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Guided by Voices – Let’s Go Eat the Factory

Was vor 2004 wohl höchstens zu einem anerkennenden Schulterzucken geführt hätte, versetzt 2012 die halbe Indierockwelt in Aufregung. Mastermind Robert Pollard hat nicht nur irgendwen zur Reunion rekrutiert, sondern das so genannte „klassische Line-up“. Dabei ist ‚Let’s Go Eat the Factory‘ doch eigentlich „nur“ ein weiteres Guided by Voices Album geworden.

Doch ist eine derart nüchterne Betrachtungsweise in diesem Fall überhaupt möglich, respektive angebracht? Zugegeben: als sich Guided by Voices 2004 verabschiedeten, freute man sich zwar immer und immer wieder über all diese unzähligen Lo-Fi Indierockskizzen, die der vielveröffentlichende Pollard und seine wechselnden Mitstreiter in unregelmäßigen Abständen abschossen. Doch irgendwann brachte die  konstante Veröffentlichungswut auch eine gewisse Abgeklärtheit mit sich: Guided by Voices Alben waren immer wunderbar, keine Frage, doch ein neues Release lauthals gröhlend in den Straßen feiern – das wollte man dann doch nicht mehr. Mit Schuld daran natürlich die Mitte der 1990er, als Pollard und Co. mit den Meisterwerken nur so um sich schossen. ‚Bee Thousand‚, ‚Alien Lanes‚ und Co. – da kann man bis heute nicht genug davon bekommen. ‚Let’s Go Eat the Factory ‚ häuft sich nun die Bürde auf, nicht nur das Comebackalbum nach dem doch nicht so endgültigen Split 2004 zu sein, sondern auch noch von der Mid-90er Bestzung eingespielt worden zu sein.

Unter diesen Gesiichtspunkten betrachtet enttäuscht ‚Let’s Go Eat the Factory‚ beinahe zwangsläufig. Weil ‚Let’s Go Eat the Factory ‚ in Summe dann aben wieder nur ein ganz famoses Guided by Voices Album geworden ist. Mit unzähligen brillanten Momenten und auch nicht wenigen alles anderen als brillanten. In dem zwischen ultrabilligen 4-Spur Sound und gehobener Produktion die Melodien so schräg aus der Anlage taumeln, wie betrunkene Geniestreiche, die eben besseres zu tun haben, als die Musikwelt aufzurütteln. 21 mal liefern Pollard und seine Band schludrig hingeworfene Geistesblitze zeitloser Rockmusik, deren beste Momente auch Tobin Sprout am Mikro gehören. Wenn er etwa zu ‚Hang Mr. Kite‚ zarte Streicher im Rücken  hat und die Dramatik keine zwei Minuten durchsteht. Für das poppige ‚Waves‚ dürfen die psychedelischen Gitarren schon länger schrubbeln und in ‚Old Bones‚ gar Traditionelles im Bandsalat verwurstelt werden. Davor, dazwischen und danach gibts aus allen Ecken des Indierock Häppchen, egal ob nachdenklich (‚Who Invented the Sun‚), ausfranzend herumeiernd (‚The Big Hat and Toy Show‚), sinnlos dahintreibend (‚Either Nelson‚) oder ja, beinahe mit Hitappeal ausgestattet: Die Singles ‚Doughnut for a Snowman‚ und ‚Chocolate Boy‚ positionieren sich ganz in der Nähe großartiger Popsongs und kultivieren mal eben den immer wieder vermittelten Eindruck, dass Guided by Voices die mitunter beste Band des Planeten sein könnte, würden sie sich nur mehr Mühe geben, mehr Zeit nehmen, mehr Sorgfalt walten lassen. Was beim beinahe epischen Schlußtrack ‚We Won’t Apologize for the Human Race‚ doppelt unterstrichen wird.

Das  ‚dagingedochnochmehr‘ gehört aber ja zu jeder gelungenen Guided by Voices Platte dazu – und in genau diese Riege reiht sich ‚Let’s Go Eat the Factory‚ problemlos ein. Da mag nicht jede der knapp 42 Minuten vor Brillianz erstrahlen: was hier passt, passt perfekt; was nicht stimmt, ist egal, ist ja noch genug vom Rest da. Also rein in das bunte Chaos aus Melodien, Riffs und Ideenaufschichtungen . Und den Wahnsinn rund um ihre Veröffentlichungen ausklammern. Einfach vergessen, dass ‚Let’s Go Eat the Factory ‚ schon längst hätte veröffentlicht worden hätte sein sollen, wenn sich die Band nicht angeblich noch während der Reunion schon wieder zerstritten hätte und deswegen all die geplanten Konzerte einfach wieder abgesagt worden sind. Dass schon vor der Veröffentlichung des Comebackalbums dessen Nachfolger ‚Class Clown Spots a UFO‚ für dieses Jahr angekündigt wurde und Pollard seit dieser Text entsteht vermutlich schon wieder mindestens 15 Soloalben fertiggestellt hat. Oder warum ‚Let’s Go Eat the Factory‚ diesen Designunfall von einem Albumcover aufgebrummt bekommen hat.
Weiß der Teufel, will man auch gar nicht wissen. Hauptsache, Guided by Voices hauen wieder Alben raus.

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