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Jim Ward – Quiet In The Valley, On The Shores The End Begins & The Electric Six

Jim Ward kämpft nicht um den Titel des längsten Albumnamens des Jahres, sondern versammelt endlich seine vier raren Solo EP´s aus den letzten fünf Jahren. Darauf fröhnt der ehemelige At the Drive-In Gitarrist und Sparta Sänger der unter Punkrockern stark verbreiteten Liebe zu Country und Folk. Und gewinnt damit eventuell nicht nur einen Stockerlplatz für das hässlichste Albumcover des Jahres.

Jim Ward´s Karriere verläuft seit jeher nicht so, wie man es erwarten könnte. Als Gitarrist der Post Hardcore Heroen At the Drive-In stand er an deren Erfolgsgipfel plötzlich ohne Band da. Kein Problem für Ward, endlich konnte er sich dem Studium widmen, das er seinerzeit schmiss, um die ersten At the Drive-In Platten zu finanzieren. Dann aber folgte er der Einladung seiner beiden ehemaligen Bandkompaneros Paul Hinojos und Tony Hajjar, sich doch deren neuem Projekt anzuschließen. Sparta waren geboren und Jim plötzlich nicht mehr nur Gitarrist, sondern auch Sänger. Mit Ward steuerte die Band durch eine anfängliche Hassliebe mit ihren ehemaligen Buddies von The Mars Volta, die mit ihrem Progrock von Anfang an Begeistern konnten, während Sparta sich erst selbst finden mussten. Über das gute ‚Wiretap Scars‚, das noch bessere ‚Porcelain‚ und das superbe ‚Threes‚ tat die Band dies in den kommenden Jahren. Und dann war wieder Schluß. 2008 gaben Sparta bekannt, eine Pause auf unbekannte Zeit einlegen zu wollen, Ward selbst bekräftigte immer wieder, dass er bis auf weiteres keine Veranlassung sähe, sich wieder mit seiner Band auf eine Bühne zu stellen.

Nur Verständlich, wenn man bedenkt, dass Ward auch ohne Sparta nicht über mangelnde Arbeit klagen konnte. Weniger durch seine erst wenig zuvor aus der Taufe gehobenen Alternative Country Band Sleepercar, als durch ambitionierte Soloausflüge, deren Anfang eine Trilogie von Ep´s machen sollte. Schlußendlich dauerte die Veröffentlichung dieser zwar länger als angepeilt, doch Anfang des Jahres 2011 war es endlich soweit – mit ‚The End Begins‚ erschien die abschließende Arbeit des Projets, das mit ‚Quiet‚ 2007 begann und 2009 seine Fortsetzung mit ‚In the Valley, On the Shores‚ fand. Gemeinsam mit der eher als Schmakerl anzusehenden EP ‚The Electric Six‚ versammelt Ward nun Konsumentenfreundlich einen Großteil seiner Soloveröffentlichungen auf Doppel CD. Darauf folgt Ward zwar der Modeerscheinung „Punkrocker wird Folkmusiker“, mit Folkpunk der Marke Frank Turner hat Ward dann jedoch doch nicht allzuviel am Hut. Dafür orientiert sich der Texaner viel eher an traditioneller ausgerichteten Liedgut, musiziert näher am gesetzten Minimalcountry denn am Folk.

Denn Zugang zu diesem erleichtert dem Sparta Fan ‚The Electric Six‚, eine sechs Song starke, beigelegte EP mit Neuinterpretationen aus dem Pool der ersten drei Ep´s – wie der Name schon vermuten lässt weitestgehend im elektronisch verstärkten Bandgewandt. Aus der Reihe der rockenden Nummern tanzt einzig die aufgepeppte Version des Pianoschunklers ‚Decades‚, die sich himmelschreiend schön vom Rest der ansonsten etwas zu konventionelle arrangierten Stücke auf dieser EP hervorhebt und selbst vor Gospel nicht zurückschreckt. So gut diese Bonusgeschichte aber auch sein mag, die wahren Schätze dieser Compilation sind natürlich die drei das Herzstück bildenden Akkustik Ep´s. Ihnen allen gemein: Ward verlässt sich darauf vornehmlich auf seine Stimme, seine Akkustikgitarre und sein Gespür für wunderbare Melodien. Und liegt dabei goldrichtig, auch wenn er falsche Spuren auslegt und das Material ersteinmal als nette aber unspektakuläre Songsammlung auftritt – und sich erst nach und nach als  glanzvolles Lehrstück in Sachen reduzierter Country und Folkkunst erweist.

Die Highlights sind dabei nicht rar gesäht, in diesem Sammelsurium der Melancholie, der niedergeschlagenen Grundstimmung, die Ward stets mit sich herumzutragen scheint, selbst in den aufbrausenderen Kompositionen. Im emotional bedrückten Mittelpunkt steht das finale ‚The End Begins‚, auf der Minimalgitarrenspiel genügt, während im Hintergrund Trompeten schmachten, jubilieren und trösten. Dann darf doch noch ein Schlagzeug auftauchen, während der Gospel hier noch emotionales Hardcoregeshoute war. Das begeistert ebenso wie der zurückgenommenen Melodieauflauf  ‚In the Valley, on the Shores‚, welches auf ‚Broken Songs‚ Tegan (ohna Sara) Quin gefühlvoll einarbeitet und den Song dabei nocheinmal hervorhebt – der Rest: wiederum reduzierter Countryfolk. So hat es schon auf ‚Quiet‚ begonnen, nur eben noch zurückhaltender. Besonders hier konnte Ward seine Songs noch als aktionsarme, unspektakuläre Songsammlung kaschieren. Das wächst ungemein und schwindelt sich durch die Hintertür und über die Umwege des Unterschätzens in die Herzen. Natürlich fehlt es ‚Quiet In The Valley, On The Shores The End Begins‚ aufgrund seiner Beschaffenheit an einem übergeordneten Spannungsbogen, die Songs fügen sich weitestgehend als Stückwerk aneinander. Aber Jim Ward ist nunmal nur ein großartiger Musiker, kein Zauberer.

Wer sich auf der Suche nach den extrem seltenen Einzel EP´s befindet, kann seine Suche also theoretisch endlich einstellen und auch wer Ward abseits seiner populären Bands bisher zu wenig Beachtung entgegen gebracht hat, sollte sich über diese Compilation freuen wie ein kleines Kind. Vor allem, daher wieder nicht abzusehen ist, wohin Jim´s Karriere demnächst steuern wird. Denn just, als sich die Scheinwerfer auf seine Solokarriere zu wenden beginnen, entschied er sich, Sparta wieder wach zu küssen. Man darf also gespannt sein, was die Zukunft für Ward bereit hält. Aber schlußendlich wird wohl ohnedies wieder alles anders kommen, als man es erwarten könnte.

 

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