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Friendly Fires – Pala

Mit Pala ist Friendly Fires das Animationsprogramm im All Inclusive Club Dance-Punk gelungen. Das macht selbst dann noch einen auf Party, wenn schon längst keiner mehr wirklich Lust dazu hat, weil bereits die Ersten wegen der galligen Soundwalze kotzen mussten.

Was für „Jump in the Pool“ so famos funktioniert hat, soll nun also auf Albumlänge wirken, weswegen Produzent Paul Epworth für das zweite Album der das Tanzbein schwingenden Indierocker gleich für alle der elf neuen Songs hinter dem Mischpult Platz nehmen durfte. Eine fragwürdige Sache das, wenn der an und für sich tolle aber wenig spektakuläre Hüftschwungrock der drei Engländer ob der produktionstechnischen Dichte plötzlich kaum mehr Luft bekommt.

Friendly Fires und Epworth runden auf Pala die kantigen Rhytmen des Debütalbum ab wo es sich nur machen lässt und kippen zur Sicherheit gleich noch über die Songs, was Keyboards und Synthesizer an dickflüssigem Soundbrei ausspucken. Das klebt dick und plötzlich klingen Friendly Fires wie ein Dance Remix ihrer selbst aus den späten 80ern. Da denkt man inzwischen weniger an The Rapture und Radio 4 als an Cut Copy und Phoenix im Daft Punk Look. Aber zu viel des Denkens fordert Pala ohnedies nicht, diese Platte ist für den Partymodus erschaffen worden. Das wattierte Schlagzeug treibt permanent, die Beats pumpen immer schön sauber um die nächste Ecke und die Elektronik fiept und pluckert zwischen dem hervor, was einmal eine Gitarre war. Freilich ist das dadurch nicht mehr ansatzweise so organisch wie noch 2008, als man unter dem Eindruck von James Murphy´s LCD Soundsystem musizierte. Da zählt die Verpackung mehr, als der Inhalt.

Tatsächlich schälen sich aus der Hochglanzschale selten wirklich gute Songs. Vor allem nicht solche, die sich hinsichtlich ihrer Melodieführung untereinander nicht allesamt ähneln, das man das Ende eines Stückes am sichersten daran erkennen kann, dass ein Refrain nicht mehr bis zum Erbrechen wiederholt wird. Ed Macfarlane gibt dazu den enthusiastischen Launebären, presst schon mal im Falsett Richtung nächster euphorischer Hookline und vergisst dabei nicht jede Gefühlsregung unter einer gut gelaunten Dosis Partyspirit zu verbergen. Soviel Einsatz zahlt sich selten – aber doch – aus. Etwa wenn das geradezu penetrant lospolternde, percussionlastige „Hawaiian Air“ die Nackenmuskulatur in Bewegung bringt oder der Funk von „True Love“ tatsächlich in die Beine fährt. Am besten aber sind Friendly Fires ausgerechnet in der einzigen Verschnaufpause, die sie sich gönnen. Im Titeltrack klingen die Briten nicht mehr nach schweißtreibendem Indieclub Abend, sondern nach dem Morgen danach. Wenn der Wille noch da ist, aber das Fleisch schon schwach – und man erkennen sollte, dass man ohnedies schon übers Ziels hinaus geschossen ist.

Diesen Punkt haben Friendly Fires auf Pala übersehen. Da wurde Lage um Lage auf den Sound bis zur Trancefläche geschichtet, so dass die Band darunter kaum mehr als die charmanten Dancerocker vom Debüt zu erkennen sind. Das macht Pala zwar nicht zwangsläufig unsympathisch und es mag gar Momente geben, in denen man für die ausgelassene Stimmung dankbar ist. Nur ist man das auch, wenn der Spuk dann doch mal ein Ende hat.
Eine Platte, so fröhlichwie ein Business Lächeln.


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