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Iron & Wine – Kiss Each Other Clean

Iron & Wine "Kiss each other clean" Cover ArtDer Werdegang Sam Beams ist bemerkenswert: er studierte Filmwissenschaften in Florida, lehrte in Miami Film und Cinematographie und wurde als Musiker eher zufällig vom Chef von Sub-Pop-Records entdeckt. Seitdem ist er einer breiteren Öffentlichkeit unter Iron & Wine bekannt. Mit „Kiss each other clean“ schuf er seinen inzwischen vierten Studio-Longplayer, der zweite mit voller Band.

Schon der Vorgänger „The Shepherd’s Dog“ brach mit den stillen LoFi-Folksongs, welche die ersten beiden LPs auszeichneten und setzte auf psychedelische Sounds, Sitars und Polyrhythmik. „Kiss each other clean“ bricht damit nicht, sondern geht noch einen Schritt weiter.

Mit dem Start in „Walking far from home“ (zum Reinhören einfach runterscrollen!) wird in etwa klar, in welche Richtung das Album geht. Weg von den Gitarren, hin zu elektronischen Sounds und dem Funk und Jazz entlehnten Bläsern und Rhythmen. Wie auch schon die Fleet Foxes setzt Iron & Wine verstärkt auf Mehrstimmigkeit und erinnert damit stellenweise an die Beach Boys. Wer aber aufhört, Vergleiche zu ziehen, merkt, mit was für einem grandiosen Song man es da zu tun hat.
Das hat aber gebraucht: beim ersten Hören von „Walking far from home“ wollte ich mir das Album nicht kaufen. Der Grund: mit „Upward over the mountain“ habe ich ein anderes Idealbild eines Iron & Wine Songs.

Aber es geht weiter mit gemischten Gefühlen: während „Me and Lazarus“ an einen zu langsam gespielten Funk-Song erinnert, sind es Titel wie „Godless brother in love“, „Glad man singing“ und „Half moon“, die einen auch 2011 an Sam Beam als einen der größten Songwriter des letzten Jahrzehnts glauben lassen. Denn neben all den fancy Studiofinessen, die er auf „Kiss each other clean“, dem wahrscheinlich jetzt schon am schönsten betitelten Album 2011, auspackt, sind es immer wieder vor allem die leisen Momente, in denen sich das Album am Besten entfalten kann.
Denn eines wird auch diesmal wieder klar: Sam Beam ist ein Meister der Arrangements und einer der ganz wenigen, die es immer schaffen, mit ihren Texten starke Emotionen hervorzurufen.

Damit schuf er ein streckenweise sehr gewöhnungsbedürftiges, aber durchaus lohnenswertes und von Grund auf positives Pop-Album. Oder wie auch immer wir diese irre Genremixtur nennen wollen.


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Zum Reinhören: „Walking far from home“ & „Glad man singing“

 

Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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