Neonliberal.at

Neonliberal.at

Limp Bizkit – Gold Cobra

Limp Bizkit machen da weiter, wo sie in dieser Besetzung vor ziemlich genau elf Jahren aufgehört haben – 13 mal prolliger Rap Metal für alle Phasen der Pubertät also, an dem die letzte Dekade praktisch spurlos vorbeigezogen ist. Ob das jetzt anachronistisch, zeitgemäß oder gar schon wieder trendy ist, sei dahingestellt. Viel wichtiger: Darf man das trotz allem gut finden?

Was natürlich dagegen spricht, ist in erster Linie Fred Durst. Dessen Texte sind auf ‚Gold Cobra‚ schon derart absurd schlecht, dass selbst das potthässliche Cover dagegen gut wegkommt. Soviel Bockmist auf ein Album zu packen – da gehört schon was dazu! Insofern muss man dem Frontassi fassungslos entsprechendes Talent zugestehen. “Check it out, it’s the outlaw white dog. Often called by my alias polar bear. Brain tied like the S&M freak shit. Cold like the ice you’re serving up my drinks with!“  beginnt Durst etwa das autobiographische ‚Get a Life‚. Die Geschichte geht natürlich weiter  („B-Boy with a taste for the metal. A taste for the fine rhyme and I ‚aint gonna settle. If you don’t like it then you can scratch up on these nuts bitch, Polar bear ‚aint a cracker you should fuck with!„) und wird textlich nicht besser. Beachtlich: Fred Durst, der “cacky-lacky mofo“, offenbar auch bekannt als“Polar Bear„, ist mittlerweile doch über 40.

Aber mal im Ernst: Das hier ist immer noch – und letztendlich wieder mehr als auf den letzten beiden Alben– Limp Bizkit. Eine Band, die nie für musikalisch subtile Songs bekannt war und eben schon gar nicht für in Songtext gegossene Lebensweisheiten; Konzeptalben über Architekturausrichtungen oder Rechtswissenschaftsfragen wird’s von Durst und Co. in diesem Leben wohl (hoffentlich?) auch nicht mehr geben. Die Megaseller aus Jacksonville stehen für die dickste Hose des Nu Metal, die ertragreichste Kreuzung von Rap und Metal.
Und endlich werden sie diesem Ruf auch wieder gerecht. Nach dem kreativen Kahlschlag ‚Results May Vary‚ (2003 ohne den immer mal wieder aussteigenden Wes Borland mit Mike Smith eingespielt) und dem Pseudo-Undergroundepos ‚The Unquestionable Truth, Part 1‚ (hat irgendjemand eigentlich auf den geplanten Nachfolger des 2005 von Hardcore Punk Ikone Sammy Siegler eingetrommelten Rohrkrepierers gewartet?) ist ‚Gold Cobra‚ nun also das erste Album seit ‚Chocolate Starfish and the Hot Dog Flavored Water‚ von 2000, das vollständig in Originalbesetzung eingespielt wurde. Wie sich das für solche Geschichten gehört, ist es tatsächlich auch das beste Album seit damals. Der Anschluss an die „guten alten Zeiten“ gelingt ‚Gold Cobra‚ nahtlos.

Dabei hat ‚Gold Cobra‚ natürlich seine Tiefpunkte. Das sozialkritische (Limp Bizkit Style!) ‚Shotgun‚ hat zwar einen Refrain um in den Hitparaden mitmischen zu dürfen sowie ein astreines Borland Solo, dafür aber auch Pumpgun Sounds im Beat – was ja so gut wie immer eine schlechte Idee ist. Bei Interludes wie jenem vor ‚Autotunage‚ muss man kopfschüttelnd den Blick abwenden, um vom Song an sich dann ohnedies doch noch einen geschmackvollen Tritt in die Weichteile zu bekommen.
Dass man sich an plumpen Lyrics beim Genuss von ‚Gold Cobra‚ generell nicht stören sollte, beweist auch der fette Riffrockhit ‚Douche Bag‚ („Douche Bag-I´m gonna fuck you up! Fuck you, fuck you, fuck you up!“). Was ‚Gold Cobra‚ seinen direkten Vorgängern voraus hat: Nicht einmal in den schwächsten Momenten der Platte hat das etwas von der reizarmen Langeweile der letzten beiden Platten. Dafür aber einige der gelungensten Limp Bizkit Momente der an Limp Bizkit Momenten nicht armen Karriere der Band:

Shark Attack‚ führt anfangs herrlich indezent aufs ‚Break Stuff‚-Glatteis und stampft prollig Richtung Bizkit Trademarks. Dem Titelsong wurde ein Refrain spendiert, der so sehr nach Charts schreit, dass man ihn schon alleine dorthin stemmen möchte. ‚90.2.10‚ wird live wohl zum absoluten Vollsuffknaller mutieren und ‚Bring it Back‚ ist der gelungene Zwitter aus hartem HipHop Beat in der Strophe und losgelassener Metalhandbremse im Chorus. Das gewaltige ‚Walking Away‚ und der Ohrwurm ‚Loser‚ sind in ihrer beinahe schon balladesken Eindringlichkeit die dezenten Höhepunkte der Platte, während  ‚Why Try‚ die Punkabfahrt samt durchgedrehter Gitarrenarbeit macht. Stichwort: Der Song ist eine kleine Sternstunde für den meisterlich aufgeigenden Borland, der auf ‚Gold Cobra‚ seine eventuell beste Limp Bizkit Perfomance liefert, den Spagat zwischen erwarteten Riffmonstern und ausgefallenem Zweckwahnsinn schafft. Knapp dahinter zeigen John Otto und Sam Rivers, was für eine verdammt tighte Rhythmusgruppe diese Band trägt – kann man dank Frontkasper Durst ja leicht mal übersehen. Wie übrigens auch den subtil in Szene gesetzten DJ Lethal, der im mönströsen Megamonstersound (ja – so fett ist das produziert!) beinahe unterzugehen droht.

‚Gold Cobra‘ vereint damit alles, was man an Nu Metal hassen oder zumindest verabscheuen kann und bedient nebenher jegliches Rap Metal Klischee, das sich finden lässt. Nur fair, haben Limp Bizkit diese doch mit geschaffen, als sie diese Musik in den Mainstream geprügelt haben. Insofern sollte man sich stets bewusst sein, mit welcher Band man es hier nun einmal zu tun hat. Limp Bizkit und Fremdschämen – das geht praktisch Hand in Hand. Dass die Band dazu nahezu innovationsresistent ist  – auch damit war zu rechnen. Dass Limp Bizkit aber nach zwei grottigen (Voraussetzung für diese Einstufung ist natürlich, dass man an den Alben davor in irgendeiner Weise Gefallen gefunden hat) Werken und lange nach der Hochphase des Genres zu alter „Stärke“ zurückgefunden haben, war nicht unbedingt abzusehen.
Ja, natürlich ist ‚Gold Cobra‚ verdammt stumpf, prollig, trashig und stellenweise auch schon grenzdebil. Aber rockt dabei derart fett die dicken Beats, als stünde die Goldene Ära des Nu Metal erst vor der Türe. Das muss man keineswegs gut finden- was auch niemand tun wird, der bisher nichts mit Limp Bizkit anfangen konnte – aber vor allem mit ausgeschaltetem Hirn macht ‚Gold Cobra‚ einfach Laune. Und bringt damit mehr als alles andere die Band Limp Bizkit eventuell perfekt auf den Punkt.

 

[amazon_link id=“B0053EJ1G2″ target=“_blank“ ]Gold Cobra auf Amazon[/amazon_link]

No comments yet.

Add a comment

Finde uns auf Facebook