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Jeff Bridges – Jeff Bridges

Sachen gibt’s: Ein Schauspieler nimmt tatsächlich ein Musikalbum auf! Gut, ganz alleine steht Jeff Bridges mit seinen professionsübergreifenden Ambitionen nicht da, solche Ausflüge in fremde Gefilde häufen sich in letzter Zeit gefühltermaßen wieder. Jeff Bridges reiht sich mit seinem zweiten Album erstmals in die Liste der gelungenen Projekte solcher Quereinsteiger.

Immer geht sowas ja nicht gut – Russell Crowe, Kevin Costner oder Keanu Reeves können ein Lied drüber singen – und tun dies leider auch. Hin und wieder aber beweisen Mimen, dass das von ihnen bearbeitete künstlerische Feld es tatsächlich verdient, ausgeweitet zu werden. Man betrachte nur Scarlett Johansson´s – gut, eigentlich Dave Sitek´s, aber egal – nahezu brilliante Verneigung vor Tom Waits, Juliet Lewis nette Rockausbrüche oder Hugh Lauries gar nicht so ungelungenen, jüngst geschehenen Ausflug in die Welt des Blues. Nun macht das also auch Jeff Bridges, der auf ewig der Dude sein wird. Der Mann, der aber auch auf Ziegen starrte, gegen King Kong kämpfte und in digitale Welten gezogen wurde. Und natürlich ein abgehalfterter Countrysänger in ‚Crazy Heart‚ war und dafür unter anderem den Oscar gewonnen hat. Der springende Punkt: Auf dem Soundtrack zu eben jenem Film war auch Bridges selbst vertreten – neben Größen wie T-Bone Burnett, John Goodwin oder Stephen Bruton. Mit vielen dieser Musiklegenden kommt es nun abermals zur Zusammenarbeit – auf Jeff Bridges zweitem Album. Denn weithin vergessen bleibt Bridges erster Schritt in die Musikwelt von vor knapp zwölf Jahren mit dem Doobie Brothers Mitglied Michael McDonald. Aber um zu beruhigen: Plattensammlungen, die Be Here Soon vermissen, müssen nicht verzweifeln, Meisterwerk hatte Bridges seinerzeit keines vorgelegt.

Die Zeit ist jedoch reif für einen Neuanfang – und das gleich über Blue Note Records. Mit T-Bone Burnett als Produzenten und haufenweise Gaststars. So finden sich im Booklet unter anderem auch Benji Hughes, Sam Phillips, Rosanna Cash und Ryan Bingham aufgelistet, geben sich für Bridges selbstbetiteltes Countryalbum die Klinke beziehungsweise das Mikrofon in die Hand. Freilich nur als Nebendarsteller, denn Jeff Bridges hat seinen Musikerreboot gesanglich fest in der Hand. Dass der Mann singen kann, hat der fabelhafte Bakerboy ja nicht zuletzt eben in ‚Crazy Heartbewiesen. Die markanteste Singstimme hat der Dude zwar nicht, allerdings – und hier tun sich abermals Vergleiche zu Hugh Lauries ‚Let Them Talk‚ auf – ist Bridges mit dem Herz bei der Sache, intoniert mit einfühlsamer Stimme. Der Mann fühlt die Songs, die er darbringt, auch wenn es gerade einmal zwei Eigenkompositionen unter die elf Songs geschafft haben, bei zwei weiteren Tracks gibt es dazu Co-Credits. Es ist T-Bone Burnett zu verdanken, dass ‚Jeff Bridges‚ dennoch wie aus einem Guss klingt, sich ein stimmiges Gesamtbild ergibt, das musikalisch keine Sensation darstellt, allerdings gute bis überdurchschnittliche Country Handwerkskunst liefert und sich dabei Peinlichkeiten ausspart, mit denen zeitgenössisches aus Nashville ja leider nicht selten hausieren geht. Den Beigeschmack eines zu galligen, weil zu perfekt arrangierten Gesamtpakets, das mindestens ein Bein im zu konventionellen Countrymainstream parkt, kann ‚Jeff Bridges‚ jedoch nicht vollends abschütteln. Seelenlos mag man das nicht nennen, weniger Hochglanz wäre jedoch zumindest kein Fehler gewesen.

Ebenfalls kein Fehler: Jeff Bridges orientiert sich an klassischen Countryhelden, über allem thront das Vorbild Kris Kristofferson (als Musiker, nicht als Schauspieler natürlich). Den Gesamtsound drängt Bridges jedoch viel dichter als Kristofferson auf dessen Altersglanztaten und verzettelt sich zu Beginn damit gleich ordentlich: Vollkommen deplatziert zollt „What a Little Bit of Love Can Do“ als forscher Countryrocker Stephen Bruton Tribut und wirkt dabei mit seiner effekthascherischen Aufgedrehtheit wie der gute Bruder von Garth Brooks – ein Marktschreier von einem Opener, der aus der Rolle fällt. Denn die restliche Zeit über lässt es Bridges weitaus gemächlicher angehen, das Tempo wird reduziert und Country als zurückhaltende Stilübung inszeniert. Seinen ersten Höhepunkt erreicht ‚Jeff Bridges‚ ausgerechnet in dem eigenen, geradezu schüchternen ‚Falling Short‚, in der Bridges zu spärlicher Intrumentierung zeigt, wie laut leise sein kann. Das Niveau hält das Album weitestgehend: Egal ob im ruhigen Countryschunkler ‚Eveything but Love‚, im gespenstischen ‚Tumbling Vine‚ (dass so auch Tom Waits verdammt gut stehen würde), oder im bluesgetränkten Torkler ‚Blue Car‚: Bridges liefert ein vollkommen unpeinliches, souveränes und stimmiges Countryalbum ab, für dass ihn Gelegenheitshörer spätnachts bei Whiskey oder Wein dankbar sein werden. Für Bridges Fans ist das ohnedies ein Start-Ziel Sieg. Nicht nur wegen des unschlagbar coolen Coverfotos.

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