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Korn – The Path Of Totality

The Path Of Totality‚  ist glücklicherweise nicht die x-te Selbstkopie der siechende Nu-Metal Urgesteine geworden. Fortschritt mit dem Holzhammer lautet die Devise, Korn erfinden sich als brachiale Club-Industrial-Dubstep-Band neu.

Eine weitere halbgar aufgewärmte Version alter Großtaten hätte 17 Jahre nach dem imposanten Debütalbum ohnedies niemand mehr benötigt: Die seit über einem Jahrzehnt andauende Form des Selbstplagiats stellte ja erst im vergangenen Jahr mit Altproduzent Ross Robinson und Pädo-Albumcover den Höhe- bzw. wahlweise Tiefpunkt der Suche nach den Wurzeln dar – ‚Korn III: Remember Who You Are‘ fand jedoch nur mäßig inszenierte Trademarks, ausgelutschte Ideen und kaum mutige Ansätze. Also doch lieber zurück nach vor: Doch wer hätte schon geglaubt, dass Jonathan Davies und Co. Ernst machen würden, als der Sänger das zehnte Studiowerk seiner Band vollmundig als Dubstep-Album ankündigte?

Die Beats brettern auf ‚The Path of Totality‘ scheinbar verrückt durch die Gegend, pressen jedoch stets headbangend auf den Punkt. Störgeräusche fiepen, Sequenzer schrauben sich in nervende Höhen und kaschieren ungelenk, dass alle Rhytmen mit Netz und doppeltem Boden gesichert sind. Zerhackte Ahnungen von Recyclingriffs grätschen in das Hochglanzprodukt – wenn das Klavier aufmarschiert oder gar der Dudelsack entstaubt wird, ist das nicht von Dauer. Dabei entfernt sich ‚The Path of Totality‘ nur oberflächlich von jener Band, die man per Geschmacksdekret schon lange nicht mehr gut finden soll, aber doch noch mag – viel eher wird die Frage beantwortet, wie Korn als ausgeflippte Drum`Bass Band mit Bad-Ass-Gitarrenlicks verkleidet klingen. An allen Ecken piepst es, die Synthesizer heulen, freakige Soundeffekten verdecken das formelhafte Songwriting, zusammengeschraubte Soundeffekte positionieren sich zwischen den immer verdammt eingängigen Refrains: Unter der Oberfläche brodelt hier eine Popplatte, präsentiert als Gothic-affiner Elektronik, die sich böser gibt, als sie tatsächlich ist.

Ginge die Platte als reine Zusammenarbeit Jonathan Davies´mit unzähligen hippen Produzenten in den Handel, man würde es nicht nur wegen der klassischen Lyrics (eben über Dicks, die zu sucken sind und Feelings, die gehated werden) als solche durchgehen lassen. ‚The Path of Totality‘ erzwingt den Schritt aus dem Sound-Korsett dabei überraschend gelungen, übersieht dabei jedoch auch, dass die Band künstlerisch seit über einem Jahrzehnt in einer Seifenblase vegetierte. Mögen Kompositionen wie ‚Chaos Lives in Everything‘ oder ‚Way Too Far‘ auch zum besten gehören, was Korn seit Jahren abgeliefert haben und dumpfe Prollstampfer der Marke ‚Let´s Go‘ und ‚Get Up!‘ die Stimmung brachial heben – das spannendsten Werks der Band seit ihrem Debütalbum bringt Nu Metal mit Nine Inch Nails und Techno unter einen Hut und hinkt dem Status Quo damit mindestens ein Jahrzehnt hinterher. Ein für Korn-Verhältnisse durchwegs gelungenes, kurzweilig unterhaltsames  Album mit lahmenden Songwriting und altbackenen Sound. Dass Korn selbst das als offenbar als visionär und wegweisend ansehen, sagt mittlerweile mehr über diese Band aus, als man wahrhaben möchte.

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Comments (2)

  1. Pingback: The Used - Vulnerable - HeavyPop.atHeavyPop.at 27. März 2012 […] Stunde wie bei so vielen Kollegen: Elektronik. Freilich nicht derart kompromisslos, wie Korn das jüngst im Dubstep vorgemacht haben, jedoch exaltierter als auf dem bisherigen Output der Band. Das ist […]

  2. Pingback: Incubus - 8 - HeavyPop.at 27. April 2017 […] The Last-Reunion Zeit für das erste Album der Band seit 6 Jahren gefunden, aus seiner anbiedernden Zeitgeist-Arbeit für Korn aber offenbar nur bedingt gelernt. Zwar bleibt Skrillex‚es Einfluss auf das […]

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