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Goodbye, R.E.M.

R.E.M. live in Mansfield 2008Eine der am längsten existierenden und kommerziell erfolgreichsten Alternative-Rockbands der Geschichte löst sich auf. R.E.M. haben den Zeitpunkt gefunden, an dem es sich für sie richtig anfühlt, Goodbye zu sagen.

Ich erinnere mich noch genau, als ich R.E.M. das letzte Mal „Goodbye“ sagen hörte. Es war 2005 am Grazer Schwarzlteich, 11.000 Menschen waren gekommen, um sie live zu sehen, die noch ganz frischen Mando Diao waren ihre Vorband, ich war 14 Jahre alt. Jahre später haben wir herausgefunden, dass mehrere von uns Neonliberalen bei diesem Konzert waren, wir alle eine gewisse Affektion für diese Band teilen. Jetzt ist diese Band Geschichte. Aber ihr Werk und all die Erinnerungen, die bleiben.

Es war ein lauer Sommerabend, damals. Michael Stipe hatte auf dieser Tour entdeckt, dass er sich gerne einen blauen Strich über das Gesicht malt und die Band war spielfreudig wie eh und je. Around the Sun wurde wegen seinem starken Pop-Appeal überwiegend gleichgültig hingenommen, manche fragten aber auch, ob sie am Ende wären, nichts Gutes mehr kommen würde. Diese Menschen haben sie dann hoffentlich live gesehen. Neben heftiger Lichtshow und einem strippenden Michael Stipe lieferten sie unglaublich spielfreudige Konzerte, waren Jahrelang auf Tour. Selbst meinen Eltern, mit denen ich Jungspund das Konzert besuchte, haben sie gefallen, führten im Nachhinein wohl zu ihrer Wiederentdeckung der Rockmusik. 2006 überlegten mein Vater und ich sogar, ob wir nicht nach Italien auf ein R.E.M.-Konzert fahren sollten. Gleiche Tour, gleiches Material. Das war uns egal, wir wollten die gleiche Stimmung, die gleiche Euphorie. Als wir die Karten kaufen wollten, waren sie ausverkauft.

This is the end of R.E.M. as we know it. Nach dem guten letzten Album Collapse into now fragte sich die Band die schwere Frage, wie es weitergehen sollte. Und sie fasste den Beschluss, nach ganzen 31 Jahren aufzuhören. In ihren eigenen Worten:

„To our Fans and Friends: As R.E.M., and as lifelong friends and co-conspirators, we have decided to call it a day as a band. We walk away with a great sense of gratitude, of finality, and of astonishment at all we have accomplished. To anyone who ever felt touched by our music, our deepest thanks for listening.“ R.E.M.

Keine Trennung mit Prozessen, keine Streitigkeiten. Sondern die Entscheidung, jetzt aufzuhören, um nicht die Lust zu verlieren. Nicht die Fans zu quälen und mit ein paar miesen letzten Alben unterzugehen.
Natürlich, für die Fans ist das ein trauriger Entschluss, für die Band aber wohl das einzig Richtige. Ich werde sie immer in guter Erinnerung halten, auch, wenn manche ihrer Alben eher langweilten als begeisterten, fand ich sie gut. Das war schließlich R.E.M., eine der größten und doch menschlichsten Bands der Rockgeschichte.

Auch, wenn es keine R.E.M.-Alben mehr geben wird, wir dürfen gespannt sein, was noch kommt. In welche Projekte sich die einzelnen Künstler jetzt wohl stürzen werden. Michael Stipe, der neben seiner Band durch politischen Aktivismus auffiel. Peter Buck, der erst vor kurzem Dauergast auf dem letzten Decemberists-Album The King is Dead war. Mike Mills, einer der gefragtesten Multi-Instrumentalisten der amerikanischen Rockmusik. Wir werden sehen. Goodbye, and good luck.

Foto: Brad Searles

Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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