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Google: die freundliche Datenkrake

Google wurde als DIE Suchmaschine des World Wide Web populär, Wortschöpfungen wie „etwas googeln“ (2004 in den Duden aufgenommen) sind Zeugen der beeindruckenden Durchdringung des Alltagslebens der Menschen, durch das unter anderem von Google geprägte und kontrollierte World Wide Web. Der Slogan „Don’t be evil“ begleitete den heutigen Giganten am Weg nach oben. Obwohl er nie offiziell wurde, hielt Google stets daran fest.
Wie freundlich ist Google? (c)dannysullivan
Doch je erfolgreicher Google ist, umso mehr wird sein Wahrheitsgehalt in Frage gestellt. Zu sehr schockierte Google seine naiven User, als aus wirtschaftlichen und strategischen Gründen eine Kooperation mit den chinesischen Zensurbehörden vereinbart wurde. Zwar musste Google inzwischen die Erfahrung machen, das man Diktaturen die zensieren vielleicht doch nicht trauen sollte – die Bereitschaft aus ökonomischen Gründen „evil“ zu sein, wurde dennoch anschaulich demonstriert. In der westlichen Welt dagegen sind Untergangsprophet_innen, Datenschützer_innen und schwer paranoide Verschwörungstheoretiker_innen beständig am Warnen, das Google schier unendlich viel Daten über seine Nutzer_innen sammle.

Und tatsächlich – durch eine Flut an kostenlosen Angeboten verschafft sich Google umfangreiches Wissen über die Interessen seiner registrierten Benutzer_innen. Das Flaggschiff bleibt die search engine – wonach ich suche, interessiert mich. GMail ist einer der beliebtesten FreeMail-Anbieter, mit einer ungeschlagen mächtigen Online-Mailverwaltung. Google Docs ermöglichen einfache Textverarbeitung allein und im Team. Blogger ist eine der beliebtesten kostenlosen Weblogplattformen, YouTube die Nummer eins bei Videos, Feedburner wird von zig Webseiten verwendet – passend dazu bietet kann man seine Feeds mit dem Google Reader lesen. Das wohl beste kostenlose Statistiktool für Webmaster ist Google Analytics – der Webmaster bekommt Unmengen an Daten über seine Besucher_innen – und diese Daten liegen auf den Servern von Google. Dank neuer Dienste wie Google Latitude und Street View … Wobei, bevor ich jetzt alles was Google macht, aufliste, füge ich doch lieber einfach dieses nette Video ein:

Mittels der aus den Daten erstellten Nutzer_innenprofile soll möglichst interessante Werbung angezeigt werden. Personalisiert Werbung soll (und dürfte tatsächlich) zu mehr Klicks, und damit mehr Umsatz führen. Denn Onlinewerbung ist Googles Haupteinnahmequelle. Der Onlinewerbemarkt ist ein Milliardengeschäft, und Googles Stück vom Kuchen ist das größte.

Die Investitionen in Onlinewerbung stiegen auch in der Krise weiter und werden aller Voraussicht nach, in wenigen Jahren größer sein, als jene in Print- oder TV-Werbung. Solange Googles Geschäftsmodell so floriert, scheint, abgesehen von einer (angenommenen) grundsätzlichen Schlechtheit, nichts dafür zu sprechen, das Google Interesse daran haben könnte, die NutzerInnendaten anderweitig zu verwenden. Immerhin hat Google einen Ruf, oder was davon übrig blieb, zu wahren.

Wie es nun um „Don’t be evil“ steht, hängt an der Frage, wie „evil“ es ist, den Usern lediglich ein Opt-Out aus der Überwachung zu ermöglichen. Denn Google ermöglicht es sehr wohl, die sogenannte „interessenbasierte Werbung“ (also jene die auf den Daten die Google über mich gesammelt hat basiert) zu deaktivieren, das personalisierte Suchprotokoll zu löschen und die Protokollierung der Suchanfragen fortan zu deaktivieren: Details zum Opt-Out und weitere Möglichkeiten, Googles Datenhunger ungestillt zu lassen. (Dieser Text wurde in leicht veränderter Form zuerst im „GeWitter“, der Zeitschrift der Fakultätsvertretung der Geisteswissenschaften der ÖH Uni Graz, veröffentlicht)

Foto: dannysullivan

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