Neonliberal.at

Neonliberal.at

Feist – Metals

Dass nach dem Durchbruch mehr Ohren denn je auf Leslie Feist´s neue Streicheleinheiten für die Seele warten dürften, ist nicht spurlos an ‚Metals‘ vorbeigegangen. Dem Druck hält das vierte Album der Kanadierin jedoch spielend stand, behält lieb gewonnene Charakteristika der Vorgänger und schlägt dennoch neue Wege ein. Und macht unterm Strich alles richtig.

Nach dem (kommerziellen) Erfolg, der Feist mit ihrem dritten Album ‚The Reminder‚ zuteil wurde, ist der Fokus des Interesses stark wie nie auf der Sängerin der Broken Social Scene gerichtet. Kennt ja mittlerweile nicht zuletzt dank ‚1234‚ jedes Kind, den wunderschönen Indiesinger-songwriterfolk, der Herzen zum Schmelzen bringt und nebenbei zum Standartrepertoire von Galerien und Kaffeehäusern avancierte. Dass sich dieser Erwartungsdruck auf ‚Metals‚ ausgewirkt haben würde, kündigte deswegen bereits die Vorabsingle ‚How Come You Never Go There‚ an, überraschte und verschreckte auch ein bisschen mit hackeligem Aufbau abgebrühter Souveränität, gab sich jedoch bei weitem nicht so zutraulich und anschmiegsam, wie man das gewohnt war oder auch erwarten hätte können. Stattdessen forderte der Song Zeit, marschierte unkonventionell durch die Hintertür ins Gedächtnis und machte es sich dort bequem. Ein Vorbote mit Aussagekraft: ‚Metals‚ hat viel von der kindlichen Naivität verloren, welche seine Vorgänger zu einem nicht geringen Grad mitdefinierten.

Wenn man so will, ist ‚Metals‚ Leslie Feist´s bisher erwachsenste Platte geworden, geradezu ernsthaft konzentriert und nicht mehr ansatzweise so verspielt wie ‚Let it Die‚ oder ‚The Reminder‚. Der unbedingte Beweis, dass Feist auch anders kann, seriöser und – man möchte fast sagen – tiefgründiger. Natürlich waren die Vorgänger auch weit davon entfernt seichte Fahrstuhlmusik anzubieten, mehr Aufmerksamkeit hat jedoch noch keine Feist-Platte gefordert, um ins Herz geschlossen zu werden. Dabei schafft ‚Metals‚ den paradoxen Spagat, unmittelbar zu gefallen und gleichermaßen dezent zu enttäuschen, seltsam fremd und doch vertraut zu wirken. Ein wenig wie nach hause kommen und alle Möbel umgestellt vorzufinden. Insofern darf ‚How Come You Never Go There‚ als symptomatischer Vorbote angesehen werden: ‚Metals‚ wächst langsam, aber kontinuierlich, wird von der angenehmen Hintergrundmusik doch auch zum wunderbaren Gesamtkunstwerk. Was auch am phänomenalen Sound der Platte liegt, der klingt, als würde man direkt neben der Band stehen. Der Bass wummert hart aber herzlich, das Schlagzeug fährt unmittelbar in den Bauch, die Gitarren klingen warm und anschmiegsam. Wieder mit den alten Spießgesellen Chilly Gonzales und Mocky aufgenommen, versinkt Feist förmlich in der zeremoniell ausladenden und gleichermaßen eindringlich intimen Produktion, setzt ihre Stimme als Teil der Instrumentierung ein und ist doch präsent wie nie. ‚Metals‚ ist ein  gewaltiger Schritt für die Sängerin, die selbstbewusst, jedoch niemals spießig ihre eigene Weiterentwicklung vorführt und so strahlt das Album über seine gesamte Spieldauer eine geradezu erhabene Ruhe aus, eine majestätische Anmut. Feist weiß um die Stärke ihrer Songs und spielt diese souverän aus.

Da gibt es zwar wieder diese großartigen Kleinode, die einen sofort an der Hand nehmen. ‚Graveyard‚ oder ‚The Circle Married the Line‚ sind solche Glanztaten, die in all ihrer verletzlichen Intimität doch wieder unverkennbare Hits geworden sind. Eingängig und wunderschön, mit Refrains zum Steine erweichen. Darum herum aber baut Feist eine Bastion aus zurückgenommener Oppulentz (‚The Bad in Each Other‚) und aus verschmust lärmenden Gar-Nicht-Rockern wie ‚A Commotion‚. Es gibt wundersam reduzierten Pop mit Barjazz Anleihen (‚Caught a Long Wind‚ oder ‚Anti-Pioneer‚) und leicht swingende Aufmüpfigkeiten (‚The Undiscovered First‚). Und manachmal ist das einfach nur wunderbarer Folk (‚Cicadas & Gulls‚). Das hinter der offenkundigen Schönheit der Platte soviel mehr steckt, offenbart sich zwangsläufig. ‚Metals‚ ist eine verträumte Songsammlung geworden, die seine sensible Seele hinter starker Statur verbirgt. Man hört der Platte die Zeit und Liebe an, die Leslie Feist in ‚Metals‚ gesteckt hat. Einem Album, das sich nicht hetzen lässt, das Herzen nach und nach erobert und unheimlich viel zu geben hat. Auch einer wohl wieder exponentiell wachsenden Zuhörermenge.

[amazon_link id=“B005DWWVT8″ target=“_blank“ ]’Metals‘ auf Amazon[/amazon_link]

Add a comment

Comments (2)

  1. Pingback: Feist / Mastodon – Feistodon - HeavyPop.atHeavyPop.at 22. April 2012 […] dem wahrscheinlich kratzbürstigsten Kleinod vom letztjährigen Feist Drittwerk ‘Metals‘. Dem Albumtitel folgend macht sich die Kanadierin Feist wiederum über ‘Black […]

  2. Pingback: Feist - Pleasure - HeavyPop.at 10. August 2017 […] ihrem fünften Studioalbum – dem ersten seit Metals vor knapp sechs Jahren – macht es sich die Kanadierin nicht einfach und entfernt sich aus der […]

Add a comment

Finde uns auf Facebook