Glasvegas brauchen wohl etwas Abstand zu sich selbst.

 

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