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Into It. Over It. – Proper

‚Proper‘ ist kein Debütalbum, stellt die Zeiger für Into It. Over It. jedoch trotzdem zurück auf Start. Aus dem Singer-Songwriter Laufband ist eine konzentrierte Indierockband geworden.

Into It. Over It., dass ist im Prinzip nur der Amerikaner Evan Thomas Weiss, seines Zeichens involvierter Musiker bei Bands wie The Progress oder Damiera. Und wie sich das für einen gestandenen Punker gehört, nebenher aber auch gefühlvoller Singer-Songwriter. Seine  beiden vorangegangenen Songsammlungen sind deswegen auch spartanisch instrumentierte Kompositionsskizzen, die das Talent des jungen Musikers nicht gerade dezent andeuten. Das man die beiden ‚Proper‚ Vorgänger ‚52 Songs‚ und ‚12 Cities‘ jedoch nicht als richtige Alben ansehen möchte, liegt daran, dass die versammelten Songs viel eher Zeugnis von Weiss‘ Selbstgeisßlung als Musiker sind, Ausdruck seines Forscherdrangs und Ergebnis einer selbst auferlegten Pflichtübung. Denn Nomen ist hier tatsächlich Omen: ‚52 Songs‚ dokumentiert den über das Jahr 2007 gelaufenen Ehrgeiz des Musikers, jede Woche einen neuen Song abzuliefern, während ’12 Cities‚ die Splitsingle Aufnahmen mit Kollegen ebenso vieler diverser Städte versammelte. Da fällt auch seine Konzeptarbeit über fünf Stadtteile Chicagos nicht aus der Rolle und daher der Mann sowieso im Dauerlauf Songs zu veröffentlichen scheint, passt das auch alles. Für sein ‚No Sleep‚ Debüt als Into It. Over It. wirft Weiss derartige Ketten und Gesetze jedoch über Bord. Und erfindet sich in gewisser Weise als Ein-Mann-Band neu – auch, wenn Nick Wakim von Stay Ahead of the Weather und Nathan Ellis von The Casket Lottery mitgeholfen haben.

Mit dem reduzierten Akkustikgitarre & Sänger Prinzip vergangener Tage hat ‚Proper‚ wenig zu tun. Weiss tauscht das intime Soundskellet gegen den vollen Bandklang, gezimmert unter Mithilfe von Tausendsassa Ed Rose (u.a.: The Get Up Kids, Touché Amoré, Small Brown Bike). Viel wichtiger aber: Diesmal lies Weiss sich Zeit, investierte mehr Sorgfalt in die Entwicklung seiner Songs. Diese können sich deswegen einiges erlauben, tänzeln wild auf allerlei Hochzeiten.
Ja, ‚Proper‚ ist eine Pop-Punk Platte, aber auch eine Emo-Scheibe, ein Indie-Rockalbum und ein räudiger Punkrocker. Und immer wieder blinzelt die Singer- Songwriter Vergangenheit durch. Ganz referenzfrei geht sowas natürlich nicht. Da hat man etwa Say Anything´s Chef Max Bemis im Ohr, immer wieder. Die Gitarren bratzen und perlen wie zu besten Sunny Day Real Estate Zeiten, der Grunge ist nicht weit und ohnedies sollte Into It. Over It. dringend mit Manchester Orchestra auf Tour gehen. Da würden sich wohl einige Besucher fragen, ob Ben Gibbard etwa eine neue Band hat. Denn immer wieder klingt Weiss wie der Death Cab for Cutie Sänger – hat die selbe Art, mit Watte bepackt um die Wörter herum zu singen, die selbe Art, zu intonieren und selbst den kürzesten Vokal bedeutungsschwanger aufzuladend. Grund dazu hat der Gute ja, bei all dem behandelten Beziehungs- und Lebensstress.

Dabei macht es sich Weiss alles andere als leicht. Auf Refrains und handelsübliche Songkonstruktionen verzichtet ‚Proper‚ weitestgehend generös, stattdessen angelt sich Weiss lieber behände von Hookline zu Hookline. Klassische Hits sehen deswegen anders aus, nur langsam entfaltet ‚Proper‚ sein Potential und verlangt Zeit. Dabei wirft die Platte immer wieder umwerfende Hacken aus: Wie den gefühlvollen Stampfer ‚Where Your Nights Often End‚, der als erster hängen bleibt und am Ende immer noch als Albumhighlight dasteht. Oder der aufgekratzte Pop-Punk des Titelstücks, der so gar nicht auf das Singer-Songwriter Schlußfeuerwerk ‚The Frames That Used To Greet Me‚ vorbereitet. Da sind ergreifende Beinahe-Pop Nummern wie ‚Connecticut Steps‚ noch immer präsent und überhaupt sind die ruhigen Phasen von ‚Proper‚ die stärksten der Platte. Sozusagen die Highlights auf einer durchgehend starken Platte, der bisher besten Into It. Over It. Veröffentlichung.
An Evan Weiss wird man in Zukunft vermutlich nicht herumkommen. Nicht mehr, weil einen der Mann mit unzähligen guten Songs erschlägt, sondern mit einem knappen Dutzend hervorragender begeistert.

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