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Extra-Lohnrunde für Frauen

Frauen verdienen immer noch um einiges weniger als Männer. Dass hier endlich sinnvolle Maßnahmen gesetzt werden müssen anstatt abzuwarten, bis sich die Situation von selbst löst, zeigt die Tatsache, dass sich innerhalb der letzten Jahre nahezu nichts geändert hat.

Im Schnitt verdienen Frauen um 25 Prozent weniger als Männer. Im Jahr 2009 verdienten unselbstständig erwerbstätige Frauen um 40 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, der gleiche Wert wie im Jahr 1999. Hier hat sich also in zehn Jahren nichts getan. Vergleicht man nur die Entlohnung der ganzjährig Vollzeiterwerbstätigen, verdienen Frauen rund 19 Prozent weniger. Um die enormen Einkommensunterschiede etwas plakativer aufzuzeigen, gibt es den „Equal Pay Day“, sozusagen der „Tag des gleichen Einkommens“. Hier gibt es zwei verschiedene Bezugszeitpunkte und daher auch zwei verschiedene Equal Pay Days: Der erste, der heuer in Österreich am 13.4. stattgefunden hat, markiert den Zeitpunkt, an dem Frauen über den Jahreswechsel hinaus soviel verdienen, wie Männer durchschnittlich bis zum Jahresende des Vorjahres verdient haben. Der zweite Equal Pay Day wird am 4.10. stattfinden, ab diesem Datum arbeiten Frauen sozusagen gratis, denn an diesem Tag endet statistisch die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Im Bundesländervergleich ist Vorarlberg das Schlusslicht, da hier der Equal Pay Day schon am 6.9. begangen werden muss, in der Steiermark ist es der 3.10.2011.

Es ist also unschwer zu erkennen, dass eine enorme Schieflage besteht, die weder wegzuargumentieren, noch mit halbherzigen Maßnahmen zu beseitigen ist. Deshalb brachte die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-DJP) vor der Ende September startenden Herbstlohnrunde die Idee ein, Extra-Erhöhungen der Bezüge für Frauen zu vereinbaren. Der Vorsitzende der GPA-DJP, Wolfgang Katzian, begründet diesen Vorstoß damit, dass die Zeit der Apelle vorbei sei. Eine konkrete Ausgestaltung der Idee könnte sein, dass drei Mal in zehn Jahren die Bezüge der weiblichen Beschäftigten, entweder pauschal oder in besonders ungerechten Branchen, extra erhöht werden. GPA-DJP-Bundesgeschäftsführerin Dwora Stein stellte aber fest, dass das Problem auch dadurch nicht von heute auf morgen gelöst werden kann. Ein Anfang ist es aber auf jeden Fall.

Kaum wurde diese wahrscheinlich wirksame Maßnahme gegen Lohndiskriminierung präsentiert, gab es auch schon negative Reaktionen. Der Sozialrechter Franz Marhold etwa hat massive Bedenken, da es zu Abwehrreaktionen kommen werde, was wiederum für Frauen kontraproduktiv sei. Von Seiten der Wirtschaftskammer besteht die Angst, dass sich dadurch männliche Arbeitnehmer diskriminiert fühlen könnten.

Auch in Foren diverser Tageszeitungen wird bereits heftig diskutiert, von „kranken Gender Idioten“ und „Mannsweibern“ ist dort zu lesen, davon, dass Frauen dann auch den Zivil- oder Bundesheerdienst nachholen müssen, dass es dann nur zu höherer Inflation kommt, eine Person ruft sogar alle Männer dazu auf, aus der Gewerkschaft auszutreten. Obwohl Foren von Tageszeitungen eine Sache für sich und wenig repräsentativ sind, zeigt sich hier wieder, dass es an breiter Aufklärung über Lohndiskriminierung mangelt, und die Politik in dieser Hinsicht nicht auf die (oder Teile der) „Basis“ sowie auf sogenannte „Expert_innen“ hören, sondern einfach handeln sollte.

Foto: sajbrfem

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Comments (1)

  1. Valkryss9. September 2011 Antworten
    ha! da leitl war da heute (fr) im morgenjournal auch witzig: er findet es beleidigend für frauen „nur“ alle 3 jahre lohnverhandlungen durchzuführen.

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