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Gang Gang Dance – Eye Contact

Gang Gang Dance driften noch weiter ab vom klassischen Songschema und bleiben damit Vorreiter in Sachen wegweisender elektronischer Musik. Die können es sich sogar leisten, mit einem elfminütigen Moloch von einem Song ins Album zu starten.

Glass Jar“ braucht knapp sechs Minuten, ehe sich die Spannung löst. Bis dahin verweben sich elektronische Spielereien mit percussiven Elementen immer dichter, bis es aus der New Yorkern herausbricht. „I cared for you like a Brother“ sirent Lizzi Bougatsos entrückt und lenkt die folgenden fünf Minuten noch zum unvermuteten Gang Gang Dance Ohrwurm. Der wieder alles hat, was diese New Yorker so besonders macht. Das rhytmusversessene Grundgerüst, die unzähligen elektronischen Spielereien mit dominant-penetranter Lead-Synthi darüber, all die Bass- und Gitarrenläufe, die da drüber-, drunter- und nebenher jammen.
Nur ist Album Nummer Fünf organischer, melodischer, dichter und als Gesamtwerk schlüssiger und harmonischer als die ohnedies schon superben Vorgänger.  Was die Spatzen schon lange von den Dächern pfiffen, bewahrheitet sich: Eye Contact ist  ihr Merryweather Post Pavillion geworden.

Die fünf New Yorker Experimentalmusiker inszenieren sich dabei auf Eye Contact abermals als inspirationsassimilierende Kosmopoliten. Ihren ohnedies omnipräsenten asiatischen Einschlag kehren die Amerikaner auf “Chinese High“ stärker hervor denn je und lassen sich mit Hot Chip´s Alexis Taylor in “Romance Layers“ zum entspannten Teekränzchen an der Grenze zum Duet-Kitsch nieder. Der größte Hit der Platte, “MidKilla“ betoniert gleich europäische Neunzigerjahre Tanzflächen neu, während das epochal beschließende “Thru and Thru“ im Vorbeigehen aufzeigt, wie Geschichten aus Tausend und Einer Nacht im Internetzeitalter erzählt werden.
Dazwischen pflanzen Gang Gang Dance drei Interludes (∞,∞∞ und – man kann es sich denken – ∞ ∞ ∞), die als Lötstellen zwischen den einzelnen Destinationen die kleinsten gemeinsamen Nenner des Werkes darstellen und Eye Contact zu mehr als bloß der gelungenen Aneinanderreihung großartiger Songs machen, den Albumfluss erst tatsächlich herstellen.

Glass Jar“ ließ vorab die Erwartungshaltungen in die Höhe schnellen, wenig überraschend wird das Niveau gehalten. Überraschend ist jedoch, wie unangestrengt dies gelingt. Album Nummer Fünf greift von der ersten Sekunde an nach den Sternen, muss aber nicht per Warp Antrieb dorthin. Eye Contact ist ein Mahlstrom experimenteller Musik in der Bruchstelle Dance und Rock geworden, zwischen hyperaktiv aufgedreht und zurückhaltend entspannt balancierend. Immer zwingend, immer großartig, der einstweilige Zenit ist da.
Eye Contact wird für die Band deswegen nicht nur die Geschichte eines Albums sein, dessen überwältigender Opener bereits Alles will und noch mehr kann. Sondern auch von dem darauffolgenden Rattenschwanz an Songs, der diesem in nichts nachsteht.

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Comments (1)

  1. Pingback: Gang Gang Dance - Kazuashita - HeavyPop.at 26. Juli 2018 […] verabschiedeten – ausgerechnet mit (dem wahlweise als hauseigenen Meisterwerk durchgehenden) Eye Contact, einer der faszinierendsten Platten des Jahres 2011. Seit damals gab es zwar vereinzelte […]

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