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Lambchop – Turd Goes Back

Auch wenn schon wieder drei Jahre seit dem letzten regulären Lambchop Studioalbum vergangen sind, noch ist kein neues ist Sicht: ‚Turd Goes Back‘ vereint zwei rare Uraltkassetten mit Demostücken und Outtakes. Das ist, wenn überhaupt nur für Hardcorefans interessant.

Weswegen sich auch die ultrarare Auflage der LP erklären lässt. Auf 314 Stück limitiert, kommen nur Unterstützer von Grapefruit Records in den Genuss des unausgegorenen Songmaterials, für 90 Dollar im Jahr ist man dabei. Ob ‚Turd Goes Back‚ allein dies wert ist, will gut überlegt sein, denn abseits von Hardcorefans auf Ursprungssuche der amerikanischen Ausnahmeband um Kurt Wagner wird der Gelegenheitsfan hier nicht glücklich werden.
Der Sound ist – bedingt durch seinen Ursprung auf mehrfach überspielten Kasetten aus dem Billigdeck – bestenfalls grottig und klingt derart Lo-Fi, dass es eigentlich schon No-Fi ist. Als würde im Nebenzimmer eine Band unter einer riesigen Bettdecke spielen.

Allerdings spielen die da auch ansatzweise tolle Songs. ‚Que Sera Sera‚ ist viel zu langer Boogie Rock nach Lambchop Art, das seinerzeit als Single veröffentlichte ‚My Chliché‚ klingt, als würde man vom Schulhof aus einer im Ballsaal spielenden romantischen Wavepop Band lauschen können. Und in ‚Fa-Q‚ deutet sich zu reichlich Reverb, zarten Gitarrentönen und Wagner´s tiefer Stimme schon im Ansatz die spätere Größe seiner Band an. Wer ansonsten nach schiefen Countrysongs (‚Came Home Late‚, ‚Music City Shits‚), traurigen Leonard Cohen Hommagen (‚Soaky in the Pooper‚) oder sinnloses Spoken Word Nonsens (‚I, Megalomaniac‘, ‚Daktari‚) von  Lambchop sucht, wird hier fündig. Üblicherweise findet man Songmaterial wie das hier präsentierte auf Bonus Disks etwaiger Reissues, als eigenständige Sammlung taugen die Songs jedenfalls kaum – müssen sie aber auch nicht, ob ihrer Veröffentlichungsform. Was eine Bewertung der Platte so unnötig wie schwer macht.

Man muss aus ‚Turd Goes Back‚ (trotz seines vollmundigen Untertitels ‚Essential Tracks from Secret Secret Sourpuss & Big Tussy‘) eben nicht mehr machen, als es ist: Ein kleiner, aber nicht vollends unfeiner Köder für den Grapefruit Music Club. Komplettisten kommen hier wohl nicht drum ‚rum, wenn auch mit Bauchschmerzen. Dafür dürfen sie den Anfängen Kurt Wagner`s wunderbarer Band lauschen und die Ursprünge manch später vollendeter und zu voller Blüte gebrachter Songs erforschen. Für alle Anderen dürfte ‚Turd Goes Back‚ ein kurioses, gar unnötiges Sammelsurium von mal mehr, mal weniger gelungenen Songbausteinen darstellen. Ein neues Studioalbum ersetzt dies hier natürlich ebensowenig, wie es die Vorfreude darauf schmälert.

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