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Johnny Cash – Bootleg Volume III: Live Around the World

Acht Jahre nach dem Tod des Man in Black ist die Veröffentluchtsflut aus seinem Nachlass verebbt, vereinzelt gräbt man noch ein Schmankerl für Fans aus. Nach dem überraschend starken ‚American Recordings‘- Schwanengesang ‚Ain’t No Grave‘ von 2010 folgt nun also der dritte Teil der Johnny Cash Bootleg-Serie.

Dabei bleibt die der Bob Dylan Bootlegreihe nachempfundenen Veröffentlichungsserie ihrer starken Linie treu: Von Ausverkauf oder Leichenfledderei kann hier keine Rede sein, für die Legacy Edition hat Sony tief in den Archiven gewühlt und bringt so einige Schätze ans Tageslicht – tatsächlich sind 37 der versammelten 53 Aufnahmen bisher unveröffentlicht. Ein Traum für (Hardcore-)Fans also, eine nette aber nicht wirklich notwendige Ergänzung der Johnny Cash Kollektion für alle anderen. Dabei klammert Volume III der Bootleg Serie Gelegenheitshörer noch stärker aus, als die beiden Vorgänger. War ‚Personal File‚ noch Zeugnis der Wurzeln der American Records in Form von Solodemos in den 70ern und 80ern, dokumentierte ‚From Memphis to Nashville‚ Johnnys Weg von der Radiosensation zum Megastar über alte Aufnahmen aus den 50ern und Sun Records – Demos aus den 60ern.

Live Around the World‚ beackert nun, wie der Namen schon sagt, zahlreiche bisher wenig ausgeleuchtete Liveauftritte von Johnny Cash zwischen 1956 und 1979 rund um die Welt – von Mitschnitten im „Big ‚D‘ Jamboree“ über Cash´s Auftritt beim Newport Folk Festival bis hin zu dem Privatständchen im Weißen Haus, angekündigt von Richard Nixon himself. Diesem Konzert wird dabei auch am meisten Platz eingeräumt – insgesamt zwölf Nummer lang. Angesichts der mythenumrankten Sturköpfigkeit des Man in Black nur gerechtfertigt: Cash weigerte sich Nixons Wunschnummer wie ‚Okie From Muskogee‚ oder ‚Welfare Cadillac‚ zu spielen und bracht stattdessen unter anderem ‚What is Truth‚, welches sich in das Sammelsurium aus Gospelsongs und Klassikern wie ‚A Boy Named Sue‚ perfekt einfügt. Mit Klassikern wird hier aber ohnedies nicht gespart: ‚Hey Porter‘, ‚I Walk the Line‘ ‚Daddy Sang Bass‘, ‚Big River‘, ‚Get Rhytm‘,’Ring of Fire‘, ‚Cocaine Blues‘.…alles da. Meistens zudem in mehrfacher Ausführung, egal ob vom seltsam überdrehten Bandsound in der „New River Ranch“ oder dem einsamen Auftritt mit Akustikklampfe in Newport nach Ankündigung Pete Seegers .

Der eigentliche Höhepunkt: Cash in Vietnam zu Kriegszeiten im Jänner 1969 mit dicht gestaffelten Hitprogramm, mulmiger Gänsehautstimmung inklusive: granndios! Das mag streng genommen nicht essentiell sein und diesmal auch kaum neue Facetten der Ikone aufdecken – auch wenn die dritte Version der Bootleg Serie seinen beiden Vorgängern leicht hinterherhinkt, ergibt sich ein intensives, stimmungsvolles Bild von Cash als beeindruckenden Livekünstler, über die Jahrzehnte hinweg in verschiedensten künstlerischen Phasen. Zudem ist es schön, bisher weniger ausgeleuchtete Stationen des Meisters erstmals auf Tonträger präsentiert zu bekommen. Gemeinsam mit dem ausführlichen Booklet ergibt sichso  ein außerordentlich stimmiges Gesamtbild, mit über zweieinhalb Stunden Spielzeit.. Der Fan greift da deswegen natürlich ohne zu überlegen zu, Neulingen und Gelegenheitshörern könnte ‚Live Around the World‚ nicht zuletzt aufgrund seiner repetitiven Songauswahl (ist aber ja kein Best-of) samt teils mittelprächtigen Sound (bedenkt man jedoch das Alter der Aufnahmen, kann man nur seinen Hut ziehen!) irritieren. Generell gilt aber: Dank derartiger Veröffentlichungen bleibt zu hoffen, dass der Fundus an bisher unveröffentlichtem Material aus dem Hause Cash noch lange nicht zur Neige geht. Außerdem natürlich ein gelungener Appetizer für die bald erscheinende [amazon_link id=“3868733973″ target=“_blank“ ]Biographie von John Carter Cash über seinen Vater.[/amazon_link]

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