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Hella – Tripper

Vom Bandgefüge wieder zur Zwei-Mann Ausgangsformation geschrumpft, wüten Zach Hill und Spencer Heim wieder als reine Intrumentalband. Für ihr fünftes Album kehren Hella nach vier Jahren Pause zu ihren Wurzeln zurück und Ipecac den Rücken.  Geboten wird auf ‚Tripper‘ abermals manisch überdrehter Mathrock an der Grenze zum hyperventilierenden Noiserock in Form komplexer Songkonstruktionen.

Womit grundsätzlich alles gesagt wäre, den Rest kann man sich eigentlich denken. Zach Hill bearbeitet seine Felle wieder wie ein Besessener, seine Schläge gleichen superschnellen Maschienengewehrsalven, eher grazil denn brachial. Dazu prügelt Spencer Heim geschickt auf seine Gitarre ein, fügt tausende Licks an noch mehr Riffs und die Akkordfolgen purzeln im Sekundentakt über das rasende Schlagzeug. Gelegentlich sprinten die beiden dazwischen noch zum Bass oder Synthesizer und füllen das dennoch recht schmale Soundgerüst auf. Technisch sind die beiden eben versiert wie kaum jemand, das kann ambitionierte Musiker schon mal an den Rand des Wahnsinns treiben. Vor allem, da Hella wieder enorm viel Grips in ihre vertrakten Kompositionen pumpen.

Tripper‚ ist so schon beinahe zu clever, überschreitet die Grenze zum abgefahrenen Muckertum gerne, oft und mutwillig. So kaschieren Hella gekonnt, dass hinter den abgedreht und verschnörkelten Inszenierungen in erster Linie erstklassige Rocksongs schlummern. Dass diese ihre Virtuosität lauthals  über so viele  Schleichwege wie möglich herausbrüllen, verschleiert eben den Blick aufs Wesentliche. Dabei gehen die beiden Musiker auf ‚Tripper‚ ohnedies nicht mehr so psychedelisch angehaucht zu Werke, wie man das in der Frühphase von ihnen gewohnt war. Trotzdem benötigt die Platte eine gefühlte Ewigkeit, um sich von der selbstgefälligen Muckermusik zum ansprechenden Rock-Inferno und solidem Hella-Werk zu wandeln. Das beeindruckt natürlich schnell, aber um in ‚Tripper‚ mehr als eine beachtliche Technik-Demonstration zu hören muß man genug Atemluft mitbringen.

Auch das fünfte Hella Album fordert so seine Hörer unerbittlich. Vierzig Minuten vergehen da alles andere als im Flug. Zumal die klinische Ordnung in der Virtuosität der beiden Musiker niemals die Sogwirkung von jener ähnlich aufspielender Kollegen (siehe etwa: die weitaus lärmender wütenden Lightning Bolt) entwickeln kann. Blutleer klingt das alles natürlich nicht, emotionslastiger wäre aber dann doch schön gewesen. Die besten Momente erlebt ‚Tripper‚ deswegen, wenn die Platte nicht nur das Unterkiefer herabklappen lässt, sondern dazu auch noch Spaß macht. Etwa, wenn in ‚Self Checkout‘ wirres Gitarrenspiel von übermenschlichen Schlagzeugspiel Hill´s in Grund und Boden gewirbelt wird und das alles irgendwann doch nachvollziehbar abrockt und es egal erscheint, dass Hella dem Genre keine neuen Impulse geben können, sondern Trademarks stilgerecht bedienen. Solche Momente sind auf ‚Tripper‚ vorhanden, jedoch spärlich gesät und gut versteckt.. Uneingeweihte beklatschen artig die Kunstfertigkeit der Band, den Fans spielt ‚Tripper‚ direkt in die Arme. Hella bleiben damit wohl weiterhin zwischen  Nieschensensation und anstandsloser Handwerkskunst stecken.


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