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Graveyard – Hisingen Blues

Vier aus der Zeit gefallene Schweden kochen aus der Ursuppe des Metal
ein Bluesrock Album auf, das so schon vor 40 Jahren ein Highlight gewesen wäre.

We suggest that you play this records (sic!) at the highest possible volume in order to fully appreciate the sound of:
Heißt es auf dem Backcover ganz richtig. Graveyard haben ihr zweites Album vollkommen analog eingespielt, Hisingen Blues so einen erdigen, warmen und tiefgründigen Sound verpasst, der gewürdigt werden möchte.
Hier fühlt man jeden Schlagzeugbeat, als könnte man der Band im Proberaum persönlich beim Schnauzbart-kultivieren zusehen.

Hisingen Blues schaltet dabei den Kopf aus, ist pure Bauchmusik. Graveyard legen eine Dringlichkeit in ihren sich unaufhaltsam nach vorne schleppenden Rock, der höchstens von diesem allgegenwärtigen, monströsen Groove überboten wird. Hier lebt der Geist der späten 60er und 70er Jahre in seiner vollen Blüte.
Dabei halten sie mit ihren musikalischen Vorbildern nicht hinter dem Berg:
Die Schweden haben Black Sabbath mit jeder Faser ihrer Körper aufgesogen, spielen deren Blaupause für metallischen Doomrock meisterhaft und heben vor allem die unwiderstehlichen Bluesmomente der Engländer hervor. Ebenjene müssen es Graveyard auch bei Led Zeppelin besonders angetan haben. Deren elektrisierender Blues bietet den Nährboden für psychedelischen Auswüchse, Fuzzgitarren und reichhaltigen Distortiongebrauch inklusive. Das haben die hitzigen Southern Rocker Lynyrd Skynyrd zwar anders gemacht, deren Spuren finden sich hier jedoch ebenso.
Und kaum glaubt man, man wisse wie der Hase läuft, pfeifen Graveyard mit dem Instrumentalteil Longing den Soundtrack für derbe Spaghetti Western ein, verschaffen der Platte Luft und bleiben die volle Distanz mitreißend.

Natürlich findet man in jüngster Vergangenheit zahlreiche derartig gelungene Versuche zeitgeschichtlicher Aufarbeitung. Das ist weniger psychedelisch als Comets on Fire und wo Wolf People die progigen Hippies geben, wandern Graveyard klar zum Metal hin. Kein Wunder, haben Joakim Nilsson und Rikard Edlund doch früher bei Norrsken gespielt. Aus denen gingen übrigens auch die Doomrocker Witchcraft hervor. Deren gemeinsame musikalische Sozialisierung bleibt auf Hisingen Blues allgegenwärtig.
Auch wenn Graveyard klar die besseren Songs in peto haben.

Eine Mischung aus Howlin´ Wolf und Slayer sollte Hisingen Blues werden.
Herausgekommen ist kochender, bluesiger Heavy Rockmit dem Spirit des Heavy Metal. Glaubwürdige Heldenverehrung ohne billiges Plagiat zu sein oder auf die Qualität der Songs zu vergessen.
Musik, wie geschaffen um den Lautstärkeregler in den roten Bereich zu drehen.


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Comments (4)

  1. Pingback: Rival Sons - Pressure and Time - Neonliberal.at 27. Juni 2011 […] unter Ausschluss der Massen ihr bluesgetränktes Classikrock Süppchen kochen. Obwohl Konsorten wie Graveyard oder Earl Greyhound in die selbe Kerbe wie Rival Sons schlagen, müsste es doch beinahe mit dem […]

  2. Pingback: Graveyard - Graveyard - Neonliberal.at 2. August 2011 […] sich via ‘Hisingen Blues‘ in Graveyard verliebt hat, darf frohlocken – mit neuem Artwork macht Nuclear Blast das […]

  3. Pingback: Rival Sons – Head Down - HeavyPop.atHeavyPop.at 23. September 2012 […] glatt, zurechtgestutzt und einstudiert um tatsächlich wie gelebt zu klingen. Dass es da mit Graveyard zeitgleich eine Band da draußen gibt, die das selbe Revival genau deswegen stilsicherer meistert, […]

  4. Pingback: Graveyard – Peace - HeavyPop.at 15. Juli 2018 […] Zuverlässigkeit den Genremarkt im Spannungsfeld aus Retro-, Hard- und Heavy Rock seit Hisingen Blues (2011) sowie dem minimal schwächeren Nachfolger Lights Out (2012) mit einer über der Konkurrenz […]

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