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Hammerfall – Infected

Dass das Line-Up mittlerweile gefestigt ist, bedeutet für Hammerfall keineswegs Konsistenz. Die Metal Institution aus Schweden wagt auf ihrem achten Album vielmehr den musikalischen Neustart.

Neuer Produzent, neuer Sound und kein Hector am Cover. Artworkgerecht geben sich Hammerfall auf Infected düsterer und härter, machen die Kurskorrektur und brechen zu neuen Gefilden auf.
Ungewohnt doomig schleudern die Herren deswegen gleich im  Opener “Patient Zero“ Riffs auf dem Bremspedal ins Heavy Metal Volk, da wird klar, dass sich einiges getan hat. Vordergründig auch im Soundgewand der Band. Charlie Bauernfiend wurde am Produzentenstuhl gegen James Miachael getauscht, der den Schweden einen weniger glatten Anstrich verleiht, die Band druckvoll aus den Boxen preschen lässt und vor allem die Tieftöner gekonnt ins rechte Licht rückt. Dazu passend schütteln Hammerfall in den folgenden 50 Minuten einige ihrer stärksten Riffs und Soli seit Langem aus den nietenbeschlagenen  Ärmeln.

Bang You Head“ drückt dann schon gewohnter auf die Tube, liefert schnellen Heavy Metal in Rein- mit einem Joacim Cans in Bestform. Überhaupt darf der Sänger auf Infected stimmlich wieder brillieren und einem textlich die Schamesröte ins Gesicht treiben. Unfassbar, welchen lyrischen Mist Hammerfall wieder produzieren. Wer jedoch eine Auffrischung hinsichtlich klassischer Weisheiten über Mut und Ehre braucht, sollte eher zu älteren Platten greifen – Infected erzählt über die  Heavy Metal Musik an sich, Zombies (Tatsache!) und sonstigen Endzeitwahnsinn. Da darf aber generös darüber hinweggehört werden, zumal die Band sich musikalisch einen Wolf spielt.

Da wird das ganze Feld des Heavy Metal beackert, Hammerfall zelebrieren auf Infected fiese Nackenbrecher auf der Überholspur (“Dia De Los Muertos“) ebenso überzeugend und gekonnt wie den  mattenschwingenden Hang zur Hymne (“The Outlaw“) . Da sind Pitmonster (“Immortalized“) gleichermaßen möglich wie auch die obligatorische Quotenballade(“Send Me a Sign“)  natürlich nicht fehlen darf. Generell gehen Hammerfall dabei deutlich härter und heavier zu Werke als gewohnt, kein Kuschelkurs mehr und dazu Lehrstunden in Sachen Riffing. Eine Neuorientierung die weitestgehend überragend  gelingt, dabei aber einige uninspirierte Ausfälle nicht verhindern kann. Ärgerlich, das belanglose Kompositionen wie der Albumtiefpunkt  “Let´s Get it On“, die erste Single “One More Time“ oder das Billigkeyboard in “666-The Enemy Within“ und “Redemption“  das Gesamtbild doch schmälern und der Platte vor allem in der zweiten Hälfte die Luft nehmen.

Mit Infected stehen Hammerfall jedoch am Anfang eines neuen Kariereabschnittes. Da sind Kinderkrankheiten zu verschmerzen, zumal Infected einer Initialzündung für die zwanzigjährige Kariere der Schweden gleichkommen könnte. Hammerfall klingen wieder hungrig und haben Blut geleckt. So düster sich Infected für Bandverhältnisse auch gibt, könnte es damit der Silberstreifen am Horizont für die nicht von wenigen schon abgeschriebenen Hammerfall sein.

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