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Various Artists – Homefront: Songs for the Resistance

THQ und Kaos Studios fahren rund um die Veröffentlichung des kontroversen Shooters Homefront ja mal die ganz schweren Geschütze auf. Große Namen an allen Ecken und Enden, die nicht immer halten können, was sie versprechen.

Die Story um den Einfall Nord Koreas in die USA wurde von Robert Milius verfasst, seines Zeichens Co-Autor von Apocalypse Now und auch verantwortlich für das cineastische Verbrechen Red Dawn.
Und die Werbekampagne zum Spiel wirbelte nochmal mächtig Staub auf, indem man sogar Non-Gamer mit fiktiven Nachrichten aus Nordkorea im Kriegszustand aufhorchen ließ und selbst davor nicht zurück schreckte, Werbeaussendungen frei nach NPD Vorbild zu designen.

Aber auch für den Soundtrack hat man sich nicht lumpen lassen und elf mehr oder (eher doch deutlich) weniger populäre Metalbands dazu verpflichtet, sich durch ein paar der wichtigsten (Anti-) Kriegslieder aller Zeiten zu covern.
Und einen Muse Song.
Das Ergebnis ist, wie meist in solch einem Fall, stark variierend hinsichtlich der Qualität ausgefallen.

Den Anfang machen die zwei wahrscheinlich bekanntesten Bands der Compilation und legen die Latte für die folgende Dreiviertelstunde viel zu hoch.
As I Lay Dying drehen War Ensemble durch die Metalcoremühle, bleiben stur am Gaspedal und machen nichts besser als Slayer, aber zumindest unheimlich Laune.
The Dillinger Escape Plan beweisen sich mal wieder als wahre Meister des Covers. Im Doppel mit Chuck D dreschen sie Public Enemies Fight the Power sensationell als Mathcore-Crossover Band ein. Gleichzeitig bretthart und doch unverschämt groovy, Geschrei und Rapparts gehen Hand in Hand. Das unbestreitbare Highlight der Platte.
iwrestlethebearonce machen aus Uprising (Muse) eine cheesy Girlpopmetalnummer mit nerviger Mülltonnensound-HiHat und penetrant aufgesetztem Schlußgeschoute. Ekelhafte Musik zum Fremdschämen.

Black Sabbath müssen daraufhin hilflos zuhören, wie The Acacia Strain War Pigs im Deathcore Kostüm vergewaltigen.
Periphery wiederum zeigen auf, warum Metallica One ohne nervige Keyboards eingespielt haben, schaffen aber das schier Unfassbare und lassen Lars Ulrich als geschmacksicheren Schlagzeuger dastehen. Auch eine Leistung.
Die muss man The Ghost Inside (schänden Fortunate Son von Creedence Clearwater Revival) und Winds of Plague (beschämen Buffalo Springfield´s For What It´s Worth) gänzlich absprechen, schlimmer noch: Wer diese Bands in ein Studio gelassen hat, hat gegen die musikalischen Aspekte der Genfer Konvention verstoßen.

Einen seltenen Lichtblick stellen Misery Signals dar. Deren Us and Them kommt zwar natürlich nicht an´s  Pink Floyd Original ran, bleibt aber stimmungsvoller Metalcore der besten Sorte mit eindrucksvollem Schlagzeugspiel.
Dass Arsonists Get All The Girls mit Masters of War nur verlieren konnten, dürfte den Kaliforniern herzlich egal gewesen sein, sie machen aus dem Dylan Klassiker zwischen Akkustiknummer und Grindcoregemetzel einfach eine herrlich absurde Metalschlachtplatte ohne Berührungsängste. So kann das auch funktionieren.
Hört man aufmerksam zu, erkennt man zum Abschluß mit viel Glück, wie Oceano War (Edwin Starr) als uncharmanten Deathcorestandart einspielen, bevor Veil of Maya U2´s Sunday Bloody Sunday bis zur Unkenntlichkeit massakrieren.

Eine Kompilation, die wahrscheinlich am Besten dazu geeignet ist, alle Vorbehalte, die man gegen Metal- und Deathcore Bands im weitesten Sinne hat, uneingeschränkt zu bestätigen.
Dazwischen schlummern vier tolle Beiträge, wenig überraschend gerade jene von den populärsten vertretenen Bands.
So trennt sich also die Spreu vom Weizen und Homefront: Songs for the Resistance wird zu einer reinen Attraktion für Fans der involvierten Bands.
Alle anderen dürfen weitergehen, für sie gibt es hier nichts zu sehen.
Viel Lärm um relativ wenig, mal wieder.


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Comments (2)

  1. blub10. April 2011 Antworten
    Im Death Metal und Deathcore Bereich halten sich die Mozarts und Haydns der Neuzeit auf, die Bands haben fast alle großartige Arbeit geleistet.
    Der Verfasser hat wohl ein sehr eingeschränktes Musikbild…
  2. BÄM!13. Mai 2011 Antworten
    @blub: Jawoll! @Topic: Ziemlich voreingenommene Bewertung eines wirklich gelungenen Samplers mit vielen talentierten Deathcore-Truppen. Gerade Periphery haben noch eine große Zukunft vor sich und Winds of Plague sind einfach nur böse ;-)!

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