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Iceage – New Brigade

Die vermeintlichen „Retter des Punk“ kommen diesmal aus Dänemark, sind allesamt unter 20 Jahre alt und brauchen auf ihrem Debütalbum für zwölf Songs gerade einmal 24 Minuten Zeit. Dass Punk nicht gerettet werden muß und ‚New Brigade‘ eigentlich auch kein wirklicher Punk ist, verkommt da zur Nebensache.

Vier Dänen, die aussehen, als würden sie Wave-lastigen Indierock spielen, lassen die Wogen hochgehen. In ihrer Heimat seit dem Erscheinen ihres Debütalbums Anfang des Jahres verehrt, war die Internetcommunity nicht viel hinten nach und schon war das Feuer geschürt, die amerikanische Presse in Verzückung versetzt und die wenigen Shows in den Staaten restlos ausverkauft. Insofern verständlich, da Iceage cool und hip wirken und bei aller Exotik ihrer Herkunft sosehr nach New Yorker Kunstszene klingen, wie das nur möglich ist.  Also: was ist nun dran, an dem ganzen Hype?  Grundsätzlich doch so einiges – nur eben kaum das, was versprochen wird.

Denn Punk ist ‚New Brigade‚ nur am Rande. Hüsker Dü kennen Iceage natürlich, aber viel eher haben die vier Jungs reichlich Post-Punk gehört. Wire sind hier ebenso nicht weit wie man die Gitarren gleich vollends von Gang of Four übernommen hat. Zackige Rhytmen und schneidende Riffs und so halt, wüst und energisch gespielt. Mit einem gewissen Goth-Beigeschmack, nicht nur des Gesangs wegen. Auch wenn der in seiner unterkühlten Hysterie schonmal an die frühen The Horrors erinnert. Da passt auch der mitgenommene Hang zur Künstlichkeit, Ikara Colt haben vor knapp zehn Jahren einen ähnlichen, nur weitaus weniger bissigen art-Rock gespielt. Was Iceage irgendwie zu den kleinen, bösartig wütenden Geschwistern von Wu Lyf macht. Weil die Vergleiche mit dem Punk ja auch irgendwo her kommen müssen. Da darf man ‚Count Me In‚ schon als die Hardcore Nummer der Band bezeichnen und den Rest guten Gewissens gedanklich zum grandiosen Post-Hardcore des Dischord Labels einsortieren. Ist ja auch wirklich verhältnismäßig vertrackt das, auch wenn im Geschwindigkeitsrausch immer wieder diese unfassbar eingängigen Passagen durchblitzen.

New Brigade‚ klingt, als würden all die genannten Bands in einem Raum spielen. Nur eben nicht als friedliche Jamsession, sondern als müsste jeder Musiker den anderen überholen und schneller wieder aus dem Studio draußen sein als seine Rivalen. So erklärt sich vielleicht die hektische Spieldauer der einzelnen Songs und warum ein Song wie ‚Collapse‚ tatsächlich so klingt, als würde – während die Gitarre sirenenhaft über allem heult – das gesamte Kompositionsgerüst in sich zusammenstürzen. Das verstört, nervt, fordert, überfordert und begeistert. Iceage spielen ihren eingängigen – ja, irgendwann tatsächlich! – Genreunfall nämlich derart frisch, fresch und trotz all der Bezugspunkte so rasend unverbraucht, wie das wohl nur eine Bande von Jungspunden kann, die keinen Pfifferling auf Referenzen gibt und stattdessen lieber alles in Grund und Boden knüppelt, dazu gleich fünf Songs in einen packt und dann doch nur die Hälfte davon spielt.
Den Punk retten Iceage damit natürlich ebenso wenig wie sonst was. Vordergründig aber deswegen, weil dank Bands wie Iceage nichts gerettet werden muss. Womit die vier Dänen vielleicht doch mehr Rock´n‘ Roll als alles andere sind.

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