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Fleet Foxes – Helplessness Blues

Der Nachfolger zum selbstbetitelten Geniestreich geht einige Schritte weiter als das 2008er Werk, kommt aber zum selben Ziel: Herzerweichend wunderschöner Folk ist das wieder.

Ein Werk wie ihr Debütalbum, immerhin Megaseller und Kritikerliebling in Einem, schreibt sich nicht so einfach. Eine Erfahrung, die auch die fünf Fleet Foxes machen mussten. In Zeiten, in denen kaum noch etwas originär ist und alles referenziell, wurde deswegen ein gesamtes Album verworfen, 60.000 Dollar in den Sand gesetzt und das Bandgefüge um Multiinstrumentalist Morgan Henderson (Past Lives, Ex-Blood Brothers) verstärkt. Dennoch dauerte es zwischen Tourneen, Erwartungsdruck und Robin Pecknold´s akribischer Arbeitsweise geschlagene drei Jahre, bis man Helplessness Blues endlich aus der Wiege heben konnte.
Ein schwerer Geburtsprozess, unter dem gar Pecknold´s langjährige Beziehung zerbrach.

Jedwede harte Arbeit, die in das Album gesteckt wurde, schlägt sich schlußendlich aber nahezu unbemerkt zu Buche. Keiner Sekunde merkt man dem Zweitwerk die Last an, die auf Cheffuchs Pecknold und seiner rechten Hand Joshua Tillman lastete. Der Folkrock der Seattler ist wieder derart unbeschwert geraten, dass Crosby, Stills, Nash und Young dagegen wie schwermütige Folkonkel wirken.
Und das, obwohl die Banddiesmal weitaus weniger konkret zum Punkt kommt, als noch auf dem Debütalbum. Brauchte man damals schon nicht notwendigerweise klassische Songstrukturen, bricht man diese für Helplessness Blues nun noch freizügiger auf. Der Weg wird da zum Ziel, und dieser führt über gewohnt wohlklingende Gefilde schonmal zu Funken sprühenden Lagerfeuerkulissen, in denen sich Maultrommel und Saxophon zum hemmungslosen Stelldichein treffen, während kurz davor noch hippiesk die Flöte geblasen wurde. Diese Songs haben alle Zeit der Welt um sich zu entfalten, jeden Raum um zu wachsen; und arten mit dieser Freiheit nicht selten zu wahrhaftem Progfolkungetümen aus.

Mag sich Helplessness Blues so auch anfangs etwas mehr zieren, als es die unwiderstehliche Hymnensammlung Fleet Foxes tat – schlußendlich ist auch das Zweitwerk harmoniesüchtiger Balsam für die Ohren. Da türmen sich Melodien noch und nöcher, zwischen wohltemperierten Gänsehautmomenten schlummern ausgewachsene Hits und Songperlen für die Ewigkeit.
Pecknold´s zauberhafte Stimme hallt durch die gestandene Produktion Phil Ek´s, alleine oder im unwerfenden Chor mit seiner Band, dass Erinnerungen an bessere Zeiten von My Morning Jacket oder Band of Horses wach werden.
Momente, die einem vor Augen führen, dass doch niemand da draußen klingt, wie Fleet Foxes.
Helplessness Blues ist deswegen auch wieder zu einer zeitlosen Schönheit von einem Folkalbum geworden.
Ein kleines Meisterwerk, dass auch für die zahlreichen Mühen, unter denen es entstanden ist, entschädigt.
Findet übrigens auch Robin Pecknold´s Freundin. Denn seit diese das komplette Album hören durfte, sind die beiden wieder ein Paar.
Kein Wunder, mag man denken. Bei solch herzerweichend, wunderschönem Folk.


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  1. Pingback: Fleet Foxes - Crack-Up - HeavyPop.at 10. August 2017 […] Jahre nach Helplessness Blues dirigiert Robin Pecknold seine Fleet Foxes entlang eines immer komplexer werdenden Songwritings bis […]

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