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James Blake – Enough Thunder

Damit es um das Hype-Wunderkind von Anfang 2011 nicht ruhig wird, legt der junge Engländer nach. ‚Enough Thunder‘ kehrt die Entwicklung bis hin zum Debütalbum hervor und grundsätzlich sind das abermals wunderbar entrückte Weltschmerznummern aus der Steckdose – nicht nur Dank dem Mitwirken von Folkliebling Justin Vernon und Joni Mitchell Cover. Gibt´s übrigens auch im Package mit dem Debütalbum.

Mit ‚Fall Creek Boys Choir‚ hat Blake den vermeintlich aufsehenerregendsten Track der  allein quantitativ außerordentlich gut bestückten Songsammlungen bereits vorab der sensationslüsternen Klatschpresse ins Maul geworfen: in dem beinahe eingängigen Klangkonstrukt entfaltet sich die destruktive Melancholie, die Blake seinen Kompositionen zueigen gemacht hat unter tatkräftiger Unterstützung von Kanye Wests Allzweckwaffe und jedermanns Lieblingsfolkeinsiedler Justin Vernon. Der Bon Iver-Kopf wirft dafür seinen Vocoder auf höchster Stufe an, aktiviert Autotune und bereichert den Blake’schen Soundkosmos ebenso, wie er sich nahtlos darin einfindet. Ein wunderbarer Song, ein vielversprechender Vorbote und ein Highlight unter vielen auf einer üppigen EP, deren restliches Material dieser Glanztat in nichts nachsteht.

Der zweite „Stand-Out-Track“ wäre allerdings wohl ‚A Case Of You‚: ein Live-Favorit des Briten und gleichermaßen eine Liebeserklärung. Jazzig und herzergreifend ist die Joni Mitchell Nummer geraten, in der Blake allein am Piano in Sphären vordringt, die eigentlich Antony und seinen Johnsons vorbehalten sind. Alleine diese beiden Songs im Mittelteil rechtfertigen ‚Enough Thunder‚, doch fährt Blake auch davor und danach großes Kino auf: ‚Once We All Agree‚ und ‚We Might Feel Unsound‚ sperren sich, vereinzelt wummern tiefe Bässe hinter Blake´s verfremdeter Stimme und gespenstischen Klaviertupfern. Die Songs bleiben schwer zugänglich, verstörende Soundeffekte bestimmen das hypnotisierende Klangbild; Beats kämpfen sich nur in den Vordergrund, um nicht zu überleben. Etwas optimistischer ist ‚Enough Thunder‚ hinten raus: ‚Not Long Now‚ ist  spartanische Laptop-Kunst. Blake begleitet sich selbst als Zweitstimme, ehe ein zögerlicher Rhytmus Zugang findet und der Song schließlich ins spacige abdriftet. Der Titelsong verabschiedet schließlich als schwelgende, atmosphärische zerrüttete Klaviernummer die die zeitlose Songwriter-Klasse des jungen Engländers hervorhebt. Insgesamt hat das wenig vom Dubstep der Anfangstage, dem Blake erst unlängst auf ‚Order/Pan‚ wieder frönte, sondern ist irritierende, dunkle Elektronikmusik, die viel mehr Zeit verlangt als das Material von Blakes selbstbetitelten Debütalbum.

Eben jenes stellt abseits der Qualität von ‚Enough Thunder‚ nach wie vor den Höhepunkt im umtriebigen Schaffen Blake´s dar, weswegen ‚James Blake‚ passend zum schleichenden Abklingen des Hypes wiederveröffentlicht wird – als Doppel CD. Der zweite Rohling ist dabei idend mit der ‚Enough Thunder‚ EP, der erste versammelt neben den ursprünglichen elf Songs des ersten Albums zwei „neue“ Songs. ‚Tep And The Logic‚ und ‚You Know Your Youth‚ waren bisher ausschließlich auf der Vinylversion von ‚James Blake‚ vertreten. Zweimal einsame Dubstep-Beatgerüste vor hoffnungsloser Stimmungslandschaft. Karg, eindringlich – und trotz ihrer Kürze doch Fremdkörper, die die geschlossenen Stringenz des Albums unnötig aufweichen. Dennoch sind die grundsoliden Stücke ein mehr als nur netter Bonus. Außerdem gilt: Wer ‚James Blake‚ bisher noch nicht im Regal stehen hat, hat essentielle, zeitgenössische Musikgeschichte verpasst und greift spätestens jetzt gefälligst zu. Alle anderen haben ihre Hausaufgaben gemacht, im Zweifelsfall muß die Platte aber natürlich kein zweites Mal ins Haus und die Anschaffung von ‚Enough Thunder‚ alleine genügt. Diese ist jedoch absolute Pflicht.

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