Neonliberal.at

Neonliberal.at

Jeffrey Lewis – A Turn In The Dream-Songs

Singer-Songwriter Geniestreich vom Cartoon Zeichner: Anti-Folk als Popmusik verkleidet, die so zufällig aus dem Ärmel geschüttelt wird, wie das wohl nur New Yorker Slackertypen aus dem Dunstkreis der Moldy Peaches hinbekommen können.

Spätesten seit Dylan ist ja nicht mehr zwingend Voraussetzung, singen können zu müssen, um Sänger werden zu können. Jeffrey Lewis hat das zum Glück ja auch irgendwann mitbekommen und ist über den Umweg als Comiczeichner zum Musizieren gekommen. Den Spagat vollführt das Allroundtalent Lewis nun bereits seit einem guten Dutzend an Jahren, kaum zu glauben, dass es auch schon zehn Jahre her ist, dass Lewis mit der zerfurchten Hinterzimmersongsammlung ‚The Last Time I Did Acid I Went Insane and Other Favorites‚ für Aufsehen sorgte. Noch schwerer zu glauben, was für einen gewaltigen Sprung der Pinselschwinger in dieser Zeit hinter sich gebracht hat, der ihn auf ‚A Turn In The Dream-Songs‚ weiterhin am ausgedehnten Zenit seiner Musikkarriere zeigt. Mehr noch: hiernach sollte Jeffrey Lewis endgültig vom Geheimtipp und Nischensensation zur anerkannten Songwritergröße aufsteigen.

Dass er noch immer nicht gelernt hat zu singen und lieber mittels melodiösem Sprechgesang durch seine Songs hastet, darf da als liebevolle Eigenheit der Szene und als Spezialität Lewis´durchgehen. Alles hier schreit nach den Moldy Peaches, die Gästeliste von ‚A Turn In The Dream-Songs‚ liest sich dann auch wie das ‚Who is Who‚ des dazu passenden Dunstkreis: Bruder Jack und die Jitters bzw. Junkyard waren ebenso im Studio wie Mitglieder von Misty’s Big Adventure, The Wave Pictures, Dr. Dog, The Vaselines, Au Revoir Simone und Schwervon!. Überladen ist hier dennoch nichts, der Fokus liegt auf Lewis und seiner Klampfe. Diese relaxte Gehetztheit verinnerlicht man offenbar nur im Big Apple. Dass Jeffrey Lewis dabei nahezu nahtlos dort anknüpft, wo “Em Are I‚ 2009 aufgehört hat, wird natürlich dankbar zur Kenntnis genommen: der Mann hat – wie ‚Come On Board‘ Anfang des Jahres schon angedeutet hat – einen Lauf. Oder schlicht einfach massenhaft Talent.

Denn schiefer Anti-Gesang, tolle high-Low-Fi Produktion her: die tatsächlichen Glanzstücke sind ohnedies die versammelten dreizehn neuen Songs: da stehen natürlich lockere Quasi-Folksongs im Mittelpunkt, bei denen man weiß, was Lewis meinte, als er sagte er würde diesmal mit Popsongs experimentieren. Unausweichlich eingängig, der klassische New Yorker Anti-Folk von ‚How Can I Be‚ mit munterem Beat und charmantem 60s Backgroundgesang. Unterhaltsam gehetzt, die Mandolinenjagd ‚So What If I Couldn’t Take It‚  – mit aufaserndem E-Gitarrensolo als Rausschmeißer. Geradezu friedvoll dagegen der Pop von ‚Time Trades‚. Herzerweichend melancholisch, der romantische Ruhepol ‚I Got Lost‘. „I got lost, same time as you‚ singt Lewis und bringt da ergreifende Wärme in seine gerne mal mit offenkundigem Nonsens befassten Texte. Was natürlich nebensächlich wird, wenn eine Platte derart geborgen fühlen lassen kann, wie der zwischen Blechbläsern dösende Opener ‚To Go and Return‚ und die entspannt-stampfende Streicher-Meditation ‚Water Leaking, Water Moving‚ unmissverständlich klar machen. Ob die beiden Interludes ‚Boom Tube‚ und ‚From Daz‚ unbedingt nötig gewesen sind, ist da nicht nur ob deren Kürze unbedeutend und verdeutlicht nur: Das Wie scheint sich auf ‚A Turn In The Dream-Songs‚ immer beiläufig ergeben zu haben. Die Songs nehmen sich, was sie brauchen; schlendern ziellos umher, ohne verloren zu gehen. Auch eine große Kunst. Irgendwie klar, dass Jeffrey Lewis auch diese aus dem Efef beherrscht.

[amazon_link id=“B005Q5OOQK“ target=“_blank“ ]’A Turn In The Dream-Songs‘ auf Amazon[/amazon_link]

No comments yet.

Add a comment

Finde uns auf Facebook