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Kashmir – Katalogue 1991 – 2011

Auch für die dänische Antwort auf Radiohead nähert sich das Weihnachtsgeschaft. Da darf man die letzten, mitunter großartigen zwanzig Jahre schonmal Revue passieren lassen.

Ob Kashmir in diesem Leben noch diesem Leben noch den Stempel loswerden, sich eklatant an den musikalischen Vorzügen zu bedienen, die Radiohead auf ‚The Bends‚ und ‚OK Computer‚ mit leichter Tendenz zur Elektronik von ‚Kid A‚ kultiviert haben?
Natürlich hinken diese Vergleiche nicht wirklich: Kashmir haben in Radiohead nicht nur wegen der zwischen Matt Beringer und Thom Yorke eingerückten Stimme von Frontkauz Kaspar Eistrup das große Leitbild gefunden. Aber Tatsache ist auch, dass Kashmir sich vor allem seit ‚The Good Life‚ von 1999 eine eigene Identität erarbeitet haben und dies kontinuierlich mit grandiosen Alben untermauern. Dass nicht wenige Hörer außerhalb Dänemarks Kashmir nach deren Durchbruchmeisterwerk ‚Zitilites‚ wieder aus den Ohren verloren haben, konnten auch die Gäste David Bowie und Lou Reed auf  ‚No Balance Palace‚ sowie das letztjährige ‚Trespassers‚ nicht verhindern –  wo Kashmir Alben in der Heimat standartgemäß auf die Poleposition der Charts schießen, schlagen sich die Dänen in hiesigen Breitengraden immer noch mit dem Prädikat des Geheimtipps herum. Was also sollte da besser Abhilfe schaffen, als Freunden majestätisch melancholischer Poprockjuwele die allumfassende Werkschau ‚Katalogue 1991 – 2011‚ unter den Weihnachtsbaum zu legen?

Für die versammelten 32 Songs schöpfen Kashmir aus den Vollen, arbeiten ihre Discographie erschöpfend akribisch auf. Den Beginn macht dabei die neue Single ‚Electrified Love‚, eine herzerwärmend beschwingte Nummer mit treibenden Rhytmen, leisem Piano und permanenter Akustikgitarrenuntermalung. Ein grandioses Stück Musik, das wieder einmal vorzeigt, weswegen man diese Band lieben muss. Danach arbeitet sich das Quartett strikt chronologisch immer weiter in die Vergangenheit zurück, zwischen reihenweise vorhandenem Albummaterial streut die Band immer wieder rare Nummern – eine Freude vor allem für Fans, die nicht jede EP oder Single im Regal stehen haben. Dass die beiden Datenträger jeweils von gelungenen Liveaufnahmen beendet werden, kann dabei als „gut gemeint, jedoch nicht zwangsweise nötig“ eingeordnet werden. Zumal ‚Katalogue 1991 – 2011‚ seine Sache manchmal gar zu gut meint, und schonmal die Hälfte eines gesamten Albums an Bord nimmt. Daher sich die Tracks aber ungeachtet ihrer Herkunft homogen zueinanderfügen, ist dies natürlich ein zu vernachlässigendes „Manko“.

Ein ebensolches: Dass die zweite CD ab dem Erreichen der Songs der beiden ersten Alben ‚Travelogue‘ and ‚Cruzential‘ qualitativ etwas nachlässt. Lyrisch einerseits, musikalisch andererseits zumindest Geschmackssache wird – spielten Kashmir in ihren Anfangstagen doch noch eine nicht immer geschmackssichere Mischung aus Mr. Bungle Rock und Grunge-lastigem Metalanleihen – einzureihen unter ‚Groovecore‚.  Insofern natürlich eine schlaue Sache, die Dinge hier rückwärtig anzugehen, haben sich die eigentlichen Gustostücke Kashmir´s doch weitestgehend im letzten Jahrzehnt abgespielt.
Da verheiraten die Dänen unwerfende Melodien mit viel Gefühl zu famosen Rocksongs. Natürlich gilt wie bei allen großen Bands: Im Regelfall sollte man sich die regulären Studioalben (vodergründig ab ‚The Good Life‚) anschaffen, im Zweifelsfall gibt es wohl keinen besseren Zugangspunkt zum Werk dieser Band als diese rundum gelungene Discographyschau.

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