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Hard-Fi – Killer Sounds

Nein, dass sind nicht schon wieder The Killers im 80er Wahn – Hard-Fi versuchen sich bloß wieder am Dance Rock. Warum diese Band mal mit The Clash verglichen wurde, weiß heute kein Mensch mehr – mittlerweile wollen Richard Archer und Co. aber ohnedies lieber Duran Duran und INXS Fans zu Begeisterungsstürmen hinreißen.

Ohne Begeisterungsstürme geht da freilich auch beim dritten Anlauf noch immer nichts. Hard-Fi sind irgendwo noch immer die Band, die 2005 die brennende Englandalternative zu Ballermann und Co. war, zwischen flirrende Gitarren und stampfende Beats aber derartig viele Hooks, Melodien und vor allem Hits in der Tasche hatte, dass der Nervfaktor zwar immer auch immens war, man dann aber doch freudig mitgegrölt hat. Bis 2007 konnte man die gewissen Vorzüge freilich nicht retten, da war ein peinliches Cover Artwork – oder ein angebliches fehlendes solches – noch die schickste Seite einer dümpelnden Platte, die eklatanterweise trotz zur Schau gestellter Belanglosigkeit auf Platz 1 der Charts feiern durfte und damit dem guten Geschmack gutgelaunt den Stinkefinger zeigen konnte. Übereilen wollte der Vierer aus Staines trotz des Erfolges jedoch nichts, vier Jahre Wartezeit entsprechen proportional nochmal einer deutlicheren Annäherung an die 80er. Und was werden Hard-Fi da schon machen, außer Party bis zum bitteren Ende?

Dementsprechend mutet ‚Killer Sounds‚ wie ein knapp 40 Minütiger Partysampler an, in denen Reminiszenzen (vorneweg: INXS, Duran Duran, New Order – und ja, ‚Bring it On‚ verlangt tatsächlich auch: Michael Jackson!) auf gewollt durchgeknallte Ideen und tatsächlich waghalsige Soundkulissen knallen – und schlußendlich abermals zu einem grotesken Ganzen gepresst werden. Wenn die elektrisch verstärkte Mundharmonika zum Beginn von ‚Stop‚ etwa den Blues vorgaukelt, weiß man freilich schon längst: Das schlägt ohnedies gleich wieder zu einem pumpenden Beat um, über den Archer harmlose – wer nennt diese Texte geistreich? – Mitsingparts trällert, während nebenher allerlei geschmacklose Synthesizerspielerein ablaufen. Das war schon mit den orientalischen Sprengseln im Vorläufer ‚Feels Good‚ – Kasabian, anyone? – so und nicht einmal da war es mehr überraschend, weil man mit den Flötenklängen in ‚Give it Up‚ schon ähnlich verfahren hat. Gut, ‚Stop‚ holt das Intro gar zum „Solo“ zurück, in dem der Backgroundchor schon mal vormachen darf, was tausend hippe Kehlen in den Stadien der Welt nachmachen sollen: Mitgröhlen, als gäbe es schon morgen keine Party mehr zu feiern. Denn ‚Killer Sounds‚ ohne schick tanzende Menschen, die in die tatsächlich immer mitreißenden Refrains gutgelaunt mit einstimmen – kann man sich das wirklich vorstellen?

Dabei wäre es natürlich unfair, ‚Killer Sounds‚ allein ob ihrer Eindimensionalität abzukanzeln. Die dritte Platte scheint ja mittlerweile zu sein, was ehemals die schwierige zweite war und jegliche Erwartungshaltungen dürften Hard-Fi damit gut bedienen, wenn auch zeitweise eher unter der Gürtellinie umschiffen. Das tatsächlich fein tänzelnde Albumhighlight ‚Fire in the House‚ wird neben dem an Hip-Hop Beats orientierten ‚Good for Nothing‚ mächtigst in entsprechende Charts einschlagen und den Weg für zahlreiche weitere Singles klarmachen – von denen ‚Killer Sounds‚ im Rahmen von elf Songs ein unerschöpfliches Repertoire hat. ‚Stay Alive‚ muß praktisch ebenso folgen wie das ominöse Zwitterwesen ‚Love Song‚ – aber ist dass denn wirklich noch geschmackvoll, wenn Daft Punk und Pseudo-Soul Rocker ungeniert miteinander rum machen? Hard-Fi scheint das egal sein – der Zweck heiligt die Mittel. Und daher das Ziel mal wieder Gute Laune – wenn nötig mit der Brechstange bitte! – darstellt, dürfen und müssen auf Album Nummer Drei plump gestrickte Party Rocker Stimmung erzeugen. Wo ‚Once Upon A Time in the West‚ mit schierer Belanglosigkeit vollends egalisierend umhertorkelte, springt ‚Killer Sounds‚ penetrant und durchkalkuliert bis in den letzten Soundfetzen vor schillernden Discokugeln und macht dabei ungeniert die Pommesgabel – obwohl man es hierbei gefühltermaßen eher mit einer Roboter- denn Bandplatte zu tun hat. Schwer zu sagen, ob es mehr nervt, nach dem obligatorisch auffälligen Leitmotiv den x-ten kruden Keyboardmove zu wackelnden Beats und seelenlosen Gitarrengeplänkel vor dem sich zuverlässig steigernden Finale neu arrangiert serviert zu bekommen – oder dass man da tatsächlich nicht umher kommt, grinsend  mitzusummen und den Kopf nicht stillhalten zu können. Für ‚Killer Sounds‚ erwartet die Geschmackspolizei verächtliches Kopfschütteln – während man insgeheim schon die eigenen vier Wände beim abshaken zertrümmert hat.

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Comments (3)

  1. beff19. August 2011 Antworten
    oh man… das natürlich klar, dass hier auf pseudo geil gemacht wird und die platte zerrissen wird. lächerlich.
    nach dem wirklich langweilige 2.ling is das album doch überraschend ordentlich. 7/10 wären eher angebracht.
    und zum rezenssentin: nur weil die gesellschaft dich nich erträgt, wirst du mit deinem pseudo coolen musikgeschmack auch nich beliebter.
  2. beff19. August 2011 Antworten
    es tut mir leid, was ich in meinem obigen kommentar geschrieben habe.
    ich sehe grad, dass diese seite limp bizkits „gold cobra“ 7/10 gegeben hab.
    somit is es absolut lächerlich von mir, überhaupt einen kommentar geschrieben zu haben.
    7/10 für gold cobra!!! … diese seite entbehrt sich jeglicher relevanz
    • Klemens20. August 2011 Antworten
      Deine Kommentare sind aber mindestens so sachlich, konstruktiv und „relevant“ wie 7/10 für Limp Bizkit 😉 Ich würde Gold Cobra 1/10 geben, aber Oliver hat recht, dass, was es will, macht es gut. Mag man sowas, ist es sicher kein schlechtes Album. Das gilt auch für dieses Album, nur, dass die subjektive Bewertung des Rezensenten hier eben schlechter ist.
      Da haben wohl eher wir beide den pseudocoolen Musikgeschmack, beff 😉

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